Menschen gehen an einer Covid-19-Bürgertest-Station vorbei. Ab 1. Juli 2022 sollen die Antigentests dort nicht mehr kostenlos sein.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Harald Tittel)

Bezahlen für Tests, vierte Impfung und Subtyp BA.5

Immer noch Corona: Was sich jetzt ändert und was im Herbst wichtig wird

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Ja, Corona gibt es noch. Auch wenn wir die Sonne genießen und die Pandemie etwas aus dem Fokus gerückt ist. Wir geben Antworten auf Fragen zu Corona im Sommer und Herbst 2022.

Angesichts der nun dominierenden Untervariante BA.5 mit leichterer Übertragbarkeit zeichnet sich aus Expertensicht eine angespanntere Corona-Lage ab. Die Sorge kommt nicht von ungefähr: Die Sieben-Tage-Inzidenz ist zuletzt weiter deutlich angestiegen.

Für Deutschland liegt die Zahl der bundesweiten Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bei 635,8.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) prognostiziert zudem einen "sehr schweren Herbst". Neben den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs sei mit einer "schweren Corona-Welle" zu rechnen. Wie ernst es dann wird, kommt auf die Varianten an, die dann im Umlauf sind. Mit der Rückkehr einiger Corona-Maßnahmen müssen wir wahrscheinlich trotzdem rechnen.

Warum steigen die Inzidenzen trotz hoher Temperaturen?

Dass die Inzidenzen derzeit trotz des Sommerwetters steigen, liegt in erster Linie am Omikron-Subtyp BA.5, der endgültig in Deutschland angekommen ist. Dieser ist noch ansteckender als sein Vorgänger BA.2, der für die letzte Welle verantwortlich war. Bisher war es immer so, dass wenn die Inzidenzzahlen der letzten Welle gerade gesunken sind, eine neue ansteckendere Variante aufgetreten ist. Diese neue Variante wurde dann die dominierende und die Ansteckungszahlen stiegen wieder.

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Brauche ich jetzt die vierte Impfung?

Laut Bodo Plachter, Direktor des Instituts für Virologie der Unimedizin Mainz, sollten sich vor allem vulnerable und ältere Menschen eine Auffrischungsimpfung holen - und am besten gleichzeitig eine Grippeimpfung. Risikogruppen sollten eine eventuelle vierte Impfung auf jeden Fall mit ihrem Arzt besprechen.

Von der STIKO und Bundesgesundheitsminister Lauterbach wird eine vierte Impfung derzeit für folgende Personengruppen empfohlen:

Corona-Pandemie Lauterbach empfiehlt zweite Booster-Impfung auch für alle unter 60

Auch Menschen unter 60 Jahren sollen sich laut Gesundheitsminister Lauterbach ein viertes Mal gegen das Corona-Virus impfen lassen. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC und die EU-Arzneimittelbehörde EMA empfehlen hingegen die zweite Booster-Impfungen für Personen ab 60 sowie für Vorerkrankte.  mehr...

Wer nicht zu den genannten Gruppen gehört und dreimal geimpft ist, ist schon sehr gut vor einem schweren Verlauf geschützt. Hier empfehlen Experten dann erst wieder eine Omikron-angepasste Impfung. Zur Wirksamkeit der gerade in der Prüfung befindlichen Omikron-Impfstoffe müssen allerdings noch die Ergebnisse von Studien abgewartet werden.

Wann kommt der Booster mit Omikron-Impfstoff?

Im Herbst soll es eine neue Impfkampagne geben, so Lauterbach. Vor dem Winter könnte damit noch ein Corona-Booster anstehen. Angepasste Impfstoffe sollen dabei einen besseren Immunschutz gegen Omikron-Sublinien bieten als vorhandene Präparate. Wobei man im Moment noch nicht genau weiß, welche Varianten im Winter in Deutschland dominieren werden.

