Ob man nach einer Impfung gegen das neue Coronavirus noch andere infizieren kann, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt. (Foto: imago images, imago images/Alexander Limbach)

Impfdurchbrüche

Können infizierte Geimpfte andere mit Covid-19 anstecken?

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Wie kann es sein, dass auch Geimpfte noch an Corona erkranken? Und wenn sie infiziert sind... Können sie andere anstecken? Die Delta-Variante wirft alte Fragen wieder auf.

Eine Impfung schützt wohl recht zuverlässig vor schweren Verläufen einer Covid-19-Erkrankung. Aber gerade bei der Delta-Variante scheint es immer wieder sogenannte "Impfdurchbrüche" zu geben. Das heißt: Auch Geimpfte Menschen können sich mit dem Coroanvirus infizieren. (Foto: imago images,  imago images/MiS)
Eine Impfung schützt wohl recht zuverlässig vor schweren Verläufen einer Covid-19-Erkrankung. Aber gerade bei der Delta-Variante scheint es immer wieder sogenannte "Impfdurchbrüche" zu geben. Das heißt: Auch Geimpfte Menschen können sich mit dem Coroanvirus infizieren. imago images/MiS

So gut die zugelassenen Impfstoffe gegen Corona auch sind, es war klar, dass sie nicht alle Geimpften vor einer Erkrankung schützen.

Der Impfstoff von BionTech/Pfizer zum Beispiel hat laut der Zulassungsstudie eine Wirksamkeit von 95 Prozent, das ist viel. Trotz Impfung zu erkranken ist also deutlich unwahrscheinlicher, unmöglich ist es aber nicht, die fünf Prozent Unsicherheit bleiben.

Das sieht man auch an den aktuellen Zahlen: Laut Robert Koch-Institut wurden zwischen Mitte Juni und Mitte Juli dieses Jahres rund 24.000 Corona-Fälle gemeldet, 1.500 davon waren vollständig geimpft. Das heißt: Fast 94% der Infizierten waren nicht vollständig geimpft. Impfdurchbrüche sind also selten.

In Deutschland steigen die Corona-Fallzahlen (wie hier am 23. August 2021) wieder an.  (Foto: imago images, imago images/Rüdiger Wölk)
In Deutschland steigen die Corona-Fallzahlen (wie hier am 23. August 2021) wieder an. imago images/Rüdiger Wölk

Ältere Menschen haben höheres Risiko, trotz Impfung zu erkranken

Die höchste Wahrscheinlichkeit, sich trotz Impfung anzustecken haben Menschen mit einem schwachen Immunsystem. Bei ihnen schlägt die Impfung nicht so gut an. Deshalb haben zum Beispiel ältere Menschen ein höheres Risiko als jüngere trotz Impfung zu erkranken.

Ein Grund zur Panik ist das aber nicht: Wer sich trotz Impfung ansteckt, muss seltener deswegen ins Krankenhaus, es gibt auch deutlich weniger Todesfälle unter den geimpften Infizierten.

Dass aktuell die Anzahl solcher "Impfdurchbrüche" steigt, liegt zum einen daran, dass immer mehr Menschen geimpft sind. Der Anstieg an sich ist also noch kein Grund zur Sorge, das war zu erwarten.

Eine Impfung schützt recht gut vor schweren Verläufen einer Corana-Infektion. Aber ganz verhindern kann die Impfung eine Infektion leider nicht. (Foto: imago images,  imago images/Kurhan)
Eine Impfung schützt recht gut vor schweren Verläufen einer Corana-Infektion. Aber ganz verhindern kann die Impfung eine Infektion leider nicht. imago images/Kurhan

Delta-Variante des Virus mindert Wirksamkeit der Impfstoffe

Trotzdem beobachtet das Robert Koch-Institut die Zahl der "Impfdurchbrüche" genau. Denn die Delta-Variante des Virus mindert die Wirksamkeit der Impfstoffe. Das heißt, es kommt häufiger zu Infektionen und Erkrankungen. Außerdem können Geimpfte nun hohe Viruslasten in sich tragen. Das galt für vorherige Varianten wie Alpha in der Regel nicht.

Jetzt deuten aber immer mehr Untersuchungen darauf hin, dass infizierte Geimpfte ähnlich hohe Viruslasten in sich tragen wie ungeimpfte Infizierte – oder dass sie das zumindest grundsätzlich können. Zu diesem Schluss kommen beispielsweise eine Untersuchung der US-amerikanischen Seuchenschutzbehörde CDC und ein Bericht aus Großbritannien. Aber auch sogenannte Pre-Prints, also noch nicht gegen-geprüfte Studien, scheinen das zu bestätigen.

Fahrgäste im Bus. Auch vollständig Geimpfte können hohe Viruslasten in sich tragen. (Foto: imago images, imago images/Frank Sorge)
Mit der Delta-Variante ändern sich womöglich die Spielregeln für die Verbreitung von Coronaviren. Auch vollständig Geimpfte können hohe Viruslasten in sich tragen. imago images/Frank Sorge

Geimpfte könnten womöglich andere anstecken

Was das genau für die Infektiosität von Geimpften bedeutet, muss zwar noch genauer erforscht werden. Hohe Viruslasten deuten aber auf ein erhöhtes Übertragungsrisiko hin. Die US-amerikanische Seuchenschutzbehörde CDC ist durch die Ergebnisse alarmiert. So sagte die Direktorin der Gesundheitsbehörde, Dr. Rochelle Walensky, es gebe "Anlass zur Sorge, dass im Gegensatz zu anderen Varianten, mit Delta infizierte Geimpfte das Virus weitergeben können". Tatsächlich weisen die Studienergebnisse darauf hin. Es liegt nahe, dass Geimpfte nun mehr zur Verbreitung des Virus beitragen, als das noch mit der Alpha-Variante der Fall war.

