Der Deutsche Dokumentarfilmpreis

SWR Dokufestival in Stuttgart

Renommierte Auszeichnung: Deutscher Dokumentarfilmpreis für Jialing Zhang mit "Total Trust"

Stand
Autor/in
Annika Jahn
Onlinefassung
Patrick Seibert
Bild von SWR Aktuell-Redakteur Patrick Seibert
Jana Prochazka
Bild von der SWR-Redakteurin Jana Prochazka

Beim SWR Dokufestival in Stuttgart wurde am Freitagabend der Deutsche Dokumentarfilmpreis verliehen. Den Hauptpreis erhielt ein Film, der die Macht von Big Data und KI zeigt.

In Stuttgart wurde am Freitagabend im Rahmen des SWR Dokufestivals der Deutsche Dokumentarfilmpreis verliehen. Der Hauptpreis ging dieses Jahr an die Filmregisseurin Jialing Zhang für "Total Trust". Insgesamt 14 Filme waren in unterschiedlichen Kategorien nominiert.

"Total Trust" zeigt Macht von Big Data und KI

Der Dokumentarfilmpreis ist mit 20.000 Euro dotiert und gilt als einer der renommiertesten Preise der Branche. "Total Trust" nimmt die Macht von Künstlicher Intelligenz und großen Datenmengen in den Blick. Dabei zeigt die aus China stammende Regisseurin Jialing Zhan anhand ihres Herkunftslands, wie Überwachungswerkzeuge zu Zensur und Selbstzensur führen. Laut Jury dokumentiert der Film, "dass der stalinistische Unterdrückungs-Staat Maos nun mit modernster Überwachungstechnologie lückenlos perfektioniert wird". Der Preis wird vom SWR und der Medien- und Filmgesellschaft (MFG) Baden-Württemberg gestiftet.

Musikpreis geht an Jan Heck aus Balingen

Den Musikpreis bekam Jan Heck für seinen Film "Schleimkeim - Otze und die DDR von unten". Darin widmet sich der Filmemacher aus Balingen (Zollernalbkreis) dem DDR-Punkmusiker Dieter "Otze" Ehrlich, der im sozialistischen Ostdeutschland rebellierte, nach dem Fall der Mauer aber auch mit der neuen Situation nicht zurechtkam. Der Regisseur verhelfe einem Bereich der DDR-Musiklandschaft "zu der Würdigung, die sie auch nach der Wende nicht erhalten" habe, schreibt die Jury. Der Film war auch für den Hauptpreis nominiert, also in gleich zwei Kategorien - das gab es noch nie. Der Musikpreis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Die Jury des Festivals mit Moderatorin Nicole Köster bei der Verleihung des Deutschen Dokumentarfilmpreises 2024.
Die Jury des Festivals mit Moderatorin Nicole Köster bei der Verleihung des Deutschen Dokumentarfilmpreises 2024.

Der Förderpreis des Hauses des Dokumentarfilms für ein Erstlingswerk oder einen Hochschulabschlussfilm ging an "Goldhammer" von André Krummel und Pablo Ben Yakov. Sie begleiteten laut Mitteilung den Protagonisten, der als deutscher Christ aufwuchs, zum Judentum konvertierte, in der israelischen Armee diente, später der AfD beitrat und "sich immer wieder neu erfindet". Weiter hieß es: "Goldhammer wird so zum Anti-Helden, der uns auf die Bruchstellen, die Gefährdungen unserer Zeit hinweisen kann." Als Preisgeld gab es 3.000 Euro.

Publikumspreis der SWR Landesschau für "Plastic Fantastic"

Den Publikumspreis der SWR Landesschau, gestiftet von der Landesanstalt für Kommunikation (LFK) und der MFG, gewann Isa Willinger mit "Plastic Fantastic". Darin befasst sich die Regisseurin mit der "Allgegenwart von Plastik und Plastikmüll" und erzählt auch "vom erfolgreichen Kampf gegen die scheinbar übermächtige Industrie", wie es in der Mitteilung hieß. Eine Zuschauer-Jury der SWR Landesschau mit neun Mitgliedern entschied in diesem Jahr zum vierten Mal über den mit 3.000 Euro dotierten Preis.

Deutscher Dokumentarfilmpreis 2024: Die Nominierten

Eine unabhängige Jury hat aus 120 Einreichungen zwölf Produktionen für den Deutschen Dokumentarfilmpreis nominiert. Zusätzlich wurden drei Dokumentarfilme aus dem Bereich Musik vorgeschlagen. Ein Film hat es in beide Hauptkategorien geschafft. Der Förderpreis würdigt ein Erstlingswerk oder einen Hochschulabschlussfilm. Zum vierten Mal wird der Ehrenpreis für das Lebenswerk verliehen sowie der Publikumspreis. Die Preise werden am SWR Dokufestival 2024 vergeben, das vom 18. bis 22. Juni 2024 in Stuttgart mit Publikum und Filmschaffenden stattfindet.

Ehrenpreis an Dokumentarfilmerin aus Konstanz

Der Ehrenpreis für das Lebenswerk geht in diesem Jahr an die Dokumentarfilmerin Ulrike Ottinger. Die 82-Jährige ist in Konstanz am Bodensee geboren und aufgewachsen und hat für ihre Filme die ganze Welt bereist.