Gutachter im Amok-Prozess am Landgericht Trier (Foto: SWR)

Mutmaßlicher Amokfahrer von Trier vermindert schuldfähig

Amokprozess: Gutachter empfiehlt Unterbringung in Psychiatrie

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Der mutmaßliche Amokfahrer von Trier ist einem psychiatrischen Gutachten zufolge vermindert schuldfähig. Das sagte der Gutachter am Mittwoch im Prozess vor dem Landgericht Trier.

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Der Angeklagte leide an einer paranoiden Schizophrenie, die seine Steuerungsfähigkeit bei der Tat eingeschränkt habe, sagte der Sachverständige Wolfgang Retz am Mittwoch vor dem Landgericht Trier.

"Wenn eine solche ernsthafte Störung nicht behandelt wird, kann das eine massive Sprengkraft entfalten. Der Mann ist eine Gefahr für sein Umfeld."

Gutachter im Amok-Prozess am Landgericht Trier (Foto: SWR)
Zweimal hat der Sachverständige Wolfgang Retz den mutmaßlichen Amokfahrer in der Untersuchungshaft besucht. Die Gespräche hätten jeweils mehrere Stunden gedauert. Nach dem zweiten Treffen hätte der Angeklagte weitere Gespräche mit ihm abgelehnt, sagte Retz vor Gericht.

Bizarrer Wahn: Angeklagter sieht sich als Opfer eines Komplotts

Bei dem 52-Jährigen sei ein "bizarrer Wahn" festzustellen. Er sehe sich als Opfer "eines groß angelegten Komplotts des Staates". Dieser Zustand habe sich über die Jahre verstärkt.

Der Angeklagte habe zuletzt geglaubt, er werde von Videokameras überwacht und abgehört. Die Mikrofone befänden sich in der Lüftung seines Autos.

"Der Wahn schränkt seine Entscheidungsfreiheit ein. Er weiß sicher, dass man niemanden töten darf. Aber der Wahn treibt ihn dazu."

Erst Therapie dann Haftstrafe

Sollte das Gericht dem Gutachter folgen, wird der Angeklagte bei einem Schuldspruch, zunächst in eine psychiatrische Einrichtung für Straftäter kommen.

Wird er dort tatsächlich geheilt, muss er danach seine Strafe in einem normalen Gefängnis absitzen. Gutachter Wolfgang Reitz geht allerdings davon aus, dass eine Therapie sehr lange dauern wird.

"Im Moment will er sich nicht behandeln lassen, sieht auch nicht ein, dass er krank ist. Bei der Schwere der Krankheit kann eine Therapie sehr sehr lange dauern. Falls er überhaupt geheilt wird."

Trier

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Im Prozess um die Trierer Amokfahrt hat am Mittwoch die Gefängnispsychologin des Angeklagten ausgesagt. Sie gab ein umfassendes Bild von der Persönlichkeit des Mannes.  mehr...

Am vorherigen Verhandlungstag hatte bereits eine Gefängnispsychologin aus der Justizvollzugsanstalt Wittlich ausgesagt. Sie hatte den Angeklagten als "misstrauischen und argwöhnischen Mann" beschrieben. "Er glaubt, dass oft Dinge getan werden, um ihn zu schikanieren oder zu ärgern".

Gutachten soll Richtern bei Entscheidung über Unterbringung helfen

Die Anklage wirft dem mutmaßlichen Amokfahrer von Trier fünffachen Mord und versuchten Mord in 18 weiteren Fällen vor. Der Angeklagte soll im Dezember 2020 in der Trierer Innenstadt fünf Menschen überfahren und getötet haben. Viele weitere wurden an jenem Tag verletzt. Das Tatmotiv ist bislang unklar.

Das Gutachten soll den Richtern die Entscheidung darüber ermöglichen, ob der Angeklagte ins Gefängnis kommt oder in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird.

Angeklagter schweigt seit Prozessbeginn zu den Vorwürfen

Der gelernte Elektroinstallateur hatte zum Prozessbeginn erklärt, er wolle sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Daran hat er sich bis heute gehalten - und dazu geschwiegen. Laut Anklage war der Deutsche zur Tatzeit alleinstehend, arbeitslos, ohne festen Wohnsitz und durch seine persönlichen Lebensumstände frustriert.

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