Mit dem Bus in die Berge, Ski anschnallen und ab in den Schnee - für Schülerinnen und Schüler ist das im Winter längst nicht mehr so selbstverständlich wie früher. Die Skigebiete sind für Eltern oft zu teuer. Einige Schulen streichen Wintersporttage und Skiausfahrten aber auch aus ökologischen Gründen. Der Skilehrerverband findet diese Entwicklung problematisch.
Sportlehrerin Julia Heller: "Erlebnis in der Gruppe ist wichtig"
Sport an der frischen Luft sei für die Schülerinnen und Schüler besonders wichtig, sagt Sportlehrerin Julia Heller vom Anna-Essinger-Gymnasium in Ulm. "Es gibt aber einen Unterschied, ob ich im Sommer auf einer Tartanbahn laufe oder im Winter bei minus 15 Grad Ski fahre", erklärt sie. Das Gymnasium im Ulmer Westen hat einen Sport-Zug. Skifahren im Allgäu oder im Zillertal gehören hier seit jeher dazu. Daran wird auch nicht gerüttelt, obwohl auch hier die Kosten gestiegen sind.
Beim Skifahren würden die Schüler nicht nur viele Dinge wie die Risikoeinschätzung lernen. "Als Schüler erfahre ich mich auch körperlich in der Kälte. Auch das Erlebnis in der Gruppe ist wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung", erklärt die Sportlehrerin.

Skilehrerverband: "Outdoorsport jedem Kind ermöglichen"
Dass Schulen immer häufiger Skiausflüge streichen, sei laut Valentin Kiedaisch vom Deutschen Skilehrerverband in Baden-Württemberg eine "beängstigende Situation". Dass nur noch rund 30 Prozent der Schüler überhaupt Skifahren könne, hänge auch damit zusammen. "Eigentlich sind wir in Baden-Württemberg bergnah und wintersportaffin", kritisiert Kiedaisch.
Es gebe zahlreiche Gründe, wieso einige Schulen Skiausfahrten streichen. "Aus Sicht eines Skilehrers ist es aber sehr schade. Diese einmalige Erfahrung von Outdoorsport sollte man chancengleich jedem Kind ermöglichen", so Kiedaisch.
Es müsse für Schüler nicht gleich ein Exklusiv-Skigebiet in den Zentralalpen sein, so Kiedaisch. "Es gibt auch kleinere Skigebiete, wo man das mal tageweise machen kann." Es gehe neben dem Erlernen des Skifahrens noch viel mehr um andere Dinge. "Das sind diese Gleiterfahrungen, das ist dieses Naturerlebnis, was wir sonst in der Stadt einfach nicht vermitteln können."
Humboldt-Gymnasium: Kein Skilager wegen Sicherheitsvorschriften
Einige Schulen, wie das Humboldt-Gymnasium in Ulm, bieten seit 2017 keine Skiausflüge mehr an. "Die Sicherheitsvorschriften sind einfach zu hoch für uns", sagt Philipp Stumpf, Fachschaftsleiter Sport an der Schule. Früher konnte man Schüler zu dritt fahren lassen. Heute brauche es eine verstärkte Hangaufsicht. "Die Lehrer müssten sich dauerhaft verteilt an den Hang stellen. Das ist personell gar nicht umsetzbar für unsere Schule." Er finde die Entwicklung schade, aber vielleicht ist das Skifahren sowieso auch "einfach nicht mehr so zeitgemäß", so der Sportlehrer. Dazu kommen die gestiegenen Kosten für einen solchen Skiausflug.
Tatsächlich ist "Fahren, Rollen, Gleiten" als "inhaltsbezogene Kompetenz" im Bildungsplan gesetzt. Dazu zählt auch das Skifahren. Um das auszugleichen, will Philipp Stumpf als Alternative für den Sportunterricht Tretroller anschaffen, mit denen in der Turnhalle gefahren werden kann. Außerdem gebe es an der Schule mehr Sportangebote im Sommer.
