Susanne Schröter: Ist die westliche Politik gescheitert?

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SWR1 Moderator Jens Wolters (Foto: SWR, SWR1)

Susanne Schröter plädiert im Buch "Global gescheitert?" für Freiheitsrechte und kritisiert eine Politik, die verdrängt, schönredet, moralisiert und schlechte Entscheidungen trifft.

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In den vergangenen Jahren ist allein auf politischer Ebene viel passiert: In den USA der - nicht geräuschlose - Wechsel von Trump zu Biden, bei uns in Deutschland das Ende der Merkel-Zeit - die Ampel-Regierung hat jetzt das Sagen - und in Europa herrscht Krieg. Susanne Schröter ist Ethnologin und Politikwissenschaftlerin und beschäftigt sich mit solchen Veränderungen.

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Susanne Schröter macht sich Sorgen um die Demokratie und appelliert in ihrem Buch "Global gescheitert?" für individuelle Freiheitsrechte.

»Es gibt weder einen Grund für Überheblichkeit noch für Selbsthass. Beides behindert die realistische Überprüfung eigener Stärken und Schwächen, die notwendig ist, um aus Fehlen zu lernen und die Zukunft des Westens zu sichern. Eines sollte dabei gewiss sein: Wer die Freiheit im Innern nicht achtet, hat nach außen nichts zu verteidigen.«

Schröter beschreibt den Westen zwischen Anmaßung und Selbsthass. Sie ist der Meinung, dass sich moderne Gesellschaften gleichzeitig über- und unterschätzen. Sie geht dabei beispielsweise auf die gescheiterten deutschen Militäreinsätze in Mali und Afghanistan ein und die Reaktion der Bundesregierung auf Putins Kriege. Verdrängen, Schönreden, Moralisieren und schlechte Entscheidungen treffen – das hat Susanne Schröter dabei in Wiederholungsschleife gefunden.

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Begriff Westen: Mehr als eine Himmelsrichtung


„Westen ist auch eine Idee, eine Idee einer Welt, die darauf basiert, dass der Mensch Würde hat.“

Schröter sagt auch, dass es selbst in Demokratien Bewegungen gibt, die antidemokratisch sind. Sie gibt dem Westen auch durchaus in manchen Punkten ein schlechtes Zeugnis: Die westlichen Länder hätten beispielsweise bei der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan nicht gut gehandelt. Die Politik sei wenig lernfähig, besonders in der Außenpolitik. In Afghanistan sei von Anfang an klar gewesen, dass die Maßnahmen des Westens nicht gewollt wären in der breiten Masse. Viele Menschen in Afghanistan hätten grundsätzlich ein großes Misstrauen gegen über staatlichen Institutionen.

„Man muss lernen, dass die Welt nicht so funktioniert, wie es uns gefällt.Das wäre das Pippi-Langstrumpf-Syndrom. Sondern, dass sich Menschen in anderen Teilen der Welt durchaus eigene Vorstellungen von einem guten Leben machen, dass sie auch andere Werte und Normen gut finden als wir vielleicht. Und das müssen wir akzeptieren."

Als Ethnologin ist Schröter interessiert daran, welche Normen und Werte haben den Menschen in anderen Teilen der Welt.

„Ich bin überzeugte Demokratin (…) aber ich muss zur Kenntnis nehmen, dass es andere Menschen anders sehen. Und dann kann ich nicht hingehen und sagen (…) der Westen hat die Aufgabe alle von seinem vermeintlichen Glück zu überzeugen. Die Einmischung in andere Angelegenheiten steht dem Westen nicht zu.“

Russland: „Putin war von Anfang an kein Demokrat.“

Susanne Schröter sagt, die Politik habe sich nicht beirren lassen vom innenpolitischen Handeln oder auch von der Außenpolitik Russland. Man habe die Bedenken der osteuropäischen Nachbarn nicht ernst genommen. Man habe sich von einem autokratischen Regime abhängig gemacht.

Der Westen glaube häufig, dass alle so großartig werden sollen wie er. Die Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit annehmen. Im Verhältnis mit Russland sei man damit krachend gescheitert.

Das deutsch-russische Verhältnis

Russland sei immer ein politisch anversierter Partner gewesen. Über Schröder, zu Steinmeier zu Merkel. Merkel habe den Kurs, den die SPD auch vorgegeben hätte auch mit der CDU mit- und weiter getragen.

„Es ist nicht kalkulierbar, was mit Russland weiter passiert.“

Frauenrechte und Polizeiausbildung in Afghanistan

Susanne Schröter sagt, dass die Durchsetzung der Frauenrechte in Afghanistan nicht so umzusetzen war, wie man sich das vorgestellt hätte. Und bei der Polizei hätte es häufig keine Grenze zur Taliban gegeben. Sie selbst war in mehrjährigen Projekten vor Ort involviert. Das sei ernüchternd, aber es ginge darum zu schauen, was vor Ort tatsächlich ist und was die Menschen umtreibt. Dort stelle man fest, dass sich das davon unterscheidet, was wir im Westen vielleicht für wünschenswert halten.

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