Bisher ist in der EU noch kein Impfstoff zugelassen, der auch auf Varianten des Coronavirus zielt. Bei der EU-Arzneimittelbehörde EMA laufen jedoch aktuell Prüfverfahren für auf die Omikron-Variante angepasste Corona-Impfstoff des US-Herstellers Moderna sowie von BioNTech/Pfizer. Wie lange die Prüfungen dauern werden, ist nicht bekannt. Eine Zulassung wird frühestens im September erwartet, auch weil die Hersteller in Studien an Menschen nachweisen müssen, dass das maßgeschneiderte Vakzin einen echten Vorteil bringt.

Ich hatte schon Corona, bin ich auch vor BA.5 geschützt?

Die BA.5 Variante kann dem Immunsystem besser ausweichen und selbst eine Infektion mit einem anderen Omikron-Subtypen schützt nicht wirklich vor einer Ansteckung mit BA.5. Hinzu kommt, dass gerade mindestens zwei Omikron-Varianten im Umlauf sind. Diese seien unterschiedlich genug, sodass man sich kurz nacheinander mit beiden anstecken könnte, warnt der Immunologe Carsten Watzl.

Die gute Nachricht: Sowohl die Impfung als auch die Immunität nach Infektion schützen langfristig vor einem schweren Verlauf. Denn neben den Antikörpern bildet der Körper dann sogenannte T- und B-Zellen gegen den Erreger. Die sind sehr viel langlebiger als Antikörper - zum Teil bleiben sie ein Leben lang erhalten.

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Wer bekommt jetzt noch kostenlose Corona-Tests?

Kostenlose Corona-Tests - etwa für den Besuch von Familienfesten oder bei Warnungen auf der Corona-App - wird es ab 30. Juni nicht mehr geben. Ein Entwurf für die neue Testverordnung des Bundes sieht vor, dass dann bei Corona-Bürgertests eine Eigenbeteiligung von drei Euro fällig wird. Gratis bleiben sollen sie aber für:

  • Kinder bis fünf Jahre
  • Schwangere in den ersten drei Monaten
  • Krankenhaus- und Pflegeheimbesucher
  • Haushaltsangehörige von Infizierten und Infizierte selbst
  • Bewohner von Einrichtungen der Eingliederungshilfe
  • alle, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können

Wie soll das in der Praxis funktionieren?

Noch liegt keine finale Fassung der Testverordnung des Bundes vor. Und auch wenn es Argumente dafür gibt - von denen, die das praktisch umsetzen sollen, gibt es einiges an Kritik: "Wer soll das an der Teststation denn eigentlich kontrollieren", fragt sich beispielsweise Alfons Endlein, Betreiber von Corona-Teststationen in Trier. "Sollen meine Mitarbeiter dann die Menschen abfragen, ob sie ihre Großmutter im Altenheim besuchen wollen oder schwanger sind?"

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Auch nach dem Ende der kostenlosen Corona-Schnelltests werden viele Betreiber ihre Testzentren offen halten. Die Kunden müssen sich aber auf Änderungen einstellen.  mehr...

Auch der Deutsche Hausärzteverband hat die künftigen Regeln für Corona-Bürgertests kritisiert. Die Pläne seien ein Bürokratiemonster mit zum Teil haarsträubenden Regelungen, sagte der Vorsitzende Ulrich Weigeldt. Dass Patienten im Zweifel voraussichtlich in einer Art Selbsterklärung Angaben dazu machen sollten, führe zu Zettelwirtschaft, vielen Nachfragen und Unklarheiten. Dass Praxen außerdem so gezwungen würden, eine Barkasse einzurichten und für manche Tests drei Euro zu kassieren, könne eigentlich nur ein Scherz sein, sagte Weigeldt.

Weniger Testzentren in RLP - wo kann ich mich weiter testen lassen?

