Warum ARD-Korrespondentin Sonia Mikich als Kind gebratene Regenwürmer aß

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Wie war Moskau in den 90ern im Gegensatz zu Putins Russland heute? Und war das Leben in Paris der krasse Gegensatz? Die frühere ARD-Korrespondentin Sonia Mikich hat beides direkt erlebt.

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Durchsetzungkraft als Reporterin schon in der Jugend gelernt

Sonia Mikich kam mit neun Jahren und ohne Sprachkenntnisse von England nach Deutschland, von London nach Herne ins Ruhrgebiet. Eine der Mutproben der Gang ihrer Nachbarschaft: Denk' dir was Ekliges aus und zwinge andere mitzumachen. So hatte einer die Idee, Regenwürmer zu braten und die Kleineren zu zwingen, sie zu essen. Sonia Mikich wollte auf keinen Fall als fades Mädel gelten, besorgte eine Pfanne und machte mit. Und die Jungs nahmen sie in ihre Bande auf.

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Aufs Ganze - Die Geschichte einer Tochter aus scheckigem Haus

Unter diesem Titel erzählt Sonia Mikich ihre Geschichte(n). Nicht nur über Regenwürmer. Auch über Shrimps, die im Schultheaterstück "Alice im Wunderland" Ballett tanzen sollten - Mikich hatte sich zwar eher die Hauptrolle gewünscht, doch:

»...nicht einmal zum mickrigen Shrimp reichte es, ich wurde Ersatzgarnele, falls jemand ausfiel, und verarbeitete die katastropal schlechte Entscheidung ... mit mühsamer Gefasstheit. Das erklärt alles, alles, was später kam. Von der Ersatzgarnelee zur öffentlich-rechtlichen Chefredakteurin. In Silicon Valley nennen sie es wohl fail forward ["aus Fehlern lernen"].«

Auch über den Zwang, im - wie sie es nennt - ARD-Boys-Klub Unverdauliches hinunterzuschlucken, schreibt Sonia Mikich. Wie die Antwort eines ihrer Vorgesetzten auf den Wunsch nach Gehaltserhöhung - "arrogant und paternalistisch" fand sie das damals.

»Liebe Frau Mikich, Sie sind doch immer so gut angezogen, wozu brauchen Sie mehr Geld?«

Scheidungswaise, Kleineleutekind, Britin, halb Serbin, Linke, Feministin...

...Kabarettistin, Punksängerin, Akademikerin, Auslandskorrespondentin, Abenteurerin, Kriegsreporterin, Chefredakteurin. So beschreibt sie sich selbst. Sonja Mikich war ARD-Studioleiterin in Moskau und Paris, war Reporterin in Tschetschenien, Afghanistan, Ex-Jugoslawien und den USA. Und sie kritisiert den Reportage-Stil, bei dem es mehr um die Befindlichkeit des Journalisten oder der Reporterin geht als um das Thema selbst. Für ihre Arbeit erhielt Sonia Mikich zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Deutschen Kritikerpreis, den Telestar und das Bundesverdienstkreuz. In SWR1 Leute berichtet sie auch über "Putins Krieg".

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