Baby-Füße eines 10 Tage alten Kindes in Stuttgart auf einer Decke (Foto: IMAGO, imago/imageBROKER/MichaelxWeber)

Baby-Boom im zweiten Pandemiejahr

Geburtenrate in BW so hoch wie vor 50 Jahren: Alb-Donau-Kreis auf Platz eins

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1,63 Kinder bringt eine Frau in Baden-Württemberg im Schnitt zur Welt. Das ist die höchste Geburtenrate seit 50 Jahren. In einem Kreis waren es sogar fast zwei Babys pro Frau.

Im zweiten Pandemiejahr 2021 sind sowohl die Zahl der Neugeborenen als auch die Geburtenrate im Land gestiegen. Das teilte das Statistische Landesamt am Donnerstag in Stuttgart mit. Wie der SWR bereits im Mai erfuhr, war die Geburtenzahl im vergangenen Jahr so hoch wie zuletzt 1997. Die Geburtenrate, die die Zahl der Babys pro Frau beschreibt, stieg sogar auf einen Höchstwert innerhalb der letzten 50 Jahre.

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Höchste Geburtenzahl seit 1997 in BW: Regional große Unterschiede

Insgesamt sind im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg 113.534 Kinder lebend geboren worden. Das letzte Mal war der Wert vor fast 25 Jahren so hoch. Mit der Zahl von 2021 setzt sich ein Trend fort, der seit 2011 in Baden-Württemberg sichtbar ist: Es gibt - laut dem Statistischen Landesamt vor allem wegen der Zuwanderung - immer mehr Geburten im Land. Im ersten Pandemiejahr 2020 wurde dieser Trend gebrochen, im zweiten Pandemiejahr allerdings nicht mehr.

Regional hängt der Wert auch mit der Bevölkerungszahl zusammen, wodurch der hohe Wert in der baden-württembergischen Landeshauptstadt erklärbar ist: In Stuttgart sind 2021 6.748 Kinder lebend geboren worden. Darauf folgen die Kreise Ludwigsburg, Esslingen und der Rhein-Neckar-Kreis.

Höchste Geburtenrate seit 50 Jahren: Alb-Donau-Kreis vorne, Heidelberg auf letztem Platz

Wenn es darum geht, wie viele Babys eine Frau im Schnitt bekommt, sind andere Kreise jedoch vorne: Während Stuttgart hier zum Beispiel an viertletzter Stelle steht, ist der Alb-Donau-Kreis auf Rang eins. Dort werden Frauen laut den Werten durchschnittlich zweifache Mutter: Die Geburtenrate liegt bei 1,99. Darauf folgen die Kreise Tuttlingen und Rottweil (je 1,91) sowie Calw (1, 89) und Pforzheim (1,87).

Dass auf den letzten Rängen Stuttgart (1,32), Karlsruhe und Freiburg (je 1,31) sowie Heidelberg (1,1) stehen, ist laut den Statistikerinnen und Statistikern ein typisches Phänomen:

"Auffällig ist weiterhin ein traditionelles, wenn auch nicht mehr flächendeckendes 'Land-Stadt-Gefälle'."

In Heidelberg leben demnach besonders viele junge Frauen, die studieren oder am Anfang ihres Berufslebens stehen und ihren Fokus eher darauf setzen als auf Familienplanung. Weiter heißt es von den Statistik-Fachleuten: "Tendenziell gilt, dass mit steigendem Bildungsniveau der Frauen die Zahl der geborenen Kinder abnimmt."

Während der Pandemie haben immer mehr Frauen ihre Kinder außerhalb von Kliniken zur Welt gebracht. In Ulm könnte die Umgebung in den Kliniken nun allerdings ein Grund für die Geburt im Kreißsaal sein, wie dieses Video aus dem Mai zeigt:

Video herunterladen (3,7 MB | MP4)

Gründe für Anstieg vielfältig

Ein Grund für den Anstieg bei der Geburtenrate ist laut dem Statistischen Landesamt, dass zugewanderte Frauen aus Ländern mit einer traditionell hohen Geburtenrate kommen. Zudem spiele die wirtschaftliche Situation eine Rolle. Krisenzeiten beeinflussten allerdings häufig die Familienplanung, dann kämen weniger Babys zur Welt. "Insofern ist es bemerkenswert, dass die Geburtenrate im zweiten Jahr der Pandemie nochmals deutlich und sogar auf den höchsten Wert seit 1972 angestiegen ist." Auf den Geburtsstationen machte die Pandemie auch Hebammen Sorgen.

Wettstreit um Plätze in der Grundschul-Ganztagesbetreuung?

In fünf Jahren, wenn die meisten der Neugeborenen von 2021 eingeschult werden, könnte die hohe Geburtenzahl zum Problem werden: Die Ganztagesbetreuung in Grundschulen kann dann laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung trotz rechtlichem Anspruch nicht für jedes Kind gewährleistet werden. Grund dafür ist insbesondere der Fachkräfte-Mangel. Laut Gemeindetag fehlen aber bereits heute die benötigten Fachkräfte an den Kitas. Der Rechtsanspruch an Ganztagsschulen drohe den Fachkräftemangel nun erheblich zu verschärfen.

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Heute hält das Statistische Landesamt die verbesserte Kinderbetreuung im Land allerdings für einen weiteren Grund für die steigende Geburtenrate, weil dies die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert habe.

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