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Nach Biontech gibt es jetzt auch gute Nachrichten von Moderna. 94,5% Wirksamkeit soll der Corona-Impfstoffkandidat des US-Pharmaherstellers haben. Wie ist das einzuschätzen?

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Was ist das für eine Firma, was ist das für ein Impfstoff?

Moderna war eines der ersten Pharmaunternehmen, die anfingen an einem Impfstoff gegen Corona zu forschen. Deswegen ist es nicht überraschend, dass sie jetzt eines der ersten mit Ergebnissen sind.

Der Impfstoff von Moderna basiert wie der von Biontech auf der mRNA-Technologie.

Bisher gibt es noch keinen zugelassenen Impfstoff auf dieser Plattform, aber Moderna hat trotzdem schon relativ viel Erfahrung damit. Sie arbeiten schon lange daran. Und eigentlich ist eine lange Entwicklungszeit bei Impfstoffen ja nichts Ungewöhnliches. Die Geschwindigkeit, die wir jetzt erleben ist eher die Ausnahme.

Der Impfstoff von Biontech muss sehr lange sehr tief gekühlt werden - ist das Mittel von Moderna auch so schwer zu handhaben?

Nein. Und hier ist der Hauptunterschied der beiden Impfstoffkandidaten zu finden. Der von Impfstoff von Moderna muss „nur“ bei -20 Grad gelagert werden, der von Biontech bei Minus 70 Grad. Moderna sagt sogar, dass ihr Impfstoff bei 2-8 Grad, also Kühlschranktemperaturen, bis zu 30 Tage haltbar ist.

Wenn das stimmt, wäre das eine enorme Entlastung für die Logistik, denn dann könnte man zumindest einen Teil der Lieferkette mit normaler Kühlung durchführen – die sogenannte letzte Meile zum Beispiel, wenn absehbar ist, dass der Impfstoff bald eingesetzt wird.

Moderna hat jetzt auch erste Ergebnisse der Corona-Impfstoff-Studie herausgegeben. (Foto: Imago, imago/imageBROKER/Michael Weber )
Moderna hat jetzt auch erste Ergebnisse der Corona-Impfstoff-Studie herausgegeben. Imago imago/imageBROKER/Michael Weber

Ähnlich wie die 90 Prozent Wirksamkeit bei Biontech sind auch die 94,5 Prozent bei Moderna kein Endergebnis, sondern ein Zwischenstand. Der aber führt schon zu einer Art Kaufrausch bei vielen Regierungen. Wieviel Wissenschaft steckt in den Zahlen, und wieviel Marketing?

Da ist bestimmt ein bisschen Marketing dabei. Wie bei Biontech sind das ja erstmal vorläufige Ergebnisse, die auf knapp 100 Infektionen unter den gut 30.000 Probanden basieren. Je mehr das werden – und es werden vor der Zulassung noch mehr – desto geringer wird wahrscheinlich die Wirksamkeit letzten Endes.

Noch genauer wird die Zahl dann, wenn der Impfstoff tatsächlich flächendeckend eingesetzt wird. Ich gehe aber schon davon aus, dass bei beiden die Wirksamkeit wahrscheinlich zwischen 80 und 90% liegt und das ist eine sehr gute Nachricht, denn erwartet wurden 40 bis 60%.

Die genaue Wirksamkeit des Moderna-Impfstoffes muss sich erst noch zeigen. (Foto: Imago, imago images/Rolf Kremming)
Die genaue Wirksamkeit des Moderna-Impfstoffes muss sich erst noch zeigen. Imago imago images/Rolf Kremming

Vom Biontech-Mittel hat sich Deutschland schon eine Menge reserviert, wie sieht es mit dem Impfstoff des US-Unternehmens Moderna aus – gilt da Trumps Devise „America First“?

Moderna darf den Impfstoff natürlich auch der EU verkaufen und das haben sie auch vor. Sie wollen bei der europäischen Arzneimittelagentur EMA eine Zulassung beantragen und die EU hat schon eine Liefervereinbarung mit Moderna getroffen. Da kann Donald Trump wenig dagegen tun.

So eine erste Meldung stimmt hoffnungsvoll, es kommt aber darauf an, wann wieviele Menschen das Mittel bekommen können. Hat Moderna schon etwas zur Verfügbarkeit gesagt?

80 Millionen Dosen sollen in der EU landen. Für eine Impfung sind allerdings zwei Dosen notwendig, das heißt es wären genug für 40 Millionen Menschen. Pro Jahr wollen sie bis zu einer Milliarde Dosen produzieren. Wie schnell Moderna dann wirklich liefern kann wird sich aber zeigen müssen, sobald der Impfstoff zugelassen ist.

Moderna hat jetzt auch erste Ergebnisse der Corona-Impfstoff-Studie herausgegeben. (Symbolfoto) (Foto: Imago, imago images/MiS)
Die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das neue Coronavirus gilt als einer der wichtigsten Pfeiler im Kampf gegen die Pandemie. Für die beteiligten Pharmakonzerne ist das natürlich auch ein riesiges Geschäft. Imago imago images/MiS
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