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Vielleicht wird es ein spannender Zweikampf, denn der Aufwind der Grünen könnte für die CDU-Hochburg gefährlich werden - zumal der konservative Kandidat keinen Listenplatz hat.

Die politische Ausgangslage

Wird der CDU-Kandidat Michael Donth wieder das Direktmandat holen und damit die seit 1953 anhaltende Siegesserie der Christdemokraten im Wahlkreis Reutlingen fortsetzen? Oder kann Beate Müller-Gemmeke als Kandidatin der Grünen die CDU-Hochburg erobern? Das dürften die spannendsten Fragen im Wahlkreis 289 sein, der deckungsgleich mit dem Landkreis Reutlingen ist.

Die Direktkandidatinnen und Direktkandidaten

Die Reihenfolge der Kandidierenden ergibt sich aus dem Endergebnis der Bundestagswahl 2017 in Baden-Württemberg.

Seit 2013 sitzt der 54-jährige Verwaltungsfachmann Michael Donth für die CDU im Bundestag. Er gilt dort als Experte für Verkehr, Infrastruktur und Tourismus. Blickt man in die Statistik, kann Michael Donth gelassen in den Wahlkampf gehen. Denn bei den letzten beiden Bundestagswahlen hat er im Wahlkreis Reutlingen zwischen acht und zehn Prozentpunkte mehr geholt als seine Bundespartei. Bei ähnlichem Ausgang im September 2021 wäre Donth direkt wiedergewählt. Allerdings steht er unter Erfolgsdruck. Denn er hat im CDU-Bezirk Südwürttemberg-Hohenzollern nicht genügend Stimmen für einen Platz auf der Landesliste bekommen. Würde er bei den Erststimmen von der Konkurrenz überholt, verlöre er sein Bundestagsmandat.

Bei der SPD kandidiert der 61-jährigen Ulrich Bausch. Er ist seit über 20 Jahren Leiter der Reutlinger Volkshochschule, der Musikschule und des Abendgymnasiums.

Für die 60-jährige Sozialpädagogin Beate Müller-Gemmeke (Grüne) sind die Chancen auf eine vierte Legislaturperiode als Mitglied des Deutschen Bundestages gut. Ihre Partei bekommt in den Umfragen hohe Werte, und Müller-Gemmeke steht auf Landeslisten-Platz sechs der baden-württembergischen Grünen. Im Bundestag ist Müller-Gemmeke im Ausschuss für Arbeit und Soziales aktiv. Außerdem ist sie "Sprecherin für ArbeitnehmerInnen-Rechte" ihrer Partei. Sollte der Grünen-Aufwind in der Region Reutlingen so stark wehen wie bei der Landtagswahl im März, könnte es ihr gelingen, der CDU das Direktmandat abzunehmen. Zwar lag Müller-Gemmeke 2017 bei den Erststimmen rund 25 Prozentpunkte hinter Michael Donth. Doch bei der Landtagswahl ist es den Grünen gelungen, die schwarzen Siegesserien zwischen Walddorfhäslach, Pliezhausen, Wannweil, Bad Urach, Münsingen und Zwiefalten zu beenden.

Wenig Sorgen um seinen Sitz im Bundestag muss sich auch der FDP-Kandidat Pascal Kober machen. Er ist auf der Landesliste seiner Partei weit vorn platziert. Für die AfD kandidiert Hansjörg Schrade. Die Linke hat Jessica Tatti nominiert - sie ist ebenfalls weit vorn auf der Landesliste ihrer Partei.

So gehen die großen Parteien in den Wahlkampf

Die Reutlinger Sozialdemokraten haben bei den Bundestagswahlen seit 2005 stets auf junge Nachwuchskräfte gesetzt. Mit geringen Erfolgen, lagen doch deren Ergebnisse meist unter denen der Bundespartei. Mit dem 61-jährigen Ulrich Bausch schickt die SPD nun wieder einen älteren, bundespolitisch unerfahrenen, aber lokal sehr populären Kandidaten ins Rennen. Bei den derzeitigen Prognosen für die SPD und seinem Landeslisten-Platz 35 wäre ein Mandat für Bausch allerdings eine große Überraschung.

Für die Reutlinger Abgeordneten der FDP und der Linken sind die Direktmandate zwischen Echaz und Schwäbischer Alb kein Thema. Trotzdem können sie der Wahl optimistisch entgegensehen. Die Liberalen könnten nach den aktuellen Umfragen zweistellige Prozentzahlen erreichen. Da Pascal Kober auf Platz vier der Landesliste steht, ist der erneute Einzug in den Bundestag nahezu gesichert.

Die AfD schickt mit Hansjörg Schrade wiederum einen neuen Kandidaten ins Rennen, der aber von der Kommunal- über die Landes- und Bundespolitik einiges an Erfahrung mitbringt. Auch er tritt ohne Absicherung über eine Landesliste an. Bei der letzten Bundestagswahl erreichte der AfD-Kandidat im Wahlkreis Reutlingen zwölf Prozent.

Die Linke hat ihre Reutlinger Kandidatin Jessica Tatti noch einen Platz höher eingestuft: auf Listenplatz drei. Allerdings sind für deren Partei Verluste vorhergesagt. Wären die besonders gravierend, könnte sie das Mandat verlieren. Zeigen die Wahlergebnisse keine schweren Verwerfungen, dann hätte der Wahlkreis Reutlingen auch im neuen Bundestag vier Abgeordnete: CDU, Grüne, FDP und Linke mit jeweils einem Sitz.

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