Ulmer Bürgergenossenschaft "Donau-Energie"

Große Freude über erste Photovoltaik-Anlage: "Endlich ist das Glücksgefühl da"

Stand

Von Autor/in Rainer Schlenz

2023 hat sich die Bürger-Genossenschaft "Donau-Energie" gegründet. Jetzt hat sie das erste Photovoltaik-Projekt eingeweiht, doch vorgenommen haben sich die Teilnehmer noch viel mehr.

Gut zwei Jahre nach ihrer Gründung zeigt die Bürgergenossenschaft "Donau-Energie" was sie kann: Die Genossinnen und Genossen haben am Freitagnachmittag in Ulm ihr erstes Projekt in Betrieb genommen - eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Mensa der Anna-Essinger-Schulen.

"Endlich ist das erste Glücksgefühl da", sagt Pitt Hartung, einer der Gründer der Genossenschaft "Donau-Energie" und zugleich Aufsichtsrat. Die erste Photovoltaikanlage ist nun installiert auf einem Ulmer Dach. Die Anlage auf der Mensa der Essinger-Schulen wird 78.000 Kilowattstunden grünen Strom pro Jahr erzeugen. Das entspricht ungefähr der Versorgung von 35 Haushalten.

Die Genossinnen und Genossen der "Donau-Energie" stolz vor ihrem Premiere-Projekt: einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Mensa der Anna-Essinger-Schulen auf dem Ulmer Kuhberg.
Die Genossinnen und Genossen der "Donau-Energie" stolz vor ihrem Premiere-Projekt: einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Mensa der Anna-Essinger-Schulen auf dem Ulmer Kuhberg.

Die Genossen verbindet vor allem eines: die Ungeduld. Die Energiewende geht ihnen nicht schnell genug vorwärts. Im Rahmen der lokalen Agenda haben sich die Akteure kennengelernt und beschlossen: Wir gründen eine Genossenschaft mit Fokus auf umweltverträgliche Energieerzeugung. 300 Mitglieder sind mittlerweile zusammengekommen. Man sieht ihnen ein wenig ihre Idee vom Leben, ihren Bezug zur Natur an. Es sind viele Menschen jenseits der 60, wacher Blick, viele Männer mit grauem Bart. Einige sind mit dem Fahrrad den Kuhberg heraufgefahren. Aber auch Jüngere sind dabei, darunter Spezialisten aus der Branche.

Photovoltaikanlage soll bis zu vier Prozent Rendite abwerfen

Was hat man nun davon, sein Geld in grüne Energie zu investieren? Es habe etwas mit Idealismus zu tun, aber es ist mehr als das. Mit der Energiegewinnung wird Geld verdient. Und das soll als Dividende zu den Genossen zurückfließen. Sie wird Jahr für Jahr unterschiedlich ausfallen. Pitt Hartung rechnet mit einer Rendite zwischen zwei und vier Prozent, also oberhalb der aktuellen Verzinsung bei Festgeldanlagen, wie er sagt.

Jede Genossin, jeder Genosse bringt sich zunächst mit einer bestimmten Summe Geld in die Arbeit der "Donau-Energie" ein - mindestens 250 Euro. Die Summe der Geschäftsanteile hat mehr als gereicht, um das erste Projekt zu finanzieren. Die PV-Anlage auf der Mensa hat knapp 100.000 Euro gekostet.

Der symbolische Druck auf den Buzzer: Am Freitag ist die erste Photovoltaik-Anlage der "Donau-Energie" offiziell in Betrieb genommen worden.
Der symbolische Druck auf den Buzzer: Am Freitag ist die erste Photovoltaik-Anlage der "Donau-Energie" offiziell in Betrieb genommen worden.

Die Genossenschaft hat sich viel vorgenommen: Noch in diesem Quartal soll eine Photovoltaikanlage auf der benachbarten Pestalozzi-Schule in Betrieb gehen, ebenso eine Anlage auf der anderen Donauseite, nämlich auf dem Dach der Erich-Kästner-Schule im Neu-Ulmer Stadtteil Ludwigsfeld.

Genossenschaft plant noch mehr: Freiflächenanlage und Windenergieanlagen

Mittelfristig sind noch größere Projekte geplant, etwa eine Photovoltaik-Freiflächenanlage auf Ulmer Stadtgebiet. Außerdem will die "Donau-Energie" auch Menschen ohne Eigenheim erreichen. Das Projekt "Mieterstrom" sieht vor, selbsterzeugten Ökostrom an Mieter zu verkaufen. Die Genossenschaft verspricht Einsparungen gegenüber den üblichen Tarifen, zugleich kann jeder Vermieter damit die Ökobilanz seiner Immobilie verbessern. Und es bleibt nicht bei Photovoltaik. Die "Donau-Energie" will sich auch in der Windenergie engagieren.

