Familie Kirchgäßner ist seit Jahrzehnten beim Peter und Paul Fest in Bretten.

Eine Zeitreise ins Mittelalter

Seit Jahrzehnten ist Familie Kirchgäßner beim Peter-und-Paul-Fest in Bretten

Stand
Autor/in
Felix Wnuck
Ein Porträt Foto von Felix Wnuck
Patrisha Walters
Profilbild SWR Volontärin Patrisha Walters

Einmal pro Jahr reist Familie Kirchgäßner aus Bretten für vier Tage zurück ins Mittelalter und das seit fast 30 Jahren. Das Fest ist für sie Höhepunkt des Jahres.

Bernd und Veronika Kirchgäßner aus Bretten sind seit 28 Jahren beim Peter-und-Paul-Fest dabei. Es ist halb 12 im Gerberhaus in Bretten. Bernd Kirchgäßner sitzt mit Frau und Tochter am Frühstückstisch und beißt genüsslich in eine Brezel.

Der Tisch ist reichlich gedeckt. Brötchen, Brot, Würste und Gemüse lassen sie sich schmecken - ein gewöhnliches Frühstück. Eher ungewöhnlich ist die Kleidung: Alle tragen hier Gewänder und Hüte, die schon lange nicht mehr in Mode sind. Im 16. Jahrhundert allerdings schon.

Peter-und-Paul-Fest in Bretten ist eine Zeitreise

Und im Mittelalter hält sich die Familie gedanklich die nächsten Tage auch auf. Sie nimmt am Peter-und-Paul-Fest in Bretten teil. Anfangs gehörten die Kirchgäßners zur Gruppe der Bierbrauer. Schließlich haben sie die Gruppe der "Kraemer und Halunken" mitbegründet. Mittlerweile gibt es 40 Mitglieder.

Wir freuen uns jedes Jahr wie Bolle.

Im echten Leben ist Bernd Kirchgäßner Software-Entwickler. Während der vier Tage des Peter-und-Paul-Fests tauscht er allerdings seinen Computer gegen einen Verkaufsstand aus dem Mittelalter - seine große Leidenschaft.

Ein Jahr Vorbereitung

Wenn gerade nicht das größte Mittelalterfest des Südwestens in Bretten stattfindet, treffen sich die "Krämer und Halunken" jeden Monat für ein kreatives Treffen. Dann werden Hemden, Kleider und Taschen hergestellt, die sie an den vier Tagen des Peter-und-Paul-Fests verkaufen können. Der Erlös kommt der Gruppe zugute.

Man arbeitet das ganze Jahr darauf hin, dass wir eigene hergestellte Sachen verkaufen.

Während des Fests ist Veronika Kirchgäßner auch für die Küche zuständig. Schon früh am Morgen hat sie Teig für die nächsten Tage vorbereitet und für das Frühstück eingekauft.

Besucher des Peter-und-Paul-Festes in mittelalterlicher Kleidung
Besucher des Peter-und-Paul-Festes in mittelalterlicher Kleidung

Eine ganze Familie für das Mittelalter

Doch das Ehepaar Kirchgäßner ist nicht allein auf dem Fest in Bretten. Ihre erwachsenen Kinder sind normalerweise immer mit dabei. Sohn Jonathan ist dieses Jahr verhindert, dafür ist Alina an der Seite ihrer Eltern. Die 22-Jährige hat ihr erstes Peter-und Paul-Fest noch im Bauch ihrer Mutter erlebt. Seitdem ist sie auf jedem Fest dabei.

Ich bin auch stolz, dass meine Eltern die Gruppe mitbegründet haben.

Schon als Kind habe sie immer auf dem Fest spielen wollen, irgendwann habe sie dann angefangen, in der Küche zu helfen und eigene Aufgaben zu übernehmen, erzählt sie uns. Als stellvertretende Gruppensprecherin ist sie auf einem guten Weg, die Fußstapfen ihres Vaters zu füllen.

Es ist einfach nur schön zu sehen, dass es weitergeht.

Mehrere Menschen in historischen Kostümen stehen vor dem Gerberhaus auf dem Peter und Paul-Fest in Bretten. Die Frauen lassen sich ein weißes Tuch über die Haare ziehen.
Alina Kirchgäßner (zweite von links) ist stellvertretende Gruppensprecherin der "Krämer und Halunken". Ihr Vater Bernd (zweiter von rechts) hat die Gruppe 1997 mitgegründet.

Festzug ist Höhepunkt

Alinas persönlicher Höhepunkt der Feierlichkeiten ist der Peter-und-Paul-Festzug. Etwa 3.000 Menschen in historischen Gewändern laufen dann durch Bretten. Die Krämer und Krämerinnen sind natürlich auch dabei.

Mittelalterlich gewandete Teilnehmer des Festzugs beim Peter-und-Paul-Fest in Bretten
Mittelalterlich gewandete Teilnehmer des Festzugs beim Peter-und-Paul-Fest in Bretten

Ich will dieses Feeling erleben, wenn die Zuschauer einen bejubeln, wenn man die Zuschauer bejubelt.

Noch bis Montag ist Familie Kirchgäßner auf dem Peter-und-Paul-Fest in Bretten. Dann beginnt die Arbeit von Neuem. Die Kleidung für das nächste Jahr muss schließlich produziert werden. 

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