Ein Mäppchen liegt aufgeschlagen mit vielen Stiften darin auf einem Schulpult, während ein Schüler im Hintergrund in sein Heft schreibt. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sven Hoppe | Collage: SWR)

Personalnot in der Schule

Schulleiter: Lehrermangel 2022 "besonders auffällig"

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Schulen leiden unter Personalnot. Das ist nicht neu. Es sei aber besonders auffällig in diesem Jahr, berichtet ein Schulleiter aus Ditzingen.

Die Schulen in Baden-Württemberg leiden weiter unter einem eklatanten Lehrermangel. Die Unterversorgung an ausgebildetem Personal bestehe zwar bereits seit langem, sei in diesem Jahr aber besonders gravierend, berichtet der Schulleiter der Theodor-Heuglin-Gemeinschaftsschule in Ditzingen, Jörg Fröscher, im Gespräch mit SWR Aktuell.

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SWR Aktuell: Wie sieht es denn bei Ihnen an der Schule aus?

Jörg Fröscher: Die Situation ist eigentlich so, wie in der gesamten Gesellschaft. Wir haben Energiekrise, wir haben Corona, wir haben Ukraine-Krieg und jetzt kommt ganz massiv hinzu, dass wir einen riesigen Mangel an Lehrkräften haben. Das ist in diesem Schuljahr ganz besonders auffällig. Es war schon in den vergangenen Schuljahren immer wieder der Fall, dass Schulen nicht ordentlich versorgt werden konnten, aber in diesem Schuljahr ist es wirklich so weit, dass eigentlich ein geregelter Unterricht an vielen Schulen nicht mehr möglich ist - auch hier bei uns.

SWR Aktuell: Was ist denn die Ursache dieses Problems?

Jörg Fröscher: Die Ursache des Lehrermangels liegt, glaube ich, schon eine Weile zurück – vor zehn, zwölf Jahren. Da kamen über das Statistische Landesamt Zahlen, die ausgesagt haben, die Schülerzahlen würden sinken. Das ist allerdings nicht eingetreten. Trotzdem hat man Lehrerstellen heruntergefahren. Man hat Studienplätze gekürzt und mit diesen Auswirkungen leben wir heute. Man hat versucht, umzusteuern, aber man muss wissen, dass das nicht von heute auf morgen geht. Die Ausbildung einer Lehrkraft dauert heutzutage mindestens sechs Jahre.

Das bedeutet ganz einfach: Wir werden auch in den nächsten Jahren mit diesem Mangel leben müssen. Dann kommt noch hinzu, dass man immer mehr Aufgaben auf die Schulen verteilt hat - ich erinnere nur an zwei Beispiele, nämlich das Thema Inklusion und das Thema Ganztagesschulen. Hier werden Lehrkräfte zusätzlich gebraucht. Wir können also nicht nur damit rechnen, dass wir Ersatz brauchen für die Lehrkräfte die ausscheiden, sondern wir brauchen noch mehr Lehrkräfte und wenn ich an meine Eingangsbemerkungen erinnern darf: Wir haben eine ganz große Anzahl an Schülerinnen und Schülern aus der Ukraine hier bei uns an der Schule und auch hierfür brauchen wir mehr Lehrkräfte.

SWR Aktuell: Wo sollen die herkommen, also welchen Lösungsvorschlag haben Sie an die Kultusministerinnen und Kultusminister gerichtet?

Jörg Fröscher: Es gibt keine einfachen Lösungen. Was wir jetzt auf jeden Fall brauchen, ist ein vereinfachter Weg, wie wir weiteres Personal gewinnen können. Das bedeutet auch, obwohl es mir selbst als Schulleiter natürlich wehtut, dass wir Personal requirieren müssen, das vielleicht nicht ganz so pädagogisch ausgebildet ist wie ein Regelschullehrer. Das ist eine Möglichkeit.

Die zweite Möglichkeit - die allerdings erst in den kommenden Jahren wirken wird: Meiner Meinung nach muss man massiv die Studienplätze an den Pädagogischen Hochschulen ausbauen. Die Schulen werden in Zukunft immer mehr Lehrkräfte brauchen. Da muss man auch den Lehrerinnen- und Lehrerberuf attraktiver machen. Ich denke hier besonders an die Frage der Grundschullehrkräfte. Die Grundschullehrkräfte arbeiten mit den meisten Deputatsstunden und haben die geringste Bezahlung. Das ist einfach nicht mehr attraktiv.

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