Die Eisweinlese ist ein ganz besonderes Ereignis, denn nicht jedes Jahr kann der süße Wein geerntet werden. Klirrend kalt muss es sein, mindestens minus sieben Grad. Nur dann darf sich der Wein auch Eiswein nennen. In Ballrechten-Dottingen bei Staufen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) haben die Bedingungen am Montagmorgen gepasst. Unter sternenklarem Himmel und bei Vollmond haben sich 20 Helferinnen und Helfer getroffen, um die letzten verbliebenen Trauben aus dem Weinberg des Weinguts Löffler zu holen. Auch eine Königin war dabei.
Eiswein: Vielfältig und extraktreich
Eingepackt in Mützen und Handschuhe machen sich die Helferinnen und Helfer am Montagmorgen an die Arbeit. Auf ihren Köpfen leuchten Stirnlampen weiße Atemwolken an, in den Händen halten sie Rebscheren und Eimer. 14 Reihen Reben wollen sie ernten. Den Aufwand betreiben sie, um einen ganz besonderen Tropfen herstellen zu können.
Das Geheimnis beim Eiswein ist ja, dass das Wasser gefriert, und so hat man den hochkonzentrierten Traubenmost, der beim Pressen rauskommt.
Der Kellermeister Andreas Löffler kennt die Vorzüge von Eiswein. Besonders vielseitig und extraktreich sei dieser. "Er geht so ein bisschen in diese Dörrobst-Richtung", sagt Löffler. Das harmoniere sehr gut mit einem Dessert oder einem kräftigen Käse.

Badische Weinkönigin mit bei der Ernte: Stirnlampe statt Krönchen
Auch die amtierende badische Weinkönigin Lucia Winterhalter wollte sich die Eisweinlese nicht entgehen lassen. Statt wie sonst so oft mit Krönchen ist sie ebenfalls mit Stirnlampe unterwegs. Für Winterhalter sind es gerade das frühe Aufstehen und die Kälte, die die Eisweinlese zu einem besonderen Ereignis machen.
Ein bisschen überreden müsse man sich schon, um morgens aufzustehen, "aber dann trinkt man den ersten Kaffee und sieht, wie viele Leute hier sind und wie wirklich alle Spaß haben, die hier sind", sagt Winterhalter. Die Gemeinschaft mache die Weinlese in der Kälte zu einem einzigartigen Erlebnis.
Satte Ernte: 900 Kilo Gutedel-Trauben in einer Stunde
Knapp eine Stunde braucht die Gruppe, dann sind auch die letzten Gutedel-Trauben in drei großen Kisten gelandet. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt: 900 Kilo Trauben sind zusammengekommen. Daraus lassen sich etwa 400 Liter Eiswein pressen.

Für Kellermeister Löffler ist nach dem frühen Einsatz in den Weinbergen noch kein Feierabend. Die geernteten Trauben müssen schnell verarbeitet werden. Zurück im Weingut in Staufen füllt der Kellermeister die Trauben direkt in die Presse. Um diese abzukühlen, wurde sie im Vorhinein extra nach draußen gebracht. So wird sichergestellt, dass die Trauben nicht vor dem Pressen doch noch auftauen.
164 Öchsle: Süßer Eiswein im Staufener Weingut gesichert
Um die Qualität der Trauben zu prüfen, nimmt Löffler einen Refraktometer zur Hand. Das Gerät ähnelt optisch einem kleinen Fernglas. Mit diesem lässt sich die Süße der Trauben überprüfen. Er gibt ein paar Tropfen des frisch gepressten Safts hinein und hält es dann an sein Auge. "Wir haben 164 Öchsle, das ist ein sehr guter Wert", sagt der Kellermeister zufrieden.
Der Aufwand hat sich gelohnt. Die Grundvoraussetzungen für einen guten Eiswein sind da. Bis der süße Most vergoren ist und in Flaschen abgefüllt werden kann, wird es aber noch einige Monate dauern.