Film

„Der perfekte Chef“: Spanische Kinokomödie mit Javier Bardem

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AUTOR/IN
Hartwig Tegeler

Man kann sich darüber streiten, wann der spanische Schauspieler Javier Bardem zum Weltstar wurde. Schon in der Zeit, als er noch bei Pedro Almodóvar spielte oder erst, als er bei den Coen-Brüdern in Hollywood den Serienkiller in „No Country for Old Men“ gab. Unvergesslich in dieser Rolle: Bardems Frisur. Die ist, wie einige finden, jetzt noch schlimmer in der spanischen Komödie „Der perfekte Chef“, der Geschichte eines Firmenbosses, gegen den Mutter Theresa an Mitgefühl nicht einmal in Ansätzen mithalten könnte.

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Firmenchef Blanco – in „Der perfekte Chef“ grandios gespielt von Javier Bardem – führt ein soziales Unternehmen. Zumindest behauptet Blanco das. Steckt ein Mitarbeiter in einer Krise, steht ihm Chef Chef Blanco bei wie ein liebevoller, aber auch strenger Vater. Es geht um ein Familienunternehmen, einige hundert Mitarbeiter, an der Spitze der Patriarch.

Filmstill (Foto: Alamode Filmverleih)
Die glanzvolle Fassade des perfekten Chefs beginnt zu bröckeln, als er sich mit einem entlassenen Mitarbeiter, einem deprimierten Produktionsleiter und der verliebten Praktikantin Liliana (Almudena Amor) herumschlagen muss. Alamode Filmverleih

Geschichte einer Enthüllung

Der Film „Der perfekte Chef“ entwickelt sich nun langsam aber sicher zur Geschichte einer Enthüllung. Am Anfang erscheint Blanco noch als emphatische, charismatische Persönlichkeit. Dass er eine Affäre mit der Praktikantin beginnt, na ja … Als dann aber alles nicht mehr so rund läuft, sein Produktionsleiter verfängt sich vollends in seinen Neurosen, die Praktikantin erweist sich als eine ganz andere, als sie zu sein schien, da zeigen sich bei Blanco ganz andere Seiten.

Filmstill (Foto: Alamode Filmverleih)
Als Inhaber eines Familienunternehmens für Industriewaagen ist Blanco beseelt vom Glauben an Gleichgewicht und Gerechtigkeit. Er ist davon überzeugt, dass sein Wort Gesetz ist und trifft seine Entscheidungen einzig zum Wohl der Firma. Alamode Filmverleih

Zuviel vorausgesetzte Naivität schmälert den Kinogenuss

Leider hat Fernando León de Aranoas Film ein dramaturgisches Problem: Spannend ist diese Geschichte nur dann, wenn wir am Anfang daran glauben, dass Blanco tatsächlich der gütige, fürsorgliche Unternehmer ist, für den er sich ausgibt. Aber können wir dem wirklich so naiv folgen? Ein Blick in den Wirtschaftsteil einer Zeitung macht klar, dass einer wie Blanco kaum so gut sein kann, wie er tut.

Nur ein perfekt konstruiertes „Feel-Bad-Movie“

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Trailer „Der perfekte Chef“, ab 28.7. im Kino

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