Welke Sonnenblumen stehen vor einem von der Trockenheit geprägten Maisfeld. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Daniel Karmann)

Klimawandel und die Folgen

10 Fakten zur Dürre in Rheinland-Pfalz

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Seit Wochen fällt fast kein Regen. Die anhaltende Trockenheit in Rheinland-Pfalz lässt kaum einen Lebensbereich unberührt. Eine Übersicht zum Dürresommer 2022.

Gut 40 Prozent weniger Regen als vor einem Jahr. Das haben Meteorologen der Uni Mainz gemessen. Eine extreme Trockenheit herrscht in ganz Rheinland-Pfalz. Boden, Fauna und Flora leiden im Hitzesommer 2022. Was das konkret bedeutet? 10 Fakten zur Dürre in Rheinland-Pfalz.

  1. Niederschläge
  2. Trinkwasser
  3. Grundwasser
  4. Niedrigwasser
  5. Verdunstung
  6. Boden
  7. Flora und Fauna
  8. Waldbrandgefahr
  9. Landwirtschaft
  10. Weinbau

Sehr, sehr wenig Niederschläge

Die Messstation des Instituts für Physik der Atmosphäre (IPA) an der Universität Mainz registrierte von Januar bis Mitte August Niederschläge von 237,7 Millimetern. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum waren es noch 411,6 Millimeter gewesen. Das ist ein Rückgang um 42,2 Prozent. Ähnlich trocken war es bis Mitte August im Jahr 2019. Noch weniger Niederschläge gab es nach den Daten der IPA-Station zuletzt in den Jahren 2011, 2015 und 2020. Extrem trockene Verhältnisse herrschen nicht nur in Rheinhessen, sondern auch in Eifel, Hunsrück und Westerwald.

Trinkwasser-Situation noch im "grünen Bereich "

Die Trinkwassersituation in Rheinland-Pfalz sei angespannt, aber nicht gefährdet. Bisher lieferten die Brunnen noch genug Wasser, heißt es beim städtischen Versorger in Mainz. Mit der Ferienzeit sei die Nachfrage auch wieder etwas geringer geworden. Für die Gartenbewässerung gibt es bislang im Unterschied zu anderen Bundesländern keine Beschränkungen. Allerdings haben einzelne Kommunen die Entnahme von Flusswasser untersagt.

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Weniger Grundwasser als noch vor 20 Jahren

Die Neubildung von Grundwasser in Rheinland-Pfalz ist in den vergangenen 20 Jahren landesweit um durchschnittlich 25 Prozent zurückgegangen. Um die Defizite der vergangenen zehn Jahre auszugleichen, seien mehrere "nasse Winterhalbjahre" hintereinander notwendig, heißt es im Klimaschutzministerium in Mainz. Künftig müsse mit einer "deutlich verminderten jährlichen Grundwasserneubildungsrate" gerechnet werden. Diese erreichte von 1951 bis 2002 im jährlichen Mittel 104 Millimeter. Von 2003 bis 2018 waren es nur noch 78 Millimeter. Es gilt als unwahrscheinlich, dass die Grundwasservorkommen versiegen. Es kann aber regional dazu kommen, dass Brunnen mit geringer Tiefe oder Quellen versiegen.

Niedrigwasser setzt Schifffahrt zu

Der niedrige Wasserstand des Rheins behindert seit Tagen die Schifffahrt. Mehrere Fährverbindungen wurden eingestellt. Ungewöhnlich ist die frühe Zeit - sonst tritt Niedrigwasser erst im Herbst auf. Bei weiterhin unterdurchschnittlichen Niederschlägen könne sich die markante Niedrigwasserphase in den kommenden Monaten landesweit weiter fortsetzen, erwartet das Klimaschutzministerium. Betroffen sind auch kleinere Flüsse und Bäche.

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Heißer Sommer heißt hohe Verdunstung

"Die hohen Temperaturwerte bei viel Sonnenschein sorgen für eine hohe Verdunstung", wie das Klimaschutzministerium Rheinland-Pfalz in der Antwort auf eine Landtagsanfrage schreibt. In Verbindung mit den unterdurchschnittlichen Niederschlägen bleibe wenig Wasser zur oberflächlichen Belieferung der Flüsse und Bäche. Die Entwicklung im Juli habe die verfügbare Wassermenge weiter reduziert.

