In Schuld ist das Ufer an der Ahr im Juni 2022 aufgeräumt, vor der Flut standen dort Häuser. (Foto: SWR)

Untersuchungsausschuss zur Flutkatastrophe

Aussage der Vertrauten von Landrat Pföhler bringt kaum Erkenntnisse

STAND

Mit Spannung wurde im Untersuchungsausschuss des rheinland-pfälzischen Landtags zur Flutkatastrophe die Aussage der Vertrauten des ehemaligen Landrats Jürgen Pföhler (CDU) erwartet. Zudem ging es erneut um die Frage, wann das Ausmaß des Hochwassers klar war.

Der Untersuchungsausschuss erhoffte sich von der Zeugin mehr Informationen darüber, wo sich der ehemalige Landrat während der Flutkatastrophe im Juli 2021 aufgehalten hatte. 13 Mal sollen er und die 71-jährige aus Dernau am Tag der Flut miteinander telefoniert haben. Das geht aus Ermittlungsakten hervor. Auf Nachfrage des Ausschussvorsitzenden räumte die Frau eine Liebesbeziehung zum ehemaligen Landrat ein.

Keine Erinnerung an die Telefonate

Vor dem Ausschuss berichtete die Zeugin, sie habe in der Flutnacht nicht erfahren, wo sich Pföhler ab dem Nachmittag des 14. Juli aufgehalten habe. Erst später habe er ihr berichtet, er sei überwiegend zuhause und nur zweimal kurz in der Einsatzleitung gewesen. An die Inhalte der 13 Telefongespräche könne sie sich nicht wirklich erinnern, so die Zeugin. Gegen 20:54 Uhr habe das letzte Gespräch stattgefunden. Danach sei sie direkt schlafen gegangen.

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Letztlich kaum neue Erkenntnisse

Die Frau war bereits für die vergangene Woche vor den Untersuchungsausschuss geladen, hatte aber ein Attest vorgelegt. Nun kam es zur Befragung, die kaum neue Erkenntnisse brachte. Es bleibt also weiterhin unklar, wo sich Landrat Pföhler in der Katastrophennacht aufgehalten hatte.

Jürgen Pföhler (CDU, l), ehemaliger Landrat des Kreises Ahrweiler, ist mit seinem Anwalt Olaf Langhanki auf dem Weg in den Untersuchungsausschuss des Landtags Rheinland-Pfalz zur Flutkatastrophe (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Arne Dedert)
Jürgen Pföhler (CDU, l), ehemaliger Landrat des Kreises Ahrweiler, mit seinem Anwalt Olaf Langhanki auf dem Weg in den Untersuchungsausschuss (Archivbild) picture alliance/dpa | Arne Dedert

Pföhler von LKA-Ermittler schwer belastet

Ein Ermittler des Landeskriminalamtes hatte den Ex-Landrat in seiner Zeugenaussage schwer belastet. Demnach kümmerte sich Pföhler während der Flutkatastrophe offensichtlich mehr um private Dinge als um den Schutz der Menschen im Kreis Ahrweiler.

Innenministerium: Lagezentrum lagen wenige Informationen vor

Der Leiter des Lagezentrums im Innenministerium, Heiko Arnd, sagte im Untersuchungsausschuss, seine Einrichtung habe in der Flutnacht versucht, sich mit Hilfe der Polizeipräsidien und der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion ein vollständiges Bild über die Lage zu verschaffen. Ein Austausch mit Innenminister Roger Lewentz (SPD) habe aber regelmäßig stattgefunden. Die Informationen seien bis dahin nur bruchstückhaft gewesen. "Wir hatten ein Informationsdefizit in der Nacht", sagte Arnd.

Dies lasse sich jetzt im Nachhinein sagen. Das Ausmaß der Katastrophe habe er selbst weder am 14. noch am 15. Juli 2021 erfasst, "sondern erst in den darauffolgenden Tagen".

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Lagezentrum bemühte sich um Hubschrauber

Das Lagezentrum habe sich bemüht, Hubschrauber für die Luftrettung zu organisieren. Darüber habe er in einem Telefongespräch auch Innenminister Roger Lewentz (SPD) informiert. Lewentz habe gefragt, ob er ins Polizeipräsidium Koblenz fahren solle. Er habe ihm abgeraten, sagte Arnd, weil die Lage noch unklar gewesen sei. Zu dem Zeitpunkt sei bekannt gewesen, dass Häuser in Schuld eingestürzt waren. Informationen über Tote hätten erst am nächsten Morgen vorgelegen.

Polizistin: Flutwelle im Ahrtal war um 22 Uhr bekannt

Die Existenz einer großen Flutwelle an der Ahr war der Polizei nach Darstellung einer Koblenzer Hauptkommissarin am 14. Juli gegen 22 Uhr klar. "Ich habe um 22 Uhr meinen Dienst angefangen. Da hatten wir keine Hochwasserlage mehr, da hatten wir eine Flutkatastrophe", sagte Marita Simon von der Führungszentrale des Polizeipräsidiums Koblenz.

"Wenn sechs Häuser weggerissen werden und man mit Toten und Verletzten rechnen muss, ist das für mich der Beginn einer Katastrophe."

Sie sei zu Dienstbeginn mit den Worten begrüßt worden: "In Schuld sind gerade sechs Häuser von der Flutwelle weggerissen worden", berichtete die 56-Jährige. Im Radio habe sie zuvor gehört, dass die Autobahn 61 gesperrt und eine Mauer zusammengebrochen war. "Wenn sechs Häuser weggerissen werden und man mit Toten und Verletzten rechnen muss, ist das für mich der Beginn einer Katastrophe."

Sie habe ständig in telefonischem Kontakt zur Integrierten Leitstelle und zum Lagezentrum des Innenministeriums gestanden, sagte Simon. Mit der Einsatzleitung (TEL) im Kreis Ahrweiler habe es in ihrer Dienstzeit nur einen Kontakt gegeben. Dass die TEL eingerichtet worden war, habe sie aus der Integrierten Leitstelle erfahren. Dann seien aber auch bald die Telefonleitungen zusammengebrochen.

Journalist berichtet von Telefonat mit Lewentz

Der Journalist Willi Willig berichtete, er habe gegen 19:45 Uhr mit Lewentz telefoniert, kurz nachdem dieser die TEL verlassen hatte. Lewentz habe in dem Telefonat berichtet, ein Haus in Schuld sei eingestürzt und er habe die Zustände als "katastrophal und wirklich schlimm" geschildert, berichtete Willig. Der Minister habe aber den Eindruck erweckt, "es sei alles schon vorbei". Er habe nicht den Eindruck gemacht, als erwarte er, dass die Lage dramatisch werden könne, oder als hätte er von irgendwem darauf einen Hinweis bekommen.

Schweigeminute zu Beginn der Sitzung

Ein Jahr nach der Flutkatastrophe im nördlichen Rheinland-Pfalz hatte die 23. Sitzung des Untersuchungsausschusses am Morgen mit einer Schweigeminute für die Opfer begonnen.

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Der Untersuchungsausschuss soll klären, welche Versäumnisse es bei der Flutkatastrophe gab und wer dafür verantwortlich ist. Die Flut hatte in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 für verheerende Zerstörungen gesorgt, 135 Menschen starben alleine in Rheinland-Pfalz, 134 davon im Ahrtal.

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