Skipiste trotz Klimawandel Lohnt es sich noch, dass Kinder am Feldberg Skifahren lernen?
Auf die Bretter, fertig, los: Rund um den Feldberg gehört Skifahren zum Winter wie die Fichten zum Schwarzwald. Doch das wird in Zukunft nicht mehr so sein wie in den vergangenen Jahrzehnten.
Kultusministerium: Planung von Skilagern Sache der Schulen
"Natürlich kann man das auch durch Inlineskaten oder Fahrradfahren abbilden, aber das ist schon grundsätzlich ein anderes Erlebnis", merkt Skilehrer Valentin Kiedaisch an. Auch im Kultusministerium erkennt man den Trend zum weniger Skifahren. "Die Planung und Durchführung von Klassenfahrten wie Skilagern bzw. Skischullandheimen liegt in der Zuständigkeit der jeweiligen Schulen", teilt das Ministerium schriftlich mit.
Es liege auf der Hand, dass sich der gesellschaftliche Trend zu weniger Skifahren auch an den Schulen bemerkbar mache. "Die gestiegenen Preise und eine erhöhte Sensibilisierung für den Klimawandel tragen zu diesem Trend bei", so eine Sprecherin des Ministeriums.
Kommentare (4)
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Die gestiegene Sensibilisierung für gewisse Hobbies und Verhaltensweisen in puncto Umweltverträglichkeit ist allgemein eine gute Sache. Dass beispielsweise Schulen in Norddeutschland überlegen, inwiefern Skilager sinnvoll sind, ist also verständlich. Für Ulmer Schulen ist diese Frage weniger relevant. 1 Stunde Busfahrt (wie viele Exkursionen)entfernt gibt es kleine Skigebiete für Anfänger und Fortgeschrittene, wo man einen "Wintersporttag" machen kann, also z. B. auch Langlauf oder Schneeschuhwandern. Es gibt ja auch Vorteile: Natursport ist in der Tat etwas ganz anderes als ein Teamsport auf kleinem Platz mit all seinen Regeln. Kleine Gebiete freuen sich über mehr Auslastung unter der Woche. Mit Vor- und Nachbereitung kann man hier auch Bewusstsein für regionalen Tourismus schaffen. Die gestiegenen (Sicherheits)anforderungen seitens des KM sind m. E. ein großer Grund für den Rückgang.
Bei uns früher war der Skiausflug bereits in der AG angelegt. Da ging also auch nur hin, wer sowieso schon eine Verbindung zum Skifahren hatte - nicht die ganze Klasse / Jahrgangsstufe. Muss man Skifahren extra fördern? Wer nicht nahe einem Skigebiet wohnt (oder besonders skibegeistert ist), fährt 2-3 Mal im Jahr Ski. Das ist dann auch nur ein Beitrag zur Fitness, wenn man vorbereitend regelmäßig Skigymnastik macht. Dann vielleicht lieber Sportarten fördern, die ganzjährig möglich sind. Und vielleicht welche, wo man keine Berghänge für planieren muss.
Ich habe 2011 meinen Realschulabschluss in Baden-Württemberg gemacht und schon damals war ein Ski-Ausflug leider überhaupt kein Thema in der Schule. Interessant wäre es bestimmt gewesen und auch deutlich sinnvoller als der sonstige Sportunterricht. Ich würde es begrüßen, wenn an Schulen der Fokus in Sport wieder mehr auf Skifahren, Schwimmen, Tennis und andere Randsportarten gelegt werden würde anstatt auf so einen Quatsch wie die Bundesjugendspiele, die zumindest bei mir damals sowieso die halbe Klasse geschwänzt hatte...
Auch unsere Schule (Region Karlsruhe) verabschiedet sich immer mehr von Wintersportaktivitäten ebenso wie etwa von Wandertagen. Grund dafür sind zum einen die völlig überzogenen Sicherheitsvorschriften des Kultusministeroums, zum anderen hysterische Eltern, die panische Angst haben, ihren Kindern könnte beim Skifahren oder Schlittschuhlaufen oder auch beim Wandern etwas passieren.