Aufgerissene, trockene Böden

Wegen der langen Trockenheit treten Risse im Boden auf, auf landwirtschaftlichen Flächen ebenso wie in Naturschutzgebieten wie dem Laubenheimer Ried bei Mainz. Kommt es dann endlich zu Regenfällen, kann der ausgetrocknete und verhärtete Boden die Feuchtigkeit zunächst kaum aufnehmen, das meiste Wasser fließt ab.

Den Klimawandel in der Westpfalz etwa dokumentiert der Fotograf und Biologe Reiner Voß seit Jahren. Unsere Bildergalerie zeigt einige seiner Fotografien.

Auf dem ausgetrockeneten Boden bilden sich durch Dürre und Hitze tiefe Risse. (Foto: Reiner Voß)
Auf dem ausgetrockeneten und verhärtete Boden bilden sich durch Dürre und Hitze tiefe Risse. Regen fließt teilweise oberirdisch ab und kann nicht ausreichend eindringen. Reiner Voß Bild in Detailansicht öffnen
In dem ausgetrockneten Bachbett ist auch der Lebensraum von Insekten, Krebstieren, Amphibien und Kleinstlebewesen zerstört. Reiner Voß Bild in Detailansicht öffnen
Die abgestorbenen Bäume sind immer noch wichtige Schattenspende für neue Bäume, die unter ihnen keimen. Voß Bild in Detailansicht öffnen
Dürre und Hitze setzen dem beliebten Stausee Gelterswoog bei Kaiserslautern zu. Jedes Jahr sinkt der Wasserstand weiter. Voß Bild in Detailansicht öffnen
Junge Bäume sind durch Dürre und Hitze besonders gefährdet. Hier ein abgestorbener Baum in Baalborn im Kreis Kaiserslautern. Voß Bild in Detailansicht öffnen
Wie überall in Rheinland-Pfalz sterben in Schwedelbach in der Westpfalz die Fichten aufgrund von Hitze und Trockenheit. Voß Bild in Detailansicht öffnen
Viele Bäche drohen in diesem heißen Sommer komplett auszutrockenen, wie dieser Bach bei Kirchheimbolanden. 1 Bild in Detailansicht öffnen


Flora und Fauna leiden

Unter Wassermangel leiden auch Vögel und Insekten. Der Naturschutzbund (Nabu) empfiehlt, ihnen eine Tränke auf den Balkon oder im Garten hinzustellen und regelmäßig mit frischem Wasser zu füllen. Das heiße und trockene Sommerwetter begünstigt aber Zeckenarten der Gattung Hyalomma, die bislang vor allem in Südeuropa und Afrika heimisch sind.

Die Trockenheit setzt Wiesen und Bäumen zu. Grüne Wiesen haben sich zu Steppen verwandelt. An Bäumen welken vorzeitig die Blätter, vor allem junge Bäume mit weniger stark ausgeprägten Wurzeln sind betroffen.

Bei steigenden Wassertemperaturen können Gewässer weniger Sauerstoff aufnehmen. Darunter leiden Fische und andere Wasserlebewesen. Bei hohen Wassertemperaturen und erhöhter Sonneneinstrahlung kommt es zur Massenentwicklung von Algen.

Video herunterladen (8,6 MB | MP4)

Achtung Waldbrandgefahr!

"Ich bin erschüttert, dass wir in diesem Sommer fast jeden Tag Meldungen von Waldbränden im Land haben", sagt Klimaschutzministerin Katrin Eder (Grüne). Der bisher größte Brand war mit acht Hektar am Hambacher Schloss. Rheinland-Pfalz sei auch dank seines vergleichsweise hohen Laubwaldanteils nicht so gefährdet wie Brandenburg oder die Sächsische Schweiz. Die CDU Rheinland-Pfalz fordert ein Konzept zur Verzahnung von Feuerwehr und Forst.

Trockene Felder, weniger Ertrag

Der heiße und trockene Juli hat auf den Getreidefeldern zu unterdurchschnittlichen Erträgen und geringerer Qualität geführt. Das Statistische Landesamt schätzt die Getreideernte auf rund 1,4 Millionen Tonnen, fünf Prozent weniger als im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2021.

Winzer rechnen mit weniger Wein

Reben entwickeln bis zu zehn Meter lange Wurzeln. Ältere Weinberge können die Trockenheit daher vergleichsweise gut verkraften. Jüngere Anlagen und Reben auf leichten, wenig Wasser speichernden Böden müssen hingegen teilweise bewässert werden. Viele Winzer erwarten eine geringere Erntemenge. Hitze und Trockenheit werden sich auch auf die Qualität des Weins auswirken, was sich im nächsten Jahr im Glas zeigen wird.

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