Brexit: Hat der Austritt aus der EU Großbritannien gespalten?

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Moderator/in
Jens Wolters
Moderator Jens Wolters aus dem SWR1 Team moderiert regelmäßig die Sendung SWR1 Leute mit spannenden und interessanten Gästen
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Jörg Witzsch
Redakteur Jörg Witzsch aus dem SWR1 Team behält den Überblick in der SWR1 Online-Redaktion.

Brexit: Großbritannien ist aus der EU ausgetreten. Ein Fehler, sagt Wirtschaftswissenschaftler Andrew Lee. Wieso, erklärt er in SWR1 Leute.

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Meine Hoffnung ist, dass wir jetzt wegkommen von 'Global Britain', sondern einfach 'Working Britain' – dass Großbritannien endlich erstmal funktionieren sollte im Alltag. Das wird dann schon sehr, sehr viel bringen für die Bevölkerung.

Der Brexit und die Folgen für Großbritannien

Vier Jahre ist Großbritanniens viel diskutierter Ausstieg aus der EU her. Andrew Lee ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Karlsruhe und in Großbritannien geboren. Er betrachtet den Brexit volkswirtschaftlich und politisch als Fehler. Lee bemängelt vor allem die Abwicklung und analysiert die Auswirkungen auf die aktuelle politische Lage in Großbritannien.

Der Bevölkerung wurde das Blaue vom Himmel herunter versprochen: Dass es ganz einfach ist, aus der EU auszutreten, dass jedem alle Türen offen stehen. Dabei war jedem bei normaler Betrachtung klar: Das wird so schwer, aus dieser unglaublichen Verflechtung herauszukommen. Die haben so viel versprochen, was sie nie und nimmer liefern konnten. Da fing die Enttäuschung [über die Tories] sicher an.

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Unterhaus-Wahlen: Stehen die Tories vor dem Zusammenbruch?

Am 4. Juli 2024 stehen in Großbritannien die Unterhauswahlen an. Der Labour-Partei wird ein sicherer Sieg vorhergesagt und Europas einst erfolgreichste Partei, die Tories, steht scheinbar vor dem vollständigen Zusammenbruch.

Es wäre das größte politische Erdbeben, das ich je erlebt habe, wenn jetzt Labour nicht gewinnt.

Nach dem Austritt aus der EU: So ist die Stimmung der Menschen in Großbritannien

Andrew Lee erlebt in Großbritannen nicht so sehr die Wut auf und über die Politik, die er aktuell in Deutschland wahrnimmt. Eher eine große Resignation und Gleichgültigkeit. Die Hoffnung, ja sogar die Euphorie, die man 1997 mit "New Labour" von Tony Blair gesehen habe, sei überhaupt nicht mehr vorhanden.

Die Menschen interessiere viel mehr: Wie sieht ihr Alltag aus, was macht die Inflation, wann bekommen sie einen Termin beim Arzt – gerade letzteres ist wohl ein großes Thema, denn das britische Gesundheitssystem gilt als sehr marode. 

Meine Hoffnung ist, dass Labour die Kleinigkeiten richtig macht, die kleinen Aufgaben. Ich brauch' für Großbritannien keine große Vision mehr, das haben wir in den letzten 14 Jahren der Tories genug gesehen. [...] Das sagen auch viele Briten: Die Straßen müssen verbessert, die Wartezeiten beim Arzt verkürzt und die Krankenhäuser besser finanziert werden. Das macht man nicht von heute auf morgen.

Die große Sorge von Andrew Lee für Großbritannien: Eine immer größer werdende politische Polarisierung, ein Abdriften stark nach rechts und der Verlust der politischen Mitte.

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