Glaube, Kirche, Transidentität: Der schwere Weg der Transfrau Sabine Estner

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Nicole Köster
Moderatorin Nicole Köster aus dem SWR1 Team moderiert täglich ausßer samstags zwischen 10 und 12 Uhr die Sendung SWR1 Leute
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Carolin Hoos
Carolin Hoos aus dem SWR1 Team

Wie es ist 55 Jahre lang als Mann in der Gemeinschaft der Kirche zu leben, 14 Jahre davon als Mönch, und zu wissen "ich identifiziere mich als Frau", verrät Transfrau Sabine Estner.

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Coming Out als Transfrau: Ist kirchliches Leben noch möglich?

Sabine Estner ist Diplom-Ingenieurin für Elektrotechnik. 55 Jahre lang hat sie im Körper eines Mannes und in der Gemeinschaft der Kirche gelebt, 14 Jahre davon als Mönch im Kloster. Sie wurde christlich erzogen, hat sich dazu berufen gefühlt ins Kloster zu gehen und ist damit auch zunächst vor ihrer Transidentität geflohen.

Ohne Jesus hätte ich das alles nicht geschafft.

Schon von klein auf fühlte sich Transfrau Sabine Estner als Mädchen

Ihr konservativer und katholischer Vater kam nicht damit zurecht, dass sie so mädchenhaft war, dass ihr Backen und Häkeln Spaß machte. Er versuchte mit harten Schlägen einen harten Jungen aus ihr zu machen. Das ging soweit, dass er sie schlug bis sie bewusstlos war. Das hat Sabine Estner gebrochen, sagt sie heute. Sie versuchte sich im Anschluss anzupassen und ihrem Vater alles recht zu machen.

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Zwei Jahre nach der Prügelattacke ihres Vaters wird Sabine Estner von einem Großonkel sexuell missbraucht. Damals ist sie 12 Jahre alt. An den Missbrauch kann sie sich zunächst nicht erinnern. Sie leidet an Albträumen, wird schlechter in der Schule und verletzt sich selbst. Ihr Nervensystem ist permanent auf Alarmstufe Rot. Erst in einer Psychotherapie schafft Sabine Estner es, sich an den Vorfall zu erinnern und kämpft noch heute mit den Folgen der Tat.

Geschlechtsangleichende OP war ihre Rettung

55 Jahre lebte Sabine Estner im Körper eines Mannes. Der Weg bis zu ihrer geschlechtsangleichenden OP war lange und schwer. Heute aber ist sie der Meinung, dass Gott sie liebt und sie so erschaffen hat, wie sie ist.

Weihnachten 2017 habe ich vor Jesus und der Transidentität kapituliert und habe mir gesagt: ‚Okay, jetzt habe ich alles durch, alle möglichen Therapien, ich habe Exorzismus, Geisteraustreibung durch, selber gebetet ohne Ende‘ und dann habe ich zu Jesus gesagt: ‚Es gibt nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder ich lebe als Frau oder gar nicht mehr‘.

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Die OP und auch schon die Entscheidung für die OP bringen Sabine Estner inneren Frieden. Als sie ihren neuen Ausweis mit neuem Namen in den Händen hielt, hatte sie Tränen in den Augen.

Für mich war die OP eine Erlösung. Weil ich wusste, das hat mich auch vor Suizid bewahrt.

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