Symbolbild Wahlkreis 291 Ulm Bundestagswahl 2021 in Baden-Württemberg (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Felix Kästle, Karte und Montage: SWR)

Direktmandat: Grün statt Schwarz?

Bundestagswahl 2021 in Baden-Württemberg: Wahlkreis 291- Ulm

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Jahrzehntelang dominierte die CDU den Wahlkreis Ulm. Geht es nach den Grünen, soll sich das bei der Bundestagswahl ändern. Bereits in der Landtagswahl konnte die Partei punkten.

Die politische Ausgangslage

Seit mehr als 70 Jahren geht das Direktmandat im Wahlkreis Ulm an die CDU. Seit 16 Jahren gehört es innerhalb der Partei den Frauen: 2005 wurde Annette Schavan gewählt (zuvor zehn Jahre lang Kultusministerin in Baden-Württemberg), 2017 Ronja Kemmer. Nach der Bundestagswahl 2017 war der Wahlkreis Ulm mit zwei weiteren Abgeordneten in Berlin vertreten: Hilde Mattheis (SPD) und Alexander Kulitz (FDP).

Die 66-jährige Parteilinke Mattheis tritt bei dieser Wahl nicht mehr an. Es ist auch fraglich, ob die SPD überhaupt einen Abgeordneten nach Berlin schicken kann. Größere Chancen haben die Grünen. Auf Landesebene jedenfalls holten sie bei der Landtagswahl im März den lange von der CDU dominierten Wahlkreis.

Die größten Herausforderungen vor der Bundestagswahl

Der Wahlkreis Ulm ist vielfältig geprägt. Das reicht von der Wissenschaftsstadt Ulm, einem Netzwerk aus Uni, Hochschule, Forschungseinrichtungen und Start-Ups als Motor für die Wirtschaft, bis hin zu ländlichen Gemeinden und Naturschutzgebieten im Alb-Donau-Kreis. Diese urban-ländliche Vielfalt zu erhalten, hat sich unter anderem die CDU auf die Fahne geschrieben.

Großes Thema in der Region ist die Verkehrswende. Die Grünen wollen das Großprojekt Regio-S-Bahn-Donau-Iller vorantreiben. Bus und Bahn sollen attraktiver werden, auch um Klimaschutzziele zu erreichen. Das ist auch eines von mehreren Zielen, das die Stadt Ulm gemeinsam mit sechs anderen deutschen Großstädten verfolgt, indem sie großflächig Tempo 30 in der Innenstadt testen will.

Wie anderswo leidet auch die Region unter den Corona-Einschränkungen. Der Tourismus muss wieder Fuß fassen, Handwerk und Industrie beklagen fehlende Fachkräfte. Den Fachkräftemangel will die FDP anpacken.

Die Direktkandidatinnen und Direktkandidaten

Wir stellen hier die sechs Kandidatinnen und Kandidaten der im Bundestag vertretenden Parteien vor. Alle Weiteren finden Sie im SWR Kandidatencheck. Die Reihenfolge ergibt sich aus dem Endergebnis der Bundestagswahl 2017 in Baden-Württemberg.

Ronja Kemmer (CDU) will erneut in den Bundestag einziehen. Die 32-jährige Erbacherin hat mit Listenplatz 15 auch gute Chancen auf ein Mandat, sollte sie nicht direkt gewählt werden. Für die scheidende SPD-Politikerin Hilde Mattheis war zunächst der Illerkirchberger Bauunternehmer Hasan Sen nominiert worden. Sen trat jedoch überraschend von der Kandidatur zurück, weil seine Aussichten auf ein Mandat zu gering seien. Im Mai nominierte die SPD daraufhin den Kreisvorsitzenden Alb-Donau, den 28-jährigen Jan Rothenbacher aus Balzheim.

Der Unternehmensberater und IT-Manager geht ohne Listenplatz ins Rennen. Er verspricht dennoch einen spannenden Wahlkampf und verweist auf eine positive Entwicklung der Umfragewerte der SPD. Für die Grünen will Marcel Emmerich nach Berlin. Der 30-Jährige rückte bereits vor wenigen Wochen für Danyal Bayaz im Bundestag nach, nachdem Bayaz das Amt des Finanzministers in Baden-Württemberg angetreten hatte. Bei der Landtagswahl im März ging der Wahlkreis Ulm klar an die Grünen. Diesen Rückenwind will Emmerich nutzen, er ist aber auch mit Platz elf sehr weit oben in der Landesliste seiner Partei.

Der FDP-Abgeordnete Alexander Kulitz ist dagegen von seiner Partei auf den aussichtslosen Listenplatz 26 gesetzt worden. Dem 39-jährigen Unternehmer bleibt nur der Kampf um das Direktmandat.

Die AfD schickt im Wahlkreis 291 Kristof Heitmann ins Rennen. Die Linke hat den gelernten Zimmermann David Rizzotto nominiert.

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Die Top-Themen vor der Wahl

Die Themen Digitalisierung und Ausbau der digitalen Infrastruktur sind bei diesem Wahlkampf wichtiger den je. CDU-Kandidatin Kemmer ist als Abgeordnete im Bundestag unter anderem Mitglied im Ausschuss "Digitale Agenda". Sie treibt nach eigenen Angaben seit Jahren den Breitbandausbau voran und will sich auch in der nächsten Legislaturperiode dafür einsetzen.

Für Rothenbacher (SPD) besteht in puncto Digitalisierung in der Region noch Aufholbedarf. "Wir dürfen nicht zu langsam sein oder wir riskieren unseren Wohlstand und die Perspektive des ländlichen Raums als Wohn- und Geschäftsort", warnt der 28-Jährige. Marcel Emmerich (Grüne) sieht im Internetausbau zudem einen essentiellen Faktor, dass Ulm weiterhin Wissenschaftsstadt und damit ein Treiber für Innovationen in der Region bleiben kann. Kulitz (FDP) sieht ebenfalls noch "großes Verbesserungspotenzial" in der digitalen Infrastruktur.

Auch die schweren Unwetter in diesem Sommer sowie die Dürren der vergangenen Jahre treiben die Parteien um. Neben den Grünen hat sich auch die SPD den Klimaschutz weit oben auf die Agenda geschrieben. Es sei wichtig, den ökologischen Fußabdruck weiter zu reduzieren, mahnt Rothenbacher. Grünen-Kandidat Emmerich will unter anderem fürs Klima eine Mobilitätswende hin zu mehr Bus- und Bahnnutzung. Der 30-Jährige setzt sich daher für die Regio-S-Bahn Donau-Iller ein. "Das ist zentral für gleichwertige Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land", sagt er.

Kulitz (FDP) will wieder für mehr Mündigkeit bei den Bürgerinnen und Bürgern sorgen. Schon vor der Pandemie habe es willkürliche und unnötige Regularien bei der Bürokratie gegeben. Er spricht von einer "Regulierungswut", die sich ändern müsse. Außerdem will sich der 39-Jährige für eine globale Vernetzung der Region einsetzen. Die Region sei exportstark und habe noch weiteres Potenzial.

So gehen die großen Parteien in den Wahlkampf

Trotz Corona-Pandemie setzen die großen Parteien auf Präsenz. Ronja Kemmer (CDU) will alle Orte des Wahlkreises besuchen. Der SPD-Kandidat Jan Rothenbacher plant corona-konforme Nachbarschaftstreffen, Fahrradtouren und Weißwurst-Frühstücke. Marcel Emmerich (Grüne) und Alexander Kulitz (FDP) planen ebenfalls Treffen vor Ort. Parallel dazu soll es bei allen vier Parteien auch Online-Angebote geben.

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