14 Monate nach Flutkatastrophe: Tunnel in Altenahr fertig und wieder befahrbar (Foto: SWR)

Ortsbürgermeister: "Ein sehr gutes Signal"

Durch Flut zerstörter Tunnel in Altenahr wieder freigegeben

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Martin Gärtner
Bild von Reporter Martin Gärtner aus dem SWR-Regionalbüro Bad Neuenahr-Ahrweiler in Rheinland-Pfalz, er belifert auch die Regionalnachrichten in Ludwigshafen und Koblenz.  (Foto: SWR)

Das Foto vom riesigen Loch am Tunnel in Altenahr ging um die Welt. Jetzt ist der Krater wieder aufgefüllt, den die Ahr bei der Flutkatastrophe gerissen hatte. Die Straße ist wieder befahrbar.

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Am Morgen nach der Flutkatastrophe im Juli 2021 war er für alle in Altenahr zu sehen: ein Krater, neun Meter tief und 50 Meter breit. Auf seinem Grund lagen ein Auto, Baumstämme und Teile benachbarter Häuser, die unterspült worden waren. Ortsbürgermeister Rüdiger Fuhrmann (CDU) erinnert sich genau an den Moment, als er zum ersten Mal in das Loch blickte: "Man konnte sich gar nicht vorstellen, dass das Wasser eine solche Gewalt hat und einen solchen Schaden anrichten kann. Unfassbar!"

Eines der bekanntesten Bilder der Flutkatastrophe im Ahrtal: Der Tunnel in Altenahr am 16.7.2021 (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Das Foto zeigt die Bundesstraße 267 und den Tunnel in Ahrbrück am 16.7.2021. Es ist eines der bekanntesten Bilder der Flutkatastrophe. Der Krater steht sinnbildlich für das Ausmaß der Zerstörung durch das Hochwasser im Ahrtal. Picture Alliance

"Das ist definitiv eines der bekanntesten Bilder der Flutkatastrophe."

17 Kilometer Umweg über Grafschaft für Autofahrer

Fuhrmann wohnt in einem der sechs Häuser direkt hinter dem Tunnel, doch sein Haus blieb verschont. Nach Veröffentlichung des Fotos bekam er aber viele besorgte Nachrichten: "Arbeitskollegen aus Köln riefen an und wollten wissen, ob es mir gut geht." Noch heute fragen Besucher in Altenahr nach dem tiefen Loch: "Das ist definitiv eines der bekanntesten Bilder der Flutkatastrophe."

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14 Monate haben die Bauarbeiten gedauert, bis die zerstörte Straße am Tunnelportal fertig war. In der Zeit mussten Autofahrer einen 17 Kilometer langen Umweg über die Gemeinde Grafschaft nehmen. 25 Minuten gingen dadurch verloren.

Vier Häuser wurden abgerissen

Am Tunnel sieht es jetzt dennoch deutlich anders als vor der Katastrophe aus. Vier Häuser mussten abgerissen werden, weil sie zu stark unterspült waren. Dort erstrecken sich jetzt kahle Schotterflächen. "Theoretisch darf hier wieder gebaut werden", berichtet der Ortsbürgermeister, noch sei aber unklar, ob tatsächlich jemand wieder dieses Risiko eingeht.

Denn bereits bei der Hochwasserkatastrophe 1910 war die Ahr durch den Tunnel geschossen und hatte am östlichen Portal einen tiefen Krater gerissen. Dennoch ist Altenahrs Ortsvorsteher überzeugt, dass bei einem erneuten Hochwasser der Schaden gering bleiben wird. "Man hat vieles unternommen, um das künftig zu verhindern", sagt Fuhrmann. Zum Beispiel seien die Gehwege nicht mehr gepflastert, sondern asphaltiert. Das Wasser könne des Areal also nicht mehr unterspülen.

14 Monate nach Flutkatastrophe: Tunnel in Altenahr fertig und wieder befahrbar (Foto: SWR)
Die Häuser rechts vom Tunneleingang stehen nicht mehr, die Bundestraße ist aber fertig. Seit einigen Wochen fahren wieder Autos durch den Tunnel. Jetzt wird er offiziell eingeweiht.

"Das ist auch psychologisch ein sehr gutes Signal für das gesamte Ahrtal."

Ministerin weiht Straße offiziell ein

Dass das Loch aufgefüllt und die Straße wieder hergerichtet wurde, ist für Ortsbürgermeister Fuhrmann ein sehr gutes Zeichen. Er habe nach der Flutkatastrophe im Juli 2021 gehofft, dass es schnell geht, war aber angesichts der enormen Zerstörung skeptisch. "Die Eröffnung des Tunnels ist extrem wichtig. Das ist auch psychologisch ein sehr gutes Signal für das gesamte Ahrtal."

Autos fahren auf Bundesstraße 267 schon seit einigen Wochen wieder durch den Tunnel zwischen Altenahr und Reimerzhoven. Offiziell wurde die neu gebaute Straße aber am Freitagnachmittag von der rheinland-pfälzischen Verkehrsministerin Daniela Schmitt (FDP) eröffnet.

Bei dem Termin sagte Schmitt, Ziel sei es, die geschädigte Infrastruktur im Ahrtal so schnell wie möglich wieder herzustellen. "Mit der Freigabe des Tunnels bei Altenahr schließen wir eine Lücke, die sinnbildlich für die Katastrophe stand, aber auch eine entscheidende Lücke im Straßennetz der Ahr", so die Ministerin. Die Kosten für die neue Straße betragen laut Verkehrsministerium rund 2,43 Millionen Euro und werden durch den Bund getragen.

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