Dachdecker bei der Arbeit (Foto: SWR)

Dachdecker haben sehr viel zu tun

Hagelschäden in Andernach und Neuwied: Reparaturen dauern noch Monate

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Nach dem Unwetter Ende Mai konnten viele Hagelschäden im der Region Koblenz bislang nur notdürftig behoben werden. Besonders Dachdecker sind gefragt.

Dachdeckermeister Gregor Orth hat seine Kunden eigentlich vor allem im Kreis Ahrweiler oder im Raum Köln-Bonn - doch seit Ende Mai ist er auch viel in Andernach, Weißenthurm und Neuwied unterwegs. Grund dafür ist das Unwetter, das für zahlreiche beschädigte Hausdächer gesorgt hat. "Das kriegen die Kollegen hier allein nicht bewältigt", sagt der Obermeister der Dachdeckerinnung Mayen-Ahrweiler.

"In so einer Masse hab' ich das noch nicht erlebt."

Die Zahl der Hagelschäden war nach seinen Angaben so hoch, dass von überall Unterstützung angefordert wurde. Problematisch sei vor allem, dass der Hagel dicht besiedeltes Gebiet getroffen habe. "Dass mal in einem Dorf 10 bis 15 Häuser betroffen sind, ja - aber in so einer Masse hab' ich das noch nicht erlebt", meint Orth.

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Viele Dächer müssen komplett neu gedeckt werden

Die bis zu Golfball-großen Hagelkörner hätten eine enorme Zerstörungskraft gehabt. "Ich habe Schieferdächer gesehen, die bestehen nur noch aus Bruchstücken - da gibt's nichts mehr zu flicken," sagt Orth. Viele Dächer müssten komplett neu gedeckt werden. Bis die Schäden alle repariert sind, werden seiner Einschätzung nach noch Monate vergehen.

Hagelstürme werden häufiger - und die Hagelkörner immer größer. (Foto: SWR)
Hagelstürme werden häufiger - und die Hagelkörner immer größer.

Vor allem in den Städten Andernach und Neuwied gibt es laut Orth immer noch viel zu tun. Wer sich dort momentan umschaut, der sieht nicht nur viele eingedellte Autos auf der Straße stehen, sondern auch zahlreiche Hausdächer, auf denen Planen gespannt sind. Und das wird wahrscheinlich noch eine Weile so bleiben, befürchtet der Dachdecker.

Lieferengpässe bei Dachziegeln

Schuld daran sind nicht nur die begrenzten Kapazitäten der Dachdecker, sondern auch der Materialmangel. Besonders Dachziegel aus Ton seien momentan kaum zu bekommen, sagt Orth: "Schon vor dem Unwetter war es ein Problem, an Ziegel zu kommen. Die Produktion wurde teilweise eingestellt." Dabei verweist der Innungsmeister auf die aktuell hohen Energiekosