Drei Kinder planschen in einem Gartenpool (Luftaufnahme mit einer Drohne). (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleul)

Grundwasser verschwindet

Hitze und Dürre: Wer verbraucht am meisten Wasser in Rheinland-Pfalz?

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Es ist heiß und trocken in RLP. Die Landwirte beregnen ihre Felder, zahlreiche Privatleute füllen ihre Pools und auch die Industrie braucht Wasser. Das Grundwasser schwindet. Wer ist der größte Wasserschlucker?

In den vergangenen 20 Jahren hat Deutschland so viel Grundwasser verloren wie der Bodensee enthält. Das zeigen Daten der Grace-Satellitenmission. Eine der Hauptursachen ist wohl der Klimawandel: Höhere Temperaturen führen zu mehr Verdunstung. Außerdem fällt heute mehr Wasser in Form von Starkregen, der einfach abfließt und gar nicht im Grundwasser ankommt.

In Rheinland-Pfalz wird nach den Daten des Landesamtes für Umwelt (LfU) heute etwa ein Viertel weniger Grundwasser neu gebildet als noch vor 20 Jahren: Damals waren es rund 1,6 Milliarden Kubikmeter, heute nur noch 1,2 Milliarden Kubikmeter. Der Bedarf an Grundwasser beträgt laut LfU pro Jahr rund 374 Millionen Kubikmeter. 

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In der Pfalz trocknen Gewässer aus

Damit sollte das Wasser rein rechnerisch eigentlich reichen. Doch die Neubildungsrate schwankt regional sehr. Wenn mehr Grundwasser entnommen als gebildet wird, sinken die Grundwasserspiegel. Rund um Ludwigshafen zum Beispiel - in einer Region mit vielen Einwohnern, aber auch viel Landwirtschaft und dem Chemieriesen BASF - wird mehr Wasser verbraucht als Grundwasser nachkommt. Die Folge: Feuchtbiotope trocknen aus und Bäche führen weniger Wasser.

Doch wer verbraucht eigentlich am meisten Wasser in RLP?

Von den 374 Millionen Kubikmeter Grundwasser gehen 237 Millionen Kubikmeter an die Endverbraucher, also etwa als Trinkwasser an die Haushalte. 72 Millionen Kubikmeter landen bei der Industrie oder Kraftwerken. Und 35 Millionen Kubikmeter fließen in die Landwirtschaft.

Grafik zum Wasserverbrauch im Vergleich (Foto: SWR)

Die Landwirtschaft

Die Landwirtschaft nimmt also den kleinsten Teil des Wassers und wird doch von Naturschutzverbänden oft als Wasserverschwender dargestellt. Der BUND in Rheinland-Pfalz kritisiert hier besonders die Grundwasser-Entnahmen für Beregnungsanlagen. "Das verschlingt Unmengen an Wasser", so eine Sprecherin. Dies ist vor allem in der Südpfalz umstritten, wo die Grundwasser-Stände in den letzten, extrem trockenen Jahren gesunken sind, weil viel beregnet werden musste.

Die Landwirte haben ein Problem mit den trockenen Böden. Für gute Erträge und Qualitäten fehlt einfach Wasser. Ohne Beregnung der Gemüsekulturen in der Vorderpfalz gehe es nicht, sagt Johannes Zehfuß, Vizepräsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Pfalz Süd und selbst Landwirt. Die Alternative sei weniger regionales Gemüse in den Supermärkten und dafür Gemüse aus fernen Ländern mit langen, weniger klimafreundlichen Wegen.

"Ohne Pool im Garten kann ich überleben. Ohne Lebensmittel wohl eher nicht."

Deshalb findet er die Kritik der Naturschützer völlig überzogen. Es sei eine unehrliche Diskussion, sagt er im Gespräch mit dem SWR. Die Landwirtschaft verbrauche in Deutschland nur zwei Prozent des Trinkwassers und nur 2,7 Prozent der Anbaufläche würde beregnet. Außerdem gehe es hier um Lebensmittelproduktion. "Ohne Pool im Garten kann ich überleben. Ohne Lebensmittel wohl eher nicht", so Zehfuß.