In jedem Fall sind Geimpfte aber nach wie vor deutlich sicherer als ungeimpfte Menschen, auch was Infektionen betrifft. Und auch bezüglich ihrer Infektiosität gibt es nun erste Hinweise darauf, dass Geimpfte nach wie vor eine untergeordnete Rolle für die Pandemie spielen.

Eine Impfung gegen Corona kann vor schweren Verläufen schützen. Man kann sich aber gelegentlich dennoch infizieren und möglicherweise auch andere anstecken.  (Foto: imago images, imago images/MiS)
Eine Impfung gegen Corona kann vor schweren Verläufen schützen. Man kann sich aber gelegentlich dennoch infizieren und möglicherweise auch andere anstecken. imago images/MiS

Von Geimpften geht immer noch weniger Gefahr aus

Eine noch nicht geprüfte Studie aus Singapur zeigt, dass die Viruslast bei Geimpften offenbar schneller sinkt. Und laut einem niederländischen Pre-Print muss eine hohe Viruslast nicht zwingend eine hohe Infektiosität bedeuten. Die Untersuchung hat gezeigt, dass die Viren von Geimpften bei einer ähnlichen hohen Viruslast offenbar seltener infektiös sind als die von Ungeimpften. Das Coronavirus konnte sich nach einer Impfung also nicht so gut vermehren. Demnach dürften Geimpfte selbst nach einer Infektion mit der Delta-Variante und einer hohen Viruslast immer noch weniger ansteckend sein als ungeimpfte Infizierte mit hoher Viruslast.

Grund für Entwarnung liefern die Daten aber nicht: Während 85 Prozent der Proben von Ungeimpften infektiöse Viren beinhalteten, waren es bei den Proben der Geimpften immer noch knapp 69 Prozent. Die Forschenden gehen deshalb davon aus, dass geimpfte Personen sich nicht nur selbst infizieren, sondern infektiöse Viren auch übertragen können. Deshalb raten sie, die Infektiosität von geimpften, aber infizierten Personen nicht zu vernachlässigen.

Masken und Abstand halten wird uns möglicherweise trotz Corona-Impfung noch eine ganze Weile im Alltag begleiten. (Foto: imago images, imago images/Ralph Peters)
Masken tragen und Abstand halten wird uns trotz Corona-Impfung noch eine ganze Weile im Alltag begleiten. imago images/Ralph Peters

Impfung schützt wohl auch bei Delta-Variante vor schweren Verläufen

Die Wirksamkeit der Vakzine ist nach Angaben der CDC dadurch allerdings nicht beeinträchtigt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit schützen die Impfstoffe auch bei Delta weiterhin vor schweren Corona-Verläufen oder dem Tod.

Und auch vor milderen Erkrankungen schützen die Impfstoffe wohl noch gut bis sehr gut: Laut einer britischen Studie schützt der Impfstoff von Biontech anstatt zu knapp 94 Prozent noch zu 88 Prozent vor einer Erkrankung mit der Delta-Variante. Die Wirksamkeit des Mittels von Astrazeneca sinkt von rund 75 auf 67 Prozent.

Aufgrund der raschen Ausbreitung der Delta-Variante in den USA passte die CDC aber ihre Richtlinien an: Nun empfiehlt sie auch Geimpften in geschlossenen Räumen wieder das Maskentragen.

Impfschutz lässt nach gewisser Zeit nach

Was den Impfschutz anbetrifft, gibt es noch ein weiteres Problem: Die Wirkung der Impfung lässt mit der Zeit nach. Je länger die Impfung her ist, desto wahrscheinlicher kann man sich wieder mit dem Coronavirus anstecken.

Deshalb wird auch in Baden-Württemberg diskutiert, älteren Menschen eine dritte Impfung anzubieten um den Schutz aufzufrischen.

Im Großbritannien fanden die ersten Covid-19-Impfungen statt. (Foto: imago images, imago images/i Images)
Geimpfte sind durchschnittlich weniger ansteckend. imago images/i Images

Was bedeuten die Erkenntnisse für die Herdenimmunität?

Immer wieder hieß es ja, dass 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung sich impfen müssten, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen. Schon als wir es mit der ansteckenderen Alpha-Variante von SARS-CoV-2 zu tun hatten, schätzten Expertinnen und Experten die Schwelle zur Herdenimmunität eher auf 80 oder 90 Prozent.

Mit der Delta-Variante als Dominante und wenn wir davon ausgehen, dass Geimpfte zumindest gelegentlich noch ansteckend sind, müssten sich wohl noch mehr Menschen impfen lassen. Nur dann wäre eine Herdenimmunität erreichbar. Das RKI hält das Erreichen einer Herdenimmunität im Sinne einer Auslöschung des Virus daher nicht mehr für realistisch.

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