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Der Wahlkreis Biberach ist traditionell eine CDU-Hochburg. Doch können Anja Reinalter (Grüne) und SPD-Mann Martin Gerster Josef Rief von der CDU nahekommen?

Die politische Ausgangslage

Derzeit sitzen der CDU-Abgeordnete Josef Rief, der das Direktmandat errungen hatte, und der SPD-Abgeordnete Martin Gerster im Bundestag. Gerster kam über die Landesliste ins Parlament.

Traditionell ist der Wahlkreis Biberach eine der letzten CDU-Hochburgen im Land. Auch bei der vergangenen Landtagswahl, bei der die Grünen die Mehrheit der Direktmandate holen konnte, blieb es im Wahlkreis Biberach bei einer deutlichen Mehrheit für den CDU-Kandidaten. Doch der Vorsprung verringert sich langsam.

Zum Wahlkreis Biberach gehören neben den Gemeinden aus dem Kreis Biberach auch noch Aitrach, Achstetten, Kißlegg und Bad Wurzach, allesamt aus dem Landkreis Ravensburg.

Die größten Herausforderungen vor der Bundestagswahl

Dem Kreis Biberach geht es wirtschaftlich sehr gut. Dort gibt es mit 2,5 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote in ganz Baden-Württemberg. Neben vielen Zulieferern aus der Automobilbranche sind auch Pharmaunternehmen wie Boehringer Ingelheim oder Rentschler in der Region wichtige Arbeitgeber, die durch ihre Mitarbeit an Corona-Impfstoffen von der Corona-Pandemie wirtschaftlich profitieren konnten.

Größte Herausforderung in der Region ist der Transformationsprozess in der Automobilindustrie. Dieser wird in den kommenden Jahren auch die Automobilzulieferer im Kreis Biberach, sowie den Baumaschinen- und Baggerhersteller Liebherr beschäftigen. Da sind sich die Kandidaten von CDU und SPD und die Kandidatin der Grünen einig. Auch der ÖPNV und der Ausbau der Infrastruktur sei ein wichtiges Thema, so Josef Rief von der CDU . Der Kreis Biberach hat immer noch sogenannte weiße Flecken bei der Abdeckung von schnellem Internet und Netzempfang. Das wollen SPD, Grüne und CDU angehen.

Die Direktkandidatinnen und Direktkandidaten

Die Reihenfolge der Kandidierenden ergibt sich aus dem Endergebnis der Bundestagswahl 2017 in Baden-Württemberg.

Für die CDU tritt erneut Josef Rief an. Seit 2009 sitzt er im Bundestag, hat drei Mal in Folge das Direktmandat gewonnen - zuletzt mit 42,7 Prozent. Für die SPD geht wieder Martin Gerster an den Start. Er ist seit 2005 im Bundestag. Für die Grünen will Anja Reinalter in den Bundestag einziehen. Die Professorin für Soziale Arbeit holte bei der vergangenen Bundestagswahl rund 14 Prozent. Die FDP geht mit Florian Hirt ins Rennen - dem jüngsten Bewerber. Der Student der Forstwirtschaft ist erst seit 2020 in der FDP aktiv und überraschend zum Kandidaten gekürt worden. Die AfD hat bisher keinen Direktkandidaten aufgestellt. Für die Linke tritt Rainer Schaaf an.

Die Top-Themen vor der Wahl

Wichtige Themen im Wahlkreis Biberach sind für den CDU-Kandidaten die Digitalisierung, Infrastrukturprojekte wie der Ausbau der B312 und die Elektrifizierung der Donautalbahn. Aber auch die immer wiederkehrenden Unwetter im Sommer sind im Wahlkreis ein Problem. Martin Gerster (SPD) will deshalb ein großes THW-Logistikzentrum nach Biberach holen. Die jüngsten Unwetter hätten gezeigt, dass ehrenamtliche Helfer, wie Feuerwehr und das Technische Hilfswerk (THW) unverzichtbar seien, so Gerster. Außerdem will er sich nach eigener Aussage für die Kommunen stark machen, den Klimaschutz und die Digitalisierung vorantreiben.

Anja Reinalter von den Grünen will sich als Vorsitzende im Landesfrauenrat für die Gleichstellung und gleiche Bezahlung von Frauen einsetzen. Darüber hinaus ist ihr großes Ziel, den Wahlkreis Biberach klimaneutral zu machen. Dazu gehört für sie auch eine Elektrifizierung der Donautalbahn.

Rainer Schaaf von den Linken will den ÖPNV klimafreundlich aufstellen und dazu unter anderem die Transportmittel auf E-Mobilität umstellen. Außerdem gehört für ihn die Gesundheitsvorsorge in die öffentliche Hand und er will den sozialen Wohnungsbau voranbringen.

So gehen die großen Parteien in den Wahlkampf

Josef Rief (CDU) will sich auf den Wahlkampf in Person konzentrieren, auch wenn Videos und Posts in sozialen Medien heute ebenso dazugehörten, sagte er dem SWR. Dennoch freue er sich auf den Wahlkampf, weil man bei persönlichen Treffen auch mehr von den Sorgen und Nöten der Wählerinnen und Wähler mitbekomme als in digitalen Formaten. Martin Gerster von der SPD freut sich auf den Wahlkampf auf der Straße und dass Begegnungen wieder möglich sind. Er will weiter für die Belange und Themen der Region in Berlin kämpfen und wichtige Projekte in den Kreis Biberach holen, von denen die Menschen direkt profitieren. Die Grüne Direktkandidatin Anja Reintaler will im Wahlkampf Online-Veranstaltungen mit klassischem Wahlkampf mischen. Die Linke will online und mit Präsenzveranstaltungen ab Mitte Juli in den Wahlkampf gehen.

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