Drive-In-Tests, Testzentren auf Parkplätzen, in Apotheken oder Arztpraxen - an den unterschiedlichsten Orten können sich Menschen in Rheinland-Pfalz auf Corona testen lassen. Zurzeit gibt es landesweit noch 1.958 Teststationen (Stand 28. Juni). Eine Übersicht finden Sie online in einer Tabelle beim Land Rheinland-Pfalz oder direkt hier:

Anfang März war der Höchststand mit knapp über 3.200 Teststellen erreicht. Das zuständige Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung (LSJV) geht davon aus, dass sich die Anzahl der Teststellen infolge der neuen Testverordnung weiter reduzieren wird. Bereits seit dem 1. April können in Rheinland-Pfalz keine Anträge zur Neuregistrierung und Erweiterung von Teststellen mehr eingereicht werden.

Neue Maßnahmen im Herbst: Kommt die Maskenpflicht zurück?

Um sich auf den Herbst und Winter vorzubereiten, hat die rheinland-pfälzische Landesregierung am Dienstag mit einem Corona-Expertenteam aus Medizinern, Virologen und weiteren Wissenschaftlern gesprochen. Neben den Corona-Infektionen rechnen die Experten laut Mitteilung im kommenden Herbst und Winter mit einer hohen Zahl an Grippepatienten, sollte es nicht wieder zu flächendeckender Maskenpflicht kommen. Auch Bundesgesundheitsminister Lauterbach hält bei der Überarbeitung des Infektionsschutzgesetzes eine Maskenpflicht in Innenräumen ab Herbst für geboten.

Ein Mund-Nasen-Schutz muss derzeit im Alltag vor allem noch im medizinischen Bereich, also etwa in Arztpraxen und Krankenhäusern sowie in Alten- und Pflegeheimen und anderen Einrichtungen für gefährdete Gruppen sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln verpflichtend getragen werden. Beim Einkaufen sowie in Restaurants und Kneipen gilt die offizielle Pflicht dagegen nicht mehr.

So laufen die weiteren Vorbereitungen für den Herbst

Keiner weiß mit letzter Sicherheit, wie sich die Corona-Situation im Herbst und Winter entwickeln wird. Je nach Pandemieverlauf muss unterschiedlich reagiert werden. Der Corona-Expertenrat der Bundesregierung sieht drei mögliche Szenarien beziehungsweise Gefahrenstufen und hat entsprechende Vorschläge entwickelt:

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Besser auf den Herbst vorbereitet sein als in den vergangen Jahren, das wünschen sich viele. Der Corona-ExpertInnenrat der Bundesregierung hat Vorschläge entwickelt, wie das gehen kann.  mehr...

Die Gesundheitsministerinnen und -minister von Bund und Ländern haben außerdem für Freitag, 1. Juli, eine Sonderkonferenz anberaumt. Bis dahin soll auch der Bericht eines Sachverständigenausschusses zur Beurteilung bisheriger Pandemie-Maßnahmen vorgelegt werden. Danach wird wohl klarer sein, mit welchen Maßnahmen Bund und Länder in den Corona-Herbst gehen wollen. Die aktuellen Corona-Bestimmungen im Infektionsschutzgesetz laufen am 23. September aus.

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Das Landesuntersuchungsamt meldet für Donnerstag 3.812 neue bestätigte Corona-Fälle in Rheinland-Pfalz, zehn weitere Menschen sind im Zusammenhang mit einer Infektion gestorben.  mehr...

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Nach zwei Jahren Corona-Pandemie sind am 3. April die meisten Regeln und Schutzmaßnahmen in Rheinland-Pfalz weggefallen, zum 29. Mai traten weitere Lockerungen in Kraft. Seit 30. Juni sind Corona-Schnelltest nur noch für bestimmte Personengruppen kostenlos. Was wieder erlaubt ist und wo es noch Einschränkungen gibt.  mehr...

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Ihr Corona-Impfzertifikat ist nur noch 4 Wochen lang gültig. So oder so ähnlich lauten die Meldungen der Corona-Warn- oder der Cov-Pass-App, die demnächst vielen ein Jahr nach der letzten Impfung angezeigt werden. Und jetzt?  mehr...

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SWR