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Neue Studien zeigen, dass es nach einer durchgestandenen Corona-Infektion – anders als bisher vermutet – doch auch nach längerer Zeit eine gewisse Immunität gibt.

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Antikörper als Schutz vor erneuter Infektion

Neutralisierende Antikörper – dahinter versteckt sich eine der effektivsten Waffen, die unser Immunsystem gegen Krankheitserreger hat. Sie binden an Stellen, die ein Erreger braucht, um seine Wirkung zu entfalten. Zum Beispiel an das Spike-Protein des Coronavirus.

Antikörper gegen dieses Protein hindern das Virus daran, in die Wirtszellen einzudringen. Nach einer durchgestandenen Erkrankung können Antikörper auch vor einer erneuten Infektion mit dem Virus schützen. Allerdings geht das nur, wenn sie auch noch vorhanden sind.

Coronavirus und Antikörper (Foto: Imago, imago images / Science Photo)
Antikörper binden das Spike-Protein, welches das Virus benötigt, um seine Wirkung zu entfalten. Ein effektiver Schutz, der verhindert, dass Viren in die Wirtszellen eindringen. Imago imago images / Science Photo

Antikörper gegen Viren können verschwinden

Einige Studien kamen bereits zu dem Schluss, dass die Konzentration der Antikörper gegen das neue Coronavirus bereits wenige Monate nach der Infektion wieder nachlässt. Allerdings gibt es auch Hinweise darauf, dass die Antikörper länger im Blut bleiben: Forscher*innen aus den USA haben in einer im Fachmagazin „Science“ vorveröffentlichten Studie bei gut 120 Probanden die Antikörperkonzentration über knapp ein halbes Jahr verfolgt.

Bei den meisten davon war nach fünf Monaten kaum ein Rückgang der Antikörperkonzentration nachweisbar. Diese Erkenntnisse schließen sich allerdings nicht aus. Auch Antikörper gegen andere Viren verschwinden nach einem halben Jahr bis Jahr aus dem Blut. Und selbst das heißt wiederum nicht, dass Betroffene nicht mehr immun sind.

Corona Antikörpertest (Foto: Imago, imago images / Future Image)
Die Frage, ob ein Patient nach einigen Monaten noch immun gegen eine Infektion sein kann, ist nicht unbedingt abhängig davon, wie viele Antikörper sich noch im Blut befinden. Die Gedächtniszellen leisten dafür die entscheidene Arbeit. Imago imago images / Future Image

Antikörper alleine reichen für die Immunität nicht aus

Die eigentliche Rolle der Langzeitimmunität in unserem Körper übernehmen die sogenannten Gedächtniszellen. Diese können Krankheitserreger wiedererkennen und eine Immunantwort auslösen – eine Fähigkeit, die Antikörper alleine nicht haben.

Ein Forscherteam der Uniklinik Freiburg konnte bei Corona-Patienten T-Gedächtniszellen nachweisen. Diese lösen bei einer erneuten Infektion innerhalb von zwei bis drei Tagen eine Immunantwort aus. So würde eine Reinfektion viel harmloser Verlaufen und Betroffene wären weniger infektiös. Es ist sogar denkbar, dass man von dem erneuten Kontakt mit dem Virus nicht einmal etwas mitbekommt.

Impfstoffe verlassen sich auf Immunantwort des Körpers

Bisher scheint das SARS-CoV2-Virus keine Mechanismen zu besitzen, die diesen Teil des Immunsystems austricksen können, wie es zum Beispiel das humane Immundefizienzvirus HIV kann.

Person mit Coronaimpfstoff (Foto: Imago, imago images / Andreas Gora)
Weil das Coronavirus nicht, wie etwa HIV, unbemerkt am Immunsystem vorbeikommt, stehen die Chancen gut für die bisher entwickelten Impfstoffe, die abhängig von der Immunantwort des Körpers sind. Imago imago images / Andreas Gora

Eine gute Nachricht auch für die in den Startlöchern stehenden Impfstoffe, denn auch deren Schutz basiert auf der körpereigenen Immunantwort. Aber noch heißt es abwarten. Denn auch bei HIV wurde an ein schnelles Ende der Pandemie geglaubt – und das ist bald 40 Jahre her.

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