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Die Universitätsstadt Freiburg ist als Grünenhochburg bekannt. Aber auch in den 19 Gemeinden von Kaiserstuhl bis Hexental stehen Umweltthemen inzwischen ganz oben auf der Agenda.

Die politische Ausgangslage

Der Wahlkreis Freiburg lag bei der Bundestagswahl 2017 als "grünster" Wahlkreis der Bundesrepublik an der Spitze. Vielleicht auch wegen der sehr jungen Bevölkerung waren die Grünen nirgendwo sonst erfolgreicher als in der Schwarzwaldmetropole. Die Erfolgsspur der Grünen greift aber zunehmend auch auf das ländlich geprägte Umland über. Bei der Landtagswahl im März knackte die Ökopartei in Freiburg und Umland die 40-Prozent-Marke. 

CDU und SPD sind dagegen im Sinkflug. Vor allem die Union verliert selbst auf dem Land an Rückhalt. Bei der letzten Bundestagswahl fuhr sie im Wahlkreis 281 ihr landesweit zweitschlechtestes Ergebnis ein. Von den Verlusten der klassischen Volksparteien haben damals neben den Grünen auch AfD sowie FDP und Linkspartei profitiert. Letztere errang im Wahlkreis Freiburg mit über elf Prozent einen Spitzenwert für westdeutsche Verhältnisse.

Vertreten wurde der Wahlkreis 281 in der letzten Legislatur von drei Abgeordneten. Matern von Marschall hatte für die CDU noch knapp das Direktmandat ergattert. Seine Kontrahentin Kerstin Andreae von den Grünen schaffte über die Landesliste wieder den Sprung in den Bundestag. Die Wirtschaftsexpertin gab ihr Mandat 2019 jedoch auf und wechselte zum Verband der Energie- und Wasserwirtschaft. Als Dritter hatte Tobias Pflüger von der Linken in Berlin die Belange des Wahlkreises 281 im Blick.

Die größten Herausforderungen vor der Bundestagswahl

Eines der zentralen Themen für Freiburg ist das Erreichen der Klimaziele, die auch in der Öko-Stadt noch in weiter Ferne sind. Wie könnte hier die Verkehrswende aussehen? Den Vorstoß der Stadt, flächendeckend Tempo 30 einzuführen, hat das Bundesverkehrsministerium erst vor wenigen Monaten einkassiert. Vom Tisch ist die Idee damit aber nicht. Außerdem geht es um mehr Platz für den Fuß- und Radverkehr und um neue Mobilitätskonzepte als Alternative zum eigenen Auto. Vor allem das Freiburger Umland wartet hier auf innovative Lösungen.

Die Bundestagswahl wird im Wahlkreis Freiburg auch zur Klimawahl. Der Klimawandel beschäftigt die Menschen in der Universitätsstadt und auch in den umliegenden Gemeinden. Dort hat die auf Obst-, Gemüse- und Weinanbau spezialisierte Landwirtschaft immer mehr mit Extremwetter wie Dürren und Starkregen zu kämpfen.

Die Direktkandidatinnen und Direktkandidaten

Die Reihenfolge der Kandidierenden ergibt sich aus dem Endergebnis der Bundestagswahl 2017 in Baden-Württemberg.

Die CDU setzt wieder auf Matern von Marschall. Der 58-jährige Hörbuchverleger hält seit 2013 das Direktmandat. Den Platzhirsch wollen nun aber zwei junge Frauen herausfordern: die 27-jährige Julia Söhne von der SPD und die 26-jährige Chantal Kopf von den Grünen. Erstere ist die Vorsitzende der Freiburger SPD-Gemeinderatsfraktion, letztere ist Kreisvorsitzende der Grünen.

Die Linke schickt wieder Tobias Pflüger ins Rennen, der sich als verteidigungspolitischer Sprecher seiner Bundestagsfraktion einen Namen gemacht hat. Mit Listenplatz sechs wackelt sein Einzug ins Bundesparlament derzeit aber noch.

Für die AfD kandidiert Marco Näger, derzeit AfD-Vorsitzender im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald. Ihm wird eine Nähe zur vom Verfassungsschutz beobachteten "Jungen Alternative" nachgesagt. Die FDP hat Claudia Raffelhüschen nominiert: Die Anfang 50-Jährige ist die Ehefrau des neoliberalen Rentenexperten Bernd Raffelhüschen.

Die Top-Themen vor der Wahl

Ein Aufreger im Wahlkreis 281 ist nach wie vor das Thema Wohnen. Denn Wohnraum ist in Freiburg besonders knapp und teuer. Die Mieten steigen seit Jahren steil in die Höhe, genauso wie die Quadratmeterpreise für Eigentumswohnungen. Wohnen ist in Freiburg zunehmend ein Luxus, den sich nur noch Gutverdienende leisten können. Aber auch im Umland ziehen die Preise an. Die Folge: ein nahezu ungebremster Bauboom, der Ackerboden und Wald verschwinden lässt. Bezahlbare Wohnungen entstehen trotzdem kaum. Bei Investoren herrscht dagegen Goldgräberstimmung.

Im Wahlkampf geht es daneben auch um die Untertunnelung der B31 in Freiburg, den Weiterbau der B31-West bei Gottenheim, den Ausbau der Rheintalbahn, den Ausbau der A5 mit sechs Spuren sowie um die Wiederbelebung der stillgelegten Bahnstrecke von Breisach ins französische Colmar als grenzüberschreitendes Infrastukturprojekt. Dieses ist zudem eng verknüpft mit der Zukunft des abgeschalteten Atomkraftwerks Fessenheim im Elsass. Die deutsche Seite wünscht sich ein grünes, binationales Gewerbegebiet als Standort für Zukunftstechnologien im Energiebereich mit vielen neuen Jobs. In Frankreich dagegen gibt es die Idee eines Technocentre, wo radioaktive Materialien entsorgt werden sollen.

So gehen die großen Parteien in den Wahlkampf

Soziale Medien und Onlineveranstaltungen sind bei den Parteien zentraler Bestandteil des Wahlkampfs. Aufgrund der aktuell weniger angespannten Pandemiesituation setzen alle nun aber auch wieder verstärkt auf direkte Kontakte und persönliche Begegnungen.

CDU-Kandidat Mattern von Marschall will "viel an der frischen Luft zu Fuß" unterwegs sein. Chantal Kopf von den Grünen plant Großveranstaltungen im Freien mit Bundesprominenz. Außerdem will sie an Infoständen und bei Haustürbesuchen überzeugen. Auf den klassischen Tür-zu-Tür-Wahlkampf setzt auch SPD-Kandidatin Julia Söhne. Zudem wird sie die Wochen bis zur Bundestagswahl mit einem zur Cafébar umgerüsteten Lastenrad auf Stimmenfang sein.

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