Unterstützen bei Schwangerschaft und Geburt: So herausfordernd ist der Beruf Hebamme

STAND
MODERATOR/IN
Nicole Köster
SWR1 Leute-Moderatorin Nicole Köster (Foto: SWR)

Sie werden schlecht bezahlt, aber dringend benötigt. Jutta Eichenauer erzählt wieso Hebamme trotzdem mehr Berufung als Beruf ist und wie eine Versorgung sichergestellt werden kann.

Audio herunterladen (33 MB | MP3)

Die Verantwortung, die Hebammen tragen, ist groß. Während der Schwangerschaft, bei der Geburt und im Wochenbett.

Das Berufsbild Hebamme hat sich verändert

Mutter und Kind werden heute sehr früh aus der Klinik entlassen. Hebammen müssen mehr präsent sein, auch in der Schwangerschaftsvorsorge, da viele Frauen verunsichert sind - auch wegen der vielen Informationen im Internet. Und: Hebammen bekommen mehr Anfragen, als sie erfüllen können. Frauen müssen mitunter 20 bis 40 Hebammen anfragen, bis sie eine Hebamme zur Betreuung finden.

»Ich hatte einmal einen - gottseidank humorvollen - Mann am Telefon, der sagte: "Wissen Sie was? Das nächste Mal suchen wir uns erst eine Hebamme und dann werden wir schwanger".«

Video herunterladen (103,9 MB | MP4)

Zum Vergleich: früher war die Regel, dass sich Schwangere spätestens in der 16sten Woche melden sollen. Mittlerweile, so die Erfahrung von Jutta Eichenauer, rufen die Frauen sie schon an, wenn sie einen positiven Schwangerschaftstest haben - teils noch bevor der Mann erfährt, dass er Vater wird. Ihr Rat: es trotz der - durchaus häufigen - Absagen immer wieder zu versuchen und auch auf gängigen Hebammen-Portalen wie dem für Baden-Württemberg nach einer Hebamme suchen.

Hebammen Mangel kein neues Problem

Die Bezahlung von Hebammen ist schlecht, beklagt Jutta Eichenauer, viele Ihrer Kolleginnen arbeiten zudem an oder über der Burnout-Grenze. Auch, weil sie die ihnen anvertrauten Frauen im derzeitig überfordernden System trotzdem gut und verantwortungsbewusst begleiten wollen. Es scheint, so vermutet sie, dass aktuell die Zahl der Hebammen zwar leicht steigt, aber das würde erst einmal nichts bedeuten:

»Wir müssen uns aber fragen: steigt die Zahl der Hebammen-Leistungen? [Oder] sind das [nur] mehr Hebammen, die [aber] ihre Leistungen in einem geringen Umfang anbieten, denn kaum eine Kollegin bietet ihre Leistung zu 100 Prozent an.«

"Gebärende, Kind und Familie muss wieder im Mittelpunkt stehen"

Ein Großteil der angestellten Hebammen seien, so Eichenauer, zusätzlich noch freiberuflich tätig. Deren Hebammen-Leistungen fehlten dann, um den Bedarf zu decken. Und: Hebammen hätten immer noch zu viele Aufgaben zu erledigen, die nicht in ihrem Bereich liegen. Da wünscht sich Jutta Eichenauer Assistenz-Personal, damit sich die Hebammen wieder ganz auf Mutter, Kind und die Familie konzentrieren kann.

Erlebnisse der SWR1 Hörerinnen zeigen Bedarf und Unterschiede

Geht eine Gebärende heute in eine Klinik, dann unterschreibt sie damit, dass der Arzt zur Geburt kommt - egal, ob es notwendig ist oder nicht. So beschreibt Jutta Eichenauer unser heutiges System. Eine Erfahrung, die auch SWR1 Hörerin Doro in einer Mail ins Leute-Studio schilderte.

»Bei meinem dritten Kind musste ich die Presswehen so lange aushecheln, bis der Arzt da war. Unsere Tochter wohnt im Norden, hat dort ihre vier Kinder bekommen: dort kommt der Arzt erst, wenn es Komplikationen gibt. Sonst werden die Mütter nur von Hebammen betreut.«

Auf die Erfahrung der Tochter von SWR1 Hörerin Doro reagiert Eichenauer klar und deutlich - das sei das System, das wir mehr bräuchten: einen Hebammen-geleiteten Kreißsaal oder ein Belegsystem, das Ärzt:innen nur auf Zuruf hinzuzieht.

»Ich möchte meine Kolleginnen alle loben für das Durchhaltevermögen und die Leidenschaft, mit der sie bei der Arbeit sind.«

Schwäbisch Hall

Hebamme aus Schwäbisch Hall: "Arbeitsbedingungen sind miserabel"

Der Beruf der Hebamme ist besonders schön, aber auch außergewöhnlich hart und oft schlecht bezahlt, kritisiert der Verein "Guter Anfang".  mehr...

Haftpflichtversicherung macht Hebamme Sandra Probleme

Sandra aus Tailfingen liebt ihren Beruf: Hebamme. Doch wie viele andere kann die Freiberuflerin keine Geburten begleiten, da die Haftpflichtversicherung einfach zu hoch ist.  mehr...

Rose ist Nonne und Hebamme

Als Rose beschloss, Nonne zu werden, waren ihre Eltern erst alles andere als begeistert. Aber die Nigerianerin setzte sich durch.  mehr...

People Are People SWR1 Leute

Zwei Stunden Zeit für ein Gespräch mit Menschen, die im Mittelpunkt stehen, die Herausragendes leisten oder einfach eine spannende Lebensgeschichte haben.  mehr...

Archiv: Sendungen des letzten Jahres SWR1 Leute von A bis Z

365 Tage SWR1 Leute zum Nachhören und Nachsehen. Interessante Gäste aus aller Welt immer zwei Stunden im Gespräch zu spannenden Themen, die ihr Leben bewegt.  mehr...

Archiv: Die letzten 120 Sendungen SWR1 Leute nach Datum

Drei Monate voll mit interessanten Gesprächen und Lebensgeschichten: Die letzten 120 SWR1 Leute-Sendungen im Überblick  mehr...