Corona-Impfung (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Christoph Hardt/Geisler-Fotopres)

Einschätzungen von Experten

Wie der Corona-Herbst in RLP aussehen könnte

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Nichts Genaues weiß man nicht: So könnte man die Prognosen von Experten zur Corona-Lage im kommenden Herbst zusammenfassen. Nur bei wenigen Fragen scheint es Gewissheit zu geben.

Der Herbst beginnt bekanntlich am 23. September. Doch der Corona-Herbst dürfte in Rheinland-Pfalz in diesem Jahr bereits am 2. September beginnen. Dann nämlich enden die Sommerferien und mit ihnen eine große Reisewelle. Nach Einschätzung von Thorsten Lehr, Klinischer Pharmazeut an der Uni des Saarlandes, wird es in diesem Jahr mehr Reise-Rückkehrer als im Vorjahr geben: "Und das bedeutet, dass wir spätestens ab Ende der Sommerferien wieder mit steigenden Fallzahlen rechnen können."

Dass die Corona-Zahlen im Herbst wieder steigen, erwarten auch andere Experten - etwa Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), der jüngst auf die Gefahren der Omikron-Subtypen BA.4 und BA.5 hingewiesen hat. Die Frage ist: Wie schlimm wird die Herbst-Welle?

Lehr hält drei Szenarien für denkbar

Thorsten Lehr skizziert drei mögliche Szenarien: Der günstigste Fall sei, dass die bisher vorherrschende Omikron-Variante weiter dominant bleibe. Eine zweite Möglichkeit sei, dass sie von Untervarianten verdrängt werde, die infektiöser seien, aber "ähnlich krankheitsschwer" wie Omikron - etwa BA.4 oder BA.5. Dann gebe es zwar höhere Fallzahlen, aber die Impfung verhindere schwere Verläufe. Im schlimmsten Fall könne eine neue "Immunfluchtvariante" mit einer ähnlichen Krankheitsschwere wie die frühere Delta-Mutation auftauchen: "So eine Art Deltacron".

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Und wenn die Zahlen steigen - wie sollte Rheinland-Pfalz darauf reagieren? Die wichtigste Waffe im Kampf gegen das Virus ist zweifellos weiter die Impfung. Doch kann man dieses Instrument endlos strapazieren? Im vergangenen Januar hatte sich der Mainzer Virologe Bodo Plachter noch skeptisch gezeigt. Zu der Zeit erhielten viele Rheinland-Pfälzer gerade ihre dritte Impfung. Mit Blick auf den kommenden Herbst hält Plachter es jedoch für möglich, "dass man wieder eine große Impfkampagne startet - um eben aufzufrischen." Das tue man ja auch jährlich bei anderen Viren wie der Grippe.

Plachter: Große Auffrischungskampagne möglich

Derzeit empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) nur Risikopatienten und Personen über 70 Jahren, sich ein viertes Mal impfen zu lassen. Aus Sicht Plachters könnte eine größere Auffrischungskampagne im Herbst aber auch bereits jüngere Personen umfassen. Denn man wisse, dass die Immunität im Laufe der Zeit nachlasse. Zudem werde man es im Herbst wahrscheinlich mit einer etwas anderen Corona-Variante als der derzeitigen zu tun haben.

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Entscheidend sind aus Sicht Plachters die Daten, auf deren Grundlage die STIKO ihre Empfehlung ausspricht. Und dies seien eben nicht die Daten von jetzt - also Juni - sondern von September oder Oktober. Bis dann könne die STIKO beispielsweise Erkenntnisse von der Südhalbkugel auswerten - dort, wo gerade Winter sei. "Es könnte dann durchaus sein, dass wieder eine generelle Empfehlung für eine Auffrischungsimpfung ausgesprochen wird, um die Immunitätslage für den Winter wieder etwas zu erhöhen", so Plachter.

Der Elefant im Raum: China

Aus Sicht des Virologen gibt es einen großen Unsicherheitsfaktor in der Welt, der letztlich auch Rheinland-Pfalz tangieren könnte: China. "Das Land fährt eine Null-Covid-Strategie, die es nicht dauerhaft durchhalten kann", prophezeit Plachter. Irgendwann werde die Regierung in Peking das Land wieder öffnen. Das wiederum werde zu einer erheblichen Virus-Zirkulation führen, durch die neue Varianten entstehen könnten. "Es ist ja immer so: Je mehr Virus zirkuliert, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es zu neuen Varianten kommt."

Trotz dieser Unwägbarkeit halten es die Experten für unwahrscheinlich, dass in Rheinland-Pfalz ein neuer Lockdown verhängt werden muss. "Wir sind jetzt in dem Moment, wo sich jeder selbst schützen muss", sagt Lehr und verweist auf das "Erlernte": Wichtig sei, die Grundregeln im Umgang mit der Pandemie nicht zu vergessen. Einfache Dinge wie Masken, Hygiene und Abstand funktionierten sehr gut.

"Im Prinzip sind alle Maßnahmen eingeübt"

Auch Plachter sagt mit Blick auf Schulen und Kliniken: "Im Prinzip ist jetzt alles eingeübt und nicht mehr so dramatisch, wie es mal war. Man muss gegebenenfalls zeitnah reagieren." Zudem weise die Bevölkerung inzwischen "eine gewisse Basisimmunität" auf, sodass etwa die Krankenhäuser sehr wahrscheinlich durch steigende Corona-Zahlen nicht wieder so belastet würden wie in der Vergangenheit. "Ich halte es eher für unwahrscheinlich, dass die Situation wieder so schlimm wird, dass wir einen neuen Lockdown brauchen."

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