Der Hauptmarkt in Trier am Tag der Amokfahrt (Foto: SWR)

Prozess vor dem Landgericht Trier

Zeuge der Amokfahrt: "Das Auto raste heran wie ein Tsunami"

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Im Prozess um die Trierer Amokfahrt sagten am Dienstag Zeugen aus, was sie am 1. Dezember 2020 am Hauptmarkt erlebten und wie ein 45-jähriger Mann und sein Baby getötet wurden.

Die 61-jährige Zeugin weiß bis heute nicht, wem sie ihr Leben verdankt. Eine unbekannte Frau habe sie an jenem 1. Dezember 2020 ruckartig zur Seite gezogen, als sie in der Fußgängerzone den Amokfahrer heranrasen sah.

"Ich war selbst wie versteinert und bin stehen geblieben. Aber ich hatte einen Schutzengel und würde mich gerne dafür bedanken", sagte sie am Dienstag vor Gericht. In einem Geschäft nahe dem Hauptmarkt habe sie sich damals in Sicherheit gebracht.

Ähnlich ging es auch einem 26-jährigen Zeugen, der vom Hauptmarkt in Richtung Viehmarkt unterwegs war. Er habe die Situation instinktiv erfasst und sei in ein Geschäft geflüchtet. "Wenn ich stehen geblieben wäre, hätte es für mich anderes ausgesehen."

Familie war beim Bummeln und völlig arglos

Als die beiden Zeugen in Sicherheit waren, hatte der Geländewagen längst den Hauptmarkt erreicht. Ein 69-Jähriger und seine Frau sahen mit an, was dann passierte: Eine Familie mit zwei kleinen Kindern ging arglos in Richtung Hauptmarkt.

Der Angeklagte ließ seine Verteidiger am Dienstag mitteilen, dass er fröstele und der Verhandlung nicht folgen könne. (Foto: SWR)
Der Angeklagte ließ seine Verteidiger am Dienstag mitteilen, dass er fröstele und der Verhandlung nicht folgen könne.

"Das Auto raste heran, wie ein Tsunami. Von hinten", sagte der Rentner als Zeuge vor Gericht. Vielleicht einen Meter sei das Auto an ihm selbst vorbei gerast, er habe den Luftzug spüren können. So schnell sei der Wagen gefahren.

Notfallseelsorger steht einer Zeugin bei

Der Amokfahrer sei dann mitten in die Familie mit ihren Kindern hineingefahren. "Das war Mord", sagte der Zeuge immer wieder. "Zehn Meter vor unseren Augen wurde der Vater und sein Baby ermordet." Die Frau des Familienvaters und das andere Kind der Familie hätten alles fassungslos ansehen müssen. "Das war der Horror."

Eine vierte Zeugin erinnerte sich am Dienstag vor Gericht, wie das tote Baby da lag und die Mutter schrie "mein Mann, mein Mann, mein Kind, mein Kind." Die Zeugin hat bis heute unter den Erlebnissen zu leiden. Ein Notfall-Seelsorger sprach noch im Gericht mit ihr.

Die Vorsitzende Richterin, Petra Schmitz, hier im Gespräch mit den beiden Verteidigern, ließ den Angeklagten vom Amtsarzt untersuchen.  (Foto: SWR)
Die Vorsitzende Richterin, Petra Schmitz, hier im Gespräch mit den beiden Verteidigern, ließ den Angeklagten vom Amtsarzt untersuchen.

Eigentlich sollte an diesem Dienstag auch die Mutter des getöteten Babys und Ehefrau des getöteten Familienvaters aussagen. Doch die Frau ließ sich entschuldigen, weil sie es nicht ertragen könne. Selbst dann nicht, wenn der Angeklagte während der Aussage von der Verhandlung ausgeschlossen worden wäre. In einem Attest hieß es, eine Aussage könne sich nachteilig auf die Trauma-Therapie der Mutter und Ehefrau auswirken.

Angeklagter wird vom Amtsarzt untersucht

Bevor am Dienstag überhaupt ein Zeuge aussagen konnte, ließ der mutmaßliche Amokfahrer seine Verteidiger dem Gericht mitteilen, er fühle sich nicht gut und glaube der Verhandlung nicht folgen zu können. Er fröstele. Möglicherweise wegen Nikotinmangels. In der Vollzugsanstalt habe man ihm sein Taschengeld gesperrt und seine Einkaufsmöglichkeiten eingeschränkt. Deshalb habe er keinen Tabak kaufen können.

Statt um 9 Uhr die ersten Zeugen zu vernehmen, ließ die Vorsitzende Richterin daher den Amtsarzt anrücken, um den Angeklagten zu untersuchen. Kurz nach 11 Uhr hieß es dann, der Angeklagte sei durchaus verhandlungstauglich. Die eigentliche Sitzung konnte beginnen.

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