Nichtsdestotrotz suche die Landwirtschaft immer nach wassersparenden Möglichkeiten. In der Vorderpfalz holen sich die Landwirte das Wasser aus dem Altrhein. Auch die maximal erlaubte Menge für die Entnahme von Wasser wirke sich nicht auf den Rhein aus, erklärte dazu das rheinland-pfälzische Umweltministerium. Und im Zucchini- oder Kürbis-Anbau werde in der Pfalz zu 90 Prozent die wassersparende Tröpfchenbewässerung eingesetzt. Dabei wird das Wasser über an den Pflanzen installierte Tropfer direkt dem Wurzelbereich zugeführt. 

Die Industrie

20 Prozent des Wasserverbrauchs in Deutschland schluckt die Industrie. Nach Recherchen des stiftungsfinanzierten Recherchezentrums Correctiv nutzen Kohle-Tagebaue, Chemiefirmen und die Nahrungsmittelindustrie insgesamt fast viermal so viel Fluss- und Grundwasser wie alle Bürgerinnen und Bürger zusammen. Vor allem die Chemiebranche braucht viel Wasser. Der Ludwigshafener Konzern BASF nutzt demnach mehr Wasser als jedes andere Unternehmen in Deutschland.

Um ihre Lacke, Düngemittel und Kunststoffe herzustellen, müssen Rohstoffe erst erhitzt und schließlich mit Wasser abgekühlt werden. Im vergangenen Jahr hat die BASF nach eigenen Angaben knapp 1,2 Milliarden Kubikmeter Wasser aus dem Rhein entnommen. Hinzu kommen nach Correctiv-Recherchen 20 Millionen Kubikmeter Grundwasser, die durch die Anlagen des Werks in Ludwigshafen fließen.

Der Konzern verweist darauf, dass er einen Großteil des Wassers wieder zurückführe. Trotzdem fehlt das abgepumpte Wasser im Rhein - und damit auch der Region.

Private Haushalte

Der Großteil des Grundwassers landet in den privaten Haushalten. Duschen, Wäschewaschen, Klospülung: Im Durchschnitt verbraucht jeder Rheinland-Pfälzer und jede Rheinland-Pfälzerin 126 Liter Wasser am Tag. 

Der Wasserverbrauch ist in den letzten Jahrzehnten gesunken. Erst mit Corona nahm er in den Privathaushalten wieder zu in Rheinland-Pfalz. Häufigeres Händewaschen und Homeoffice führten dazu, dass durchschnittlich fünf Prozent mehr Wasser verbraucht wurden.

Im Sommer steigt generell der Wasserverbrauch vieler Haushalte, gleichzeitig wird bei Hitze und Trockenheit die Ressource Wasser vielerorts knapp. Erste Kommunen haben auf die Wasserknappheit bereits reagiert und rufen zum Sparen auf. So muss in manchen Kommunen von Rheinland-Pfalz das Planschen im heimischen Pool vorher angekündigt werden.

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"Wasser wird ein zunehmend knapperes Gut werden und wir müssen damit entsprechend verantwortungsvoll umgehen", sagt der Grundwasser-Ökologe Hans Jürgen Hahn von der Uni Landau. Das bedeute in allererster Linie Wasser sparen, vor allem auch im privaten Bereich. Gerade Pools im eigenen Garten seien eine ganz erhebliche Wasserverschwendung.

Umweltministerin Lemke ruft zu Wassersparen auf

Angesichts der Trockenheit ruft auch Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) zu einem vernünftigen Umgang mit Wasser auf. "Aber es muss jetzt niemand das Duschen einstellen." Die Trinkwasserversorgung in Deutschland sei selbstverständlich gesichert. Es gebe aber bereits Anweisungen oder Bitten an die Bevölkerung, Gärten etwa nur noch in den Nachtstunden zu bewässern, sagte Lemke.

Dieser Appell, sparsam mit Wasser umzugehen, richte sich selbstverständlich auch an die Wirtschaft und die Industrie. "Ich will (...) ganz grundsätzlich dafür sorgen, dass wir mit Wasser vernünftig umgehen, dass wir unsere Natur stärken, sodass die natürlichen Wasserspeicher, vor allem der Boden, besser in der Lage ist, Wasser aufzunehmen."

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