Das Firmenschild von Biontech mit Hausnummer und Adresse (Foto: SWR, Sarina Fischer)

Hauptversammlung des Mainzer Unternehmens

BioNTech vermeldet noch keinen Durchbruch bei Omikron-Impfstoff

STAND

Das Mainzer Pharmaunternehmen BioNTech kann noch keinen Durchbruch bei der Weiterentwicklung seines Corona-Impfstoffs verkünden. Bei der Hauptversammlung sagte BioNTech-Chef Ugur Sahin, Ergebnisse der Studien würden "in den kommenden Wochen erwartet".

Die Erwartungen an den Mainzer Impfstoffhersteller sind hoch. BioNTech wollte bereits im April Studienergebnisse zur Wirksamkeit und Sicherheit eines Impfstoffs veröffentlichen, der an Omikron und andere Virusvarianten angepasst ist. Gleichzeitig wird aus Portugal über die Ausbreitung des neuen Omikron-Subtyps BA.5 berichtet.

Ergebnisse, so Sahin, würden "zeitnah mit den Zulassungsbehörden diskutiert". Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hatte vor kurzem erklärt, bis spätestens Ende September könnte ein Omikron-Impfstoff zugelassen werden.

Unternehmen schüttet erstmals Dividende aus

Sahin hob in seiner Rede an die Aktionäre und Aktionärinnen die Leistung seines Unternehmens hervor. BioNTech habe sich zu einem "modernen Immuntherapie-Powerhouse“ entwickelt. Mit der Entwicklung und dem Ausbau der Produktion des Impfstoffs habe Biontech zum Schutz von weit über einer Milliarde Menschen während der Pandemie beitragen können. Zum ersten Mal will BioNTech eine Dividende an seine Anteilseigner ausschütten - 2 Euro je Aktie.

Gemeinsame Kritik von Amnesty International, Brot für die Welt und Oxfam

Trotz des wirtschaftlichen Erfolgs sehen Menschenrechts-Organisationen die Unternehmenspolitik von BioNTech kritisch. Amnesty International, das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt und die Entwicklungsorganisation Oxfam fordern von BioNTech unter anderem einen Technologietransfer des Corona-Impfstoffes für arme Länder. Konkret: Das Biotechnologie-Unternehmen soll sein Produktions-Know-how der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Verfügung stellen.

Außerdem soll BioNTech seinen Covid-Impfstoff global gerechter verteilen. Die Verträge und die Preisgestaltung sollen zudem transparent gemacht werden. Nur so könnten sich Länder mit geringem Einkommen selbst mit lebensrettenden Impfstoffen versorgen, argumentieren die Organisationen. Sie haben deshalb zusammen mit dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre einen Fragenkatalog eingereicht.

Corona-Impfstoff fast nur für reiche Länder?

Darin verweisen die Organisationen darauf, dass im vergangenen Jahr nur ein Prozent des Corona-Impfstoffs von BioNTech/Pfizer an Länder mit geringem Einkommen ging. Dass das Unternehmen fast ausschließlich wohlhabende Länder damit beliefert habe, habe BioNTech einen Nettogewinn von 10,3 Milliarden Euro beschert.

Trotz massiver staatlicher Förderung und Rekordgewinnen plane BioNTech bislang wenig, um die Impfstoffversorgung in ärmeren Ländern zu verbessern, kritisieren Amnesty International, Brot für die Welt und Oxfam. Das Unternehmen selbst hatte angekündigt, 2022 mehrere Impfstoff-Produktionsstätten in afrikanischen Ländern zu eröffnen.

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Vorwurf: BioNTech verletzt mit Geschäftspraxis Menschenrechte

Doch das reicht den Menschenrechts- und Entwicklungshilfeorganisationen nicht: Die in aktuell zwei afrikanischen Ländern geplanten Container-Fabriken lieferten zu spät und zu wenig, so die Kritik. Zudem sei unklar, ob BioNTech umfassend Know-how und Technologien bereitstellen werde, sodass vor Ort unabhängig produziert werden könne.

In Länder mit geringem Einkommen hätten nur knapp 16 Prozent der Menschen zumindest eine Impfdosis erhalten, kritisieren die Organisationen und verweisen darauf, dass in wohlhabenden Ländern bereits die vierte Impfung möglich sei. "Diese Ungerechtigkeit verletzt die Menschenrechte im globalen Süden und verschärft strukturelle Ungleichheiten", heißt es in dem Fragenkatalog für BioNTech.

Amnesty International, Brot für die Welt und Oxfam Deutschland sind nach eigenen Angaben Teil der People's Vaccine Alliance. Das Bündnis umfasst rund 100 Organisationen und setzt sich unter anderem dafür ein, die Covid-Impfpatente freizugeben.

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