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Die Entwicklung eines Corona-Impfstoffes läuft auf Hochtouren. Doch reicht ein Impfstoff aus, um die Pandemie einzudämmen? Selbst Geimpfte könnten theoretisch noch andere infizieren.

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Corona wütet gerade besonders verheerend in den USA, Brasilien und Indien. Die Menschen dort warten sehnsüchtig auf einen Impfstoff. Auch bei uns hoffen viele, dank einer Impfung endlich wieder zu einem Alltag ohne Einschränkungen zurückzukehren.

Rund 150 mögliche Impfstoffe werden derzeit untersucht, bei 17 haben schon erste Tests an Menschen begonnen. Viele Experten sagen, dass nächstes Jahr die erste Impfung auf den Markt kommen könnte.

Die Entwicklung eines geeignetes Impfstoffes gegen das neue Coronavirus gilt als eine der wichtigsten Säulen im Kampf gegen die weitere Ausbreitung der Pandemie.  (Foto: Imago, imago images/Sven Simon)
Die Entwicklung eines geeignetes Impfstoffes gegen das neue Coronavirus gilt als eine der wichtigsten Säulen im Kampf gegen die weitere Ausbreitung der Pandemie. Imago imago images/Sven Simon

Ist ein Impfstoff schon der Sieg im Kampf gegen Corona?

Es kann leider durchaus sein, dass sich die Pandemie auch mit dem ersten Impfstoff nicht stoppen lässt. Denn die Messlatte für eine Zulassung liegt im Moment ziemlich niedrig: Selbst ein Corona-Impfstoff, der nur zu 50 Prozent schützt, würde wahrscheinlich zugelassen - zumindest dann, wenn die Nebenwirkungen minimal sind. Das haben sowohl die WHO als auch die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA als Mindestanforderung definiert.

Die Hoffnung ist natürlich, dass ein Impfstoff sehr viel besser schützt, nämlich mindestens zu 70 Prozent. Außerdem ist noch offen, ob die Geimpften das Virus trotzdem weiter übertragen können.

Auch gegen das neue Coronavirus geimpfte Personen könnten das Virus theoretisch noch auf andere übertragen. (Foto: Imago, imago images/Arnulf Hettrich)
Auch gegen das neue Coronavirus geimpfte Personen könnten das Virus theoretisch noch auf andere übertragen. Imago imago images/Arnulf Hettrich

Können Menschen geimpft und trotzdem ansteckend sein?


Ja, das kann passieren. Dann würden Geimpfte zwar selbst keine Symptome entwickeln, das Virus aber trotzdem weitertragen. Man kann das mit einer Ritterburg vergleichen: Bei einem perfekten Corona-Impfstoff prallen die Viren schon am äußeren Schutzwall ab, können sich also in Nase und Rachen nicht weiter verbreiten.

Das andere Szenario: Die Viren halten sich in den Atemwegen und werden erst im Körperinneren gestoppt. Die feindlichen Viren haben es also bis ins Innere der Burg geschafft.

Ein klassisches Beispiel für den Nutzen einer Impfung mit sterilisierender Immunität ist Polio: Erst der zweite zugelassene Impfstoff, die Schluckimpfung, verhinderte die weitere Ausbreitung. Nur so ließ sich die Kinderlähmung weitgehend ausrotten. Bei Corona sagen aber manche Forscher auch: Ein perfekter Impfstoff ist eher Luxus, Hauptsache wir können endlich Risikogruppen vor schweren Verläufen schützen.

Zumindest Risikogruppen vor einem schweren Vorlauf einer Coronainfektion zu schützen, ist vielleicht das wichtigste Ziel der Entwicklung eine Corona-Impfstoffes. (Foto: Imago,  imago images/photothek)
Zumindest Risikogruppen vor einem schweren Vorlauf einer Coronainfektion zu schützen, ist vielleicht das wichtigste Ziel der Entwicklung eine Corona-Impfstoffes. Imago imago images/photothek

Warum dauert denn überhaupt die Entwicklung eines ersten Impfstoffs gegen Corona so lange?

Es geht ja schon rekordverdächtig schnell. Inzwischen laufen Testreihen mit 17 möglichen Impfstoffen, auch die deutschen Firmen Curevac und Biontech sind mit dabei. Das ist ein irres Tempo, denn normalerweise dauert es mindestens zehn bis 15 Jahre, einen wirksamen und sicheren Impfstoff zu entwickeln.

Und manchmal klappt es auch gar nicht – bei HIV warten wir ja schon Jahrzehnte drauf. Erstmal wird immer nur die Verträglichkeit bei jüngeren Gesunden geprüft, in Phase zwei sind dann auch Ältere dabei, und richtig entscheidend ist Phase drei: Da wird ein neuer Impfstoff im richtigen Leben an Tausenden von Freiwilligen erprobt.

Manche Hersteller haben Tests mit bis zu 30.000 Probanden in Corona-Hotspots wie Brasilien angekündigt. Oft macht man das mit medizinischem Personal, weil da die Ansteckungsgefahr besonders hoch ist. Erst nach ein paar Monaten weiß man dann, wie gut ein neuer Impfstoff wirklich schützt.

Derzeit werden weltweit Impfstoffe gegen das neue Coronavirus an Freiwilligen getestet. (Foto: Imago, imago images/ITAR-TASS)
Derzeit werden weltweit Impfstoffe gegen das neue Coronavirus an Freiwilligen getestet. Imago imago images/ITAR-TASS
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