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Die Krankheit Reizdarm ist in der Tat ein ganz häufiges Syndrom, vor allem in den westlichen Industrienationen. Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer, und beim Reizdarmsyndrom kann es zu ganz verschiedenen Symptomen kommen. Das heißt, es gibt Patienten, die haben immer wieder Durchfälle. Es gibt Patienten, die leiden eher unter Verstopfung. Es gibt aber auch Patienten, die haben immer wieder Bauchschmerzen oder starke Blähungen oder auch Mischformen davon.

Unser heutiges Verständnis vom Reizdarmsyndrom ist, dass es dabei zu einer Fehlregulation im Darm-Nervensystem kommt. Das heißt, wir gehen davon aus, dass an dieser Darmbarriere, also der Grenzschicht zwischen dem Darm-Inneren, dem Immunsystem und dem Nervensystem, es zu starken Reizen kommt, das Nervensystem überreagiert. Das verursacht für Patienten Dehnungsreize, die durch Dehnung des Darms entstehen, durch Nahrungsmittel oder auch die Bildung von Darmgasen. Diese werden sehr stark als Schmerzen empfunden oder können auch Durchfall oder Verstopfung auslösen.

Das Reizdarmsyndrom ist relativ komplex, das heißt, da spielen auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten eine Rolle. Wir wissen aber auch, dass Patienten, die eine infektiöse Kolitis, also eine infektiöse Entzündung des Darms, hatten, zum Beispiel durch Bakterien oder Viren, danach ein deutlich höheres Risiko haben, einen Reizdarm zu entwickeln. Das heißt, diese Entzündungsprozesse können dazu führen, dass die Reizverarbeitung im Darm verändert wird und im weiteren Verlauf die Patienten besonders sensibel auf Reize aus Nahrungsmitteln reagieren.

Was gegen das Reizdarmsyndrom helfen kann

In der Therapie vom Reizdarmsyndrom nutzen wir heute ein sogenanntes multimodales Modell. Da versuchen wir, verschiedene Bausteine zu kombinieren. Ein Baustein ist das Thema Ernährung, das spielt eine ganz wichtige Rolle. Wir schauen uns an, ob der Patient Nahrungsmittelunverträglichkeiten hat. Das könnte eine Milchzucker-Unverträglichkeit sein oder auch eine Fruchtzucker-Unverträglichkeit, die die Beschwerden verstärkt. Das heißt, der Patient wird eine Ernährungsberatung bekommen, um gewisse Auslöser zu meiden. Manche Patienten profitieren auch von der sogenannten Fodmap-Diät. Das ist eine Diät, wo schwer verdauliche Zuckerstoffe gemieden werden.

Wichtig ist für die Reizdarmpatienten aber auch das Thema Entspannung. Das kann zum Beispiel autogenes Training sein, aber auch die Behandlung mit pflanzlichen Stoffen, zum Beispiel Phytotherapie mit Pfefferminze, Kümmel, Fenchel, Anis oder Koriander. Aber es gibt auch gute Hinweise darauf, dass Probiotika, also die Gabe von lebenden Bakterien, diesen Patienten helfen können, weil wir eben oft auch sehen, dass Störungen im Darmmikrobiom ein solches Reizdarmsyndrom verstärken können.

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