Das Klinikum Ludwigshafen (Foto: SWR)

Interview zur Corona-Situation

Wegen Corona: Klinikdirektor aus Ludwigshafen fordert Runden Tisch

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INTERVIEW

Der Direktor des Klinikums Ludwigshafen, Günter Layer, fordert einen Runden Tisch mit Vertretern aus Politik und Medizin. Es müsse geklärt werden, wie Kliniken künftig wirtschaftlich arbeiten können - trotz Corona.

Der Ärztliche Direktor des Klinikums Ludwigshafen Prof. Günter Layer (Foto: Klinikum Ludwigshafen)
Der Ärztliche Direktor des Klinikums Ludwigshafen Prof. Günter Layer Klinikum Ludwigshafen

SWR Aktuell: Herr Professor Layer, es gibt wieder viele Feste: Am Wochenende war Rock am Ring in der Eifel mit 90.000 Besuchern. Man könnte den Eindruck bekommen, Corona gibt es nicht mehr. Wie blicken Sie da als Klinikchef drauf?

Günter Layer: Relativ entspannt. Das normale Leben holt uns wieder ein, auch wenn ich mich persönlich in großen Menschenmengen noch unwohl fühle. Natürlich gibt’s Corona noch! Aber es ist eine Tatsache, dass die derzeit vorherrschende Virus-Variante klinisch nicht mehr so gefährlich ist, wie die vorherigen. Und das muss man - auch wenn es einem schwerfällt - akzeptieren. Die Chance, das Coronavirus auszurotten, die haben wir ja verpasst.

SWR Aktuell: Hat sich denn im Klinikum auch so eine sommerliche Corona- Entspannung eingestellt?

Layer: Die Corona-Zahlen sind natürlich auch bei uns – wie in ganz Rheinland-Pfalz – rückläufig. Es kommen kaum noch Patienten wegen Corona ins Haus. Wir haben aber nach wie vor natürlich noch Infizierte, die wegen anderer Leiden ins Krankenhaus kommen, und die müssen wir dann weiterhin isolieren. Wir müssen auch jede Erkrankung melden. Das ganze Bürokratie-Gedöns ist aufwendig und macht uns natürlich nicht superglücklich. Wir müssen auch die infizierten Mitarbeiter in Quarantäne schicken. Aber wir beobachten zumindest keine so schwerwiegenden Erkrankungen oder so eine Menge an Todesfällen mehr, wie das in den vergangenen zwei Jahren leider oft der Fall war.

Das Klinikum Ludwigshafen von außen (Foto: SWR)
Das Klinikum Ludwigshafen von außen

SWR Aktuell: Ist das ein Grund zu feiern?

Layer: Ja, medizinisch gesehen kann man das feiern, wenn man so will. Vom Aufwand her und von dem, was ein Krankenhaus pekuniär erlöst, kann man das natürlich nicht feiern. Wir haben nach wie vor zahlreiche Schutzmaßnahmen, wir haben gerade einen hohen bürokratischen Aufwand, wir haben eine Mannschaft, die müde ist, und jetzt auch mal Urlaub machen will in diesem Sommer. Insgesamt ist die Situation in den Krankenhäusern nicht entspannt. Viele Krankenhäuser klagen darüber, dass Personal weggebrochen ist, und dass zu wenig Personal zur Verfügung steht. Und wir haben sicherlich in allen Krankenhäusern ein gewisses Motivationsproblem. Also, das ist keine entspannende Situation!

SWR Aktuell: Ist das Klinikum Ludwigshafen komplett im Normalbetrieb?

Layer:  Sagen wir mal so: Wir nähern uns einer normalen Belegung. Eine gute Belegung wäre 80 Prozent - davon sind wir noch ein bisschen entfernt. Im Moment leiden wir natürlich auch darunter, dass so viele Feiertage sind, die uns die Woche zerreißen. Aber es ist nicht mehr so eine katastrophale Situation wie zu den Hochzeiten der Pandemie. Nach allem, was ich weiß, sind die meisten Krankenhäuser, die sich mit Akut-Patienten beschäftigen, weiterhin so zwischen 5 und 10 Prozent von dem entfernt, was sie eigentlich leisten können und leisten müssen.

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SWR Aktuell: Bis 23. September gilt der Corona-Basisschutz. Aber danach gibt es keinen konkreten Fahrplan für den Herbst. Macht Ihnen das Sorgen, dass die Bundesländer wieder unvorbereitet in einen Corona-Herbst schlittern, dass Maßnahmen zu spät kommen könnten?

