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Milo Rau: „Ein Jesus-Film muss einlösen, was die Bibel fordert.“

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Marie-Christine Werner

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Der Schweizer ist einer der einflussreichsten Regisseure Europas. Milo Raus Theaterstücke erregen sehr viel Aufmerksamkeit, denn sie sind hochpolitisch. In seinem Stück „Hate Radio“ bringt er das Grauen über den Völkermord in Ruanda auf die Bühne und „Breiviks Statement“ handelt vom norwegischen Rechtsterroristen Anders Breivik.

Kinofilm „Das Neue Evangelium“

In seinem jüngsten Kinofilm „Das Neue Evangelium“ geht es um die Bibelgeschichte, die Milo Rau mit dem Schicksal geflüchteter Menschen verknüpft.  Sie hausen in Süditalien in riesigen Lagern, rechtlos und ohne Papiere  und ernten für einen Hungerlohn Tomaten, Orangen und Mandarinen. Der Regisseur will deutlich machen, dass es zwischen der Not der einen und dem Reichtum der anderen einen direkten Zusammenhang gibt: „Globalen Realismus“ nennt er das.

Modernen Sklaven eine Perspektive geben

„Gerade bei einem Jesus-Film, muss die Produktion das einlösen, was die Bibel fordert,“ so Milo Rau, der sich selbst übrigens als Atheisten bezeichnet.

„Es ergibt keinen Sinn, einen Jesus-Film zu machen, und wenn der abgedreht ist, gehen die Leute zurück in die Illegalität. Das wäre ein Anti-Jesus-Film.“

Und deshalb gab es begleitend zum Film ein Projekt für die Rechte dieser Menschen und eine Perspektive, wie sie in Würde ihren Lebensunterhalt verdienen können, z.B. durch eine nachhaltige Produktion von Tomaten.

Daraus ziehen Milo Rau und sein Team die Motivation ihres Tuns, wie er sagt: „Wenn du „Das Neue Evangelium“ gemacht hast mit Farmarbeiter*innen und da vielleicht hundert dieser Menschen aus der Sklaverei geholt hast, ist es nachher schwierig zur postmodernen Adaption von Tschechow zurückzukehren, das kommt einem dann schon extrem sinnlos vor.“

Gerty-Spies-Literaturpreis

Milo Rau, Jahrgang 1977, hat für seine inzwischen mehr als 50 Theaterstücke, Filme, Bücher und Aktionen viele Preise bekommen. Am 30. Mai 2021 ist der Gerty-Spies-Literaturpreis 2020 der Landeszentrale für Politische Bildung Rheinland-Pfalz dazugekommen.

Zeitgenossen Anna Bergmann: „Als Regisseurin mache ich die Ansagen“

Anna Bergmann ist 2018 mit dem Ziel angetreten, die patriarchalen Strukturen am Theater aufzubrechen. Die 43-Jährige hat als erste Schauspieldirektorin am Badischen Staatstheater bundesweit für Aufsehen gesorgt, als sie für eine komplette Spielzeit ausschließlich Regisseurinnen verpflichtet hat.

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