In diesem Sommer werden Flugzeuge, die auf dem Frankfurter Flughafen landen, um Hanau, Offenbach und Mainz einen Bogen machen. Der „Segmented Approach“, so der Name des Anflugverfahrens, beginnt um 22 Uhr und gilt die Nacht hindurch, wie die zuständige Fluglärmkommission beschlossen hat. Die Mainzer Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) sieht darin eine Entlastung für viele „Hochbetroffene in Mainz“.
Ich wuchs oberhalb des Stuttgarter Flughafens auf und lebe heute in Mainz, das flugtechnisch zum Vorort von Frankfurt geschrumpft ist. Jede Art von Lärm ist schlimm, aber der eines Flugzeugs besonders. Trotzdem nehme ich ihn hin. Es handelt sich um die nervige Begleiterscheinung einer grenzenlosen Mobilität, auf die auch ich nicht verzichten möchte. Irgendwo müssen die Flieger rauf und runter – wenn es denn sein muss, über meinen Kopf.

Natürlich, die Flughäfen in Stuttgart und Frankfurt würden heute woanders gebaut. Der Flughafen Berlin-Brandenburg liegt 24, der Münchner Flughafen 28 Kilometer außerhalb der Stadt. Auch das hat bekanntlich Nachteile – außer den Reisenden müssen jeden Tag viele tausend Beschäftigte dorthin und wieder weg. In Stuttgart führte der Standort auf den Fildern zu einem sinnvollen, weil Wege sparenden Nachbarn, der Messe.
In Stuttgart haben sich viele Menschen gegen einen neuen Tiefbahnhof gewehrt, in Frankfurt gegen eine zusätzliche Startbahn West. Nach meinem Dafürhalten sind Bahnhöfe und Flughäfen viel mehr als nur Lärmmacher. Sie organisieren unser Zusammenleben als Gesellschaft. Sie sind Ausdruck unseres wirtschaftlichen Wohlstands – und eine Voraussetzung dafür.