Layer: Wenn etwas kommt, dann kommt es sicherlich zu spät. Aber wir wissen ja alle nicht, ob etwas kommt. Daraus speist sich ja die Hoffnung derer, die auf der Bremse stehen, Regelungen zu treffen. Die sagen: Es wird schon nix Schlimmes hinterherkommen. Das kann sein, dann haben die Recht behalten, und alle sind froh. Kann aber auch sein, dass es halt nicht so kommt. Und dann werden wir wieder ohne Vorbereitungen und ohne Konzept in den Herbst gehen. Die Ärzte sind eher skeptisch, dass wir keine neue Corona-Welle mehr bekommen. Wir gehen eher davon aus, dass wir wieder ein mutiertes Virus vorfinden werden - und das möglicherweise gar nicht erst im Herbst, sondern noch im Sommer. Auch damit muss man rechnen und wie Sie sagen, wir werden da wieder unvorbereitet reinrauschen, weil man der Meinung ist, dass man diese negativen Meldungen und negativen Vibrations der Bevölkerung jetzt in der guten Phase nicht mehr zumuten kann.

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SWR Aktuell: Wie wirkt das auf Sie?

Layer: Das Hauptproblem ist, dass man die Impfung nicht durchgesetzt hat. Und das wird man nicht mehr durchsetzen können. Das ist vorbei. Und das war meines Erachtens der Kardinalfehler. Und wir sind auch gesetzlich für den Herbst unvorbereitet:  Natürlich können die sich in Berlin und in den Bundesländern schon im vorauseilenden Gehorsam einigen. Was machen wir denn, wenn es wieder kommt? Aber das wird einfach nicht gemacht, weil das unpopulär ist! Auf der anderen Seite muss man sagen, wir sind natürlich durch die Erfahrung relativ schnell in der Lage, neue Programme auszurollen. Aber allein die Aussicht, dass die Konzepte wieder kontrovers in den Bundesländern diskutiert werden - die nervt einen - oder zumindest mich, der mit an der Front ist!

SWR Aktuell: Sie haben in unseren Interviews immer wieder gesagt, Corona wird nicht verschwinden. Was heißt das für die Kliniken?

Layer: Was mich beschäftigt, ist die Frage: Wie leben wir mit Covid künftig? Wir haben dafür auch in den Kliniken kein Konzept. Wenn das so bleibt, wie es aktuell ist, dann werden die Mitarbeiter unzufrieden sein. Die Klinik wird nicht ertragreich sein. Das ist keine zufriedenstellende Situation. Wir werden keine schwarzen Zahlen schreiben, und trotzdem werden die Mitarbeiter sagen: Wir sind viel zu wenige, der bürokratische Aufwand ist viel zu hoch, wir haben keinen Spaß mehr. Das ist keine Lösung, um mit Covid zu leben! Das heißt, wir bräuchten jetzt meines Erachtens tatsächlich eine gute Idee und auch einen Runden Tisch aus Politik und Medizin, um dafür zu sorgen, dass die Krankenhäuser, die gute Arbeit machen, ertragreich leben und wieder mit zufriedenen Mitarbeitern rechnen können. Das ist die Herausforderung der nächsten zwei Jahre, wenn uns kein neues schlimmes Covid-Monster erreicht. Um entspannt zu sein, fehlt genau diese Perspektive: Wie kriegen wir es hin, schwarze Zahlen zu schreiben und mit zufriedenem Personal zu arbeiten? Da hat mir noch keiner Antwort darauf gegeben!

SWR Aktuell: Die letzte Frage lautet wie immer:  Wie ist Ihre Prognose?

Layer: Im Moment kann niemand eine solide Prognose geben. Das hängt schlicht und ergreifend von der Frage ab, ob wir jetzt, da ein Großteil der Bevölkerung geimpft ist oder erkrankt war, noch mit gefährlichen Mutationen rechnen müssen. Ich bin der Meinung, wir müssen damit rechnen und bin daher eher etwas negativer eingestellt. Ich sehe Corona als weltweites Phänomen und die Zahlen und die Situation ist nicht überall annähernd so gut wie sie in Deutschland ist. Und insofern bin ich eher skeptisch, dass das Problem überwunden ist. Wenn man Deutschland isoliert betrachten könnte, dann hätte ich tatsächlich so eine Fifty-Fifty- Hoffnung, dass wir aufgrund dieser Teil-Immunisierung halbwegs auch in Zukunft mit Covid leben können. Ohne Covid leben - das wird es meines Erachtens nicht mehr geben. Damit müssen wir uns abfinden. Aber ich glaube, wenn wir Glück haben, können wir mit Covid leben.

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