Gut zwei Jahre nach ihrer Gründung zeigt die Bürgergenossenschaft "Donau-Energie" was sie kann: Die Genossinnen und Genossen haben am Freitagnachmittag in Ulm ihr erstes Projekt in Betrieb genommen - eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Mensa der Anna-Essinger-Schulen.
"Endlich ist das erste Glücksgefühl da", sagt Pitt Hartung, einer der Gründer der Genossenschaft "Donau-Energie" und zugleich Aufsichtsrat. Die erste Photovoltaikanlage ist nun installiert auf einem Ulmer Dach. Die Anlage auf der Mensa der Essinger-Schulen wird 78.000 Kilowattstunden grünen Strom pro Jahr erzeugen. Das entspricht ungefähr der Versorgung von 35 Haushalten.

Die Genossen verbindet vor allem eines: die Ungeduld. Die Energiewende geht ihnen nicht schnell genug vorwärts. Im Rahmen der lokalen Agenda haben sich die Akteure kennengelernt und beschlossen: Wir gründen eine Genossenschaft mit Fokus auf umweltverträgliche Energieerzeugung. 300 Mitglieder sind mittlerweile zusammengekommen. Man sieht ihnen ein wenig ihre Idee vom Leben, ihren Bezug zur Natur an. Es sind viele Menschen jenseits der 60, wacher Blick, viele Männer mit grauem Bart. Einige sind mit dem Fahrrad den Kuhberg heraufgefahren. Aber auch Jüngere sind dabei, darunter Spezialisten aus der Branche.
Photovoltaikanlage soll bis zu vier Prozent Rendite abwerfen
Was hat man nun davon, sein Geld in grüne Energie zu investieren? Es habe etwas mit Idealismus zu tun, aber es ist mehr als das. Mit der Energiegewinnung wird Geld verdient. Und das soll als Dividende zu den Genossen zurückfließen. Sie wird Jahr für Jahr unterschiedlich ausfallen. Pitt Hartung rechnet mit einer Rendite zwischen zwei und vier Prozent, also oberhalb der aktuellen Verzinsung bei Festgeldanlagen, wie er sagt.
Jede Genossin, jeder Genosse bringt sich zunächst mit einer bestimmten Summe Geld in die Arbeit der "Donau-Energie" ein - mindestens 250 Euro. Die Summe der Geschäftsanteile hat mehr als gereicht, um das erste Projekt zu finanzieren. Die PV-Anlage auf der Mensa hat knapp 100.000 Euro gekostet.

Die Genossenschaft hat sich viel vorgenommen: Noch in diesem Quartal soll eine Photovoltaikanlage auf der benachbarten Pestalozzi-Schule in Betrieb gehen, ebenso eine Anlage auf der anderen Donauseite, nämlich auf dem Dach der Erich-Kästner-Schule im Neu-Ulmer Stadtteil Ludwigsfeld.
Genossenschaft plant noch mehr: Freiflächenanlage und Windenergieanlagen
Mittelfristig sind noch größere Projekte geplant, etwa eine Photovoltaik-Freiflächenanlage auf Ulmer Stadtgebiet. Außerdem will die "Donau-Energie" auch Menschen ohne Eigenheim erreichen. Das Projekt "Mieterstrom" sieht vor, selbsterzeugten Ökostrom an Mieter zu verkaufen. Die Genossenschaft verspricht Einsparungen gegenüber den üblichen Tarifen, zugleich kann jeder Vermieter damit die Ökobilanz seiner Immobilie verbessern. Und es bleibt nicht bei Photovoltaik. Die "Donau-Energie" will sich auch in der Windenergie engagieren.
Die Stadt Ulm nimmt das Engagement der Genossenschaft sehr wohlwollend wahr: Natürlich sind für derartige Energie-Projekte aus Sicht der Stadt zunächst mal die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) zuständig, sagt Baubürgermeister Tim von Winning (parteilos).
Aber die Leistungsfähigkeit der SWU habe Grenzen. Daher verpachtet die Stadt gerne ein paar Dächer städtischer Gebäude und Flächen an die "Donau-Energie", "weil damit auch die Idee, gemeinschaftlich Energiewende zu machen, in die Bevölkerung getragen wird", so von Winning. "Und wir uns davon auch versprechen, dass die Akzeptanz solcher Veränderungen besser in der Bürgerschaft ankommt."