Schüler sitzen an Tischen im Klassenraum (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Philipp von Ditfurth)

Lehrkräfte aus dem Regierungsbezirk berichten über ihre Erfahrungen

Schulunterricht für Kinder aus der Ukraine in Tübingen

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Tausende geflüchtete Kinder aus dem Kriegsland Ukraine werden im Regierungsbezirk Tübingen unterrichtet. Für die Lehrkräfte ist das oft eine besondere Herausforderung.

Die ukrainischen Schüler nehmen laut Regierungspräsidium Tübingen zum Teil digitalen Unterricht aus ihrem Heimatland wahr, andere gehen hier auf die Schule. Und da kommen viele kulturelle und sprachliche Schwierigkeiten auf alle Beteiligten zu, berichten die Lehrerinnen und Lehrer der rund 750 Schulen im Regierungsbezirk Tübingen. Die Integration der ukrainischen Kinder ins deutsche Schulsystem sei hart.

Jedes Kind hat einen eigenen Stundenplan

Und viele Jungs wollen derzeit kein Deutsch lernen, erzählt Gymnasiallehrerin Silvana Weitz. Das habe unterschiedliche Gründe. Einige leiden zum Teil sehr darunter, dass der Vater noch in der Ukraine sei. Es seien belastete Kinder, so Weitz. Sie hat für jedes ukrainische Kind, momentan sind es 15, einen eigenen Stundenplan entwickelt. Mit vielen Stunden Deutsch als Fremdsprache, aber auch Sport- und Matheunterricht, damit sie den Anschluss an die deutschen Schülerinnen und Schüler nicht verlieren.

Kulturelle Schwierigkeiten im Klassenraum

Auch Lehrerin Karin Schur-Neugebauer, die aus der Pension an die Schule zurückgekehrt ist, berichtet von kulturellen Schwierigkeiten. Eine ukrainische Schülerin sei zum Beispiel mal aus dem Unterricht gestürmt, weil sie unbedingt mit ihrem Handy mit ihrer Mutter telefonieren wollte. So etwas sprenge natürlich den Unterricht, so Schur-Neugebauer.

Viele Familien planen die Rückkehr ins Heimatland

Das Problem: Die Gepflogenheiten und das Schulsystem in der Ukraine sind anders. Nataliya Soultanian kommt aus der Ukraine und lebt seit 25 Jahren in Deutschland. Mittlerweile leitet sie das "Forum Frühkindliche Bildung" des Landes Baden-Württemberg. Sie weiß, dass Kinder in der Ukraine schon früh an Digitalisierung herangeführt werden. Die Kinder bekämen zum Beispiel schon mit sechs, sieben Jahren ein Handy. Der Gebrauch von Handys im Schulunterricht sei in der Ukraine mehr verbreitet als in Deutschland. Viele Familien planen ohnehin schon ihre Rückkehr in die Heimat. Je nachdem, wie sich die Kriegslage entwickelt, geht Soultanian davon aus, dass dann viele Familien wieder zurückgehen.

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