Die Stadt Ulm nimmt das Engagement der Genossenschaft sehr wohlwollend wahr: Natürlich sind für derartige Energie-Projekte aus Sicht der Stadt zunächst mal die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) zuständig, sagt Baubürgermeister Tim von Winning (parteilos).

Aber die Leistungsfähigkeit der SWU habe Grenzen. Daher verpachtet die Stadt gerne ein paar Dächer städtischer Gebäude und Flächen an die "Donau-Energie", "weil damit auch die Idee, gemeinschaftlich Energiewende zu machen, in die Bevölkerung getragen wird", so von Winning. "Und wir uns davon auch versprechen, dass die Akzeptanz solcher Veränderungen besser in der Bürgerschaft ankommt."

Energiewende Ökostrom-Rebellen aus dem Schwarzwald – Die Elektrizitätswerke Schönau

Nach dem Super-GAU von Tschernobyl 1986 entsteht in Schönau die erste deutsche Ökostromgenossenschaft. Ist das Erfolgsmodell heute ein Vorbild für den Weg aus der Energiekrise?

Zweibrücken

Immer mehr Energie-Vereine Wie Einnahmen aus Photovoltaik in der Westpfalz bleiben sollen

Photovoltaik boomt und viele internationale Firmen tummeln sich auf dem hart umkämpften Markt. Vereine und Genossenschaften aus der Pfalz haben eigene Pläne mit der Sonnenenergie.

Energiewende 80 Prozent Ökostrom bis 2030 – Schaffen wir das?

Die nächsten Jahre werden über Erfolg oder Misserfolg der Energiewende entscheiden. Der Umbau unserer Stromversorgung ist ein Wettlauf gegen die Zeit.

Leutkirch

Gemeinschaftliche Praxen im Trend Ärztemangel am Bodensee: Genossenschaft könnte Lösung sein

Für Hausärzte ist es immer schwieriger einen Nachfolger für ihre Praxis zu finden. Ein genossenschaftliches Modell könnte die Lösung sein, sagt das Landratsamt im Bodenseekreis. Andernorts wird bereits daran gearbeitet.

Mehrstetten

Koalition im Kleinen Dorfladen auf der Schwäbischen Alb - ein Vorbild für die Berliner Politik?

Das Aus der Bundesregierung wegen zu unterschiedlicher Positionen wird überall diskutiert. Eine Genossenschaft auf der Schwäbischen Alb zeigt, wie Kompromisse klappen können.

Gaggenau

"Unheimlich bewegend, dass wir es geschafft haben!" Bürger in Gaggenau retten ihr Kaufhaus: Genossenschaft auf den Weg gebracht

Um das City-Kaufhaus vor der Schließung zu retten, hält Gaggenau zusammen: Mit der Gründungsversammlung am Dienstag sind sie ihrem Ziel ganz nah und die Emotionen sind groß.

Reportagen, Shorts und Erklärvideos SWR Aktuell nun mit eigenem YouTube-Kanal am Start

Ab sofort ist SWR Aktuell auch bei YouTube mit einem eigenen Kanal zu finden. Damit ist die Nachrichtenmarke des SWR künftig neben Instagram und Facebook auch auf der wichtigsten Nachrichtenplattform präsent. 

Südwesten

Aktuell, regional, multimedial Die SWR Aktuell-App - Nachrichten auf Handy und Tablet

Die SWR Aktuell-App bringt aktuelle und regionale Nachrichten aus dem Südwesten aufs Smartphone und Tablet. Alle Details zur App und die Links zum Download gibt es hier.

Baden-Württemberg

Die wichtigsten News direkt aufs Handy SWR Aktuell Baden-Württemberg ist jetzt auch auf WhatsApp

Der WhatsApp-Kanal von SWR Aktuell bietet die wichtigsten Nachrichten aus Baden-Württemberg, kompakt und abwechslungsreich. So funktioniert er - und so können Sie ihn abonnieren.

Baden-Württemberg

SWR Aktuell - der Morgen in Baden-Württemberg Jetzt abonnieren: Newsletter mit BW-Nachrichten am Morgen!

Sie wollen morgens auf dem neuesten Stand sein? Dann abonnieren Sie "SWR Aktuell - der Morgen in BW". Die News aus Ihrem Bundesland ganz bequem in Ihrem Mailpostfach.