Widerstand gegen Hitler: Valerie Riedesel über ihren Großvater Cäsar von Hofacker

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Moderator/in
Nicole Köster
Moderatorin Nicole Köster aus dem SWR1 Team moderiert täglich ausßer samstags zwischen 10 und 12 Uhr die Sendung SWR1 Leute

Valerie Riedesel ist Historikerin und Enkelin von Cäsar von Hofacker, der am Attentat auf Hitler am 20. Juli beteiligt war. Seine Geschichte erzählt sie - historisch und privat.

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Attentat auf Hitler jährt sich zum 80. Mal

Am 20. Juli 1944 explodierte im Führerhauptquartier Wolfsschanze eine Bombe und in Paris gelang für wenige Stunden ein Umsturz, bei dem SS und Gestapo gefangengenommen wurden. Cäsar von Hofacker, der Großvater unseres Gastes Valerie Riedesel, war im Widerstand gegen Hitler und daran beteiligt.

Wer war Cäsar von Hofacker?

Cäsar von Hofacker, ist in Ludwigsburg geboren und war im Widerstand gegen Hitler. Seine Enkelin ist die Historikerin Valerie Riedesel. Hofacker war Stauffenbergs Cousin und treibende Kraft der Verschwörung gegen die Nazis in Frankreich. Nach dem Scheitern des Attentats wurde auch Hofacker verhaftet, gefoltert und Monate später hingerichtet.

Anders, als es oft vermutet wird, war die Gruppe Rund um Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der den Anschlag am 20. Juli auf Adolf Hitler verübte, nicht demokratisch eingestellt. Die meisten von ihnen waren im Militär, genauer in der Wehrmacht und hatten völkisch-nationalistische Einstellungen, so auch der Großvater von Valerie Riedesel.

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In Baden-Württemberg wird die Familiengeschichte lebendig

Valerie Riedesel lebt heute auf Rügen. Ihre Abitur machte sie in Baden-Baden, wo sie drei Jahre gelebt hat. Ihre Eltern blieben in Baden-Baden wohnen. Sie beschreibt die Zeit in Baden-Württemberg als sehr prägend. In der Recherche zu ihrem Buch hat sie herausgefunden, dass auch ihr Großvater, Cäsar von Hofacker in Württemberg aufgewachsen ist.

Wehrmacht und Widerstand – wie passt das zusammen?

Valerie Riedesel ist es wichtig, den Werdegang ihres Großvaters aufzuzeigen. Er sei sehr konservativ gewesen und 1914 stolz in den Krieg gezogen. Zunächst war er in den 1930ern absoluter Unterstützer von Adolf Hitler. Im Privaten beschreibt Valerie Riedesel ihn als liebevollen Vater. In SWR1 Leute spricht sie darüber, wie sie mit der Ambivalenz umgegangen ist als sie unzählige Briefe von ihm durchgelesen und seine Geschichte in ihrem Buch erzählt hat.

Ich bin die Enkelin, ich betrachte diesen Menschen als Enkelin – mit allen Widersprüchen, die er für mich hat.

Dann gab es einen Prozess der Wandlung und er habe sich von Hitler distanziert, woraufhin er sich dem Widerstand um seinen Cousin Claus Schenk Graf von Stauffenberg anschloss. Nach dem Attentat wurden auch Teile seine Familie verhaftet und ins Konzentrationslager verbracht.

Histotikerin mahnt vor Versuchung

Die Historikerin ist besorgt ob der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. Sie zitiert in der Sendung die Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, die sie als besorgniserregend einstuft. Sie mahnt, dass die Versuchungen, denen wir ausgesetzt sind, heute ähnlich zu denen in den 1930ern seien.

Geschichte wiederholt sich zwar nicht, aber die Menschen bleiben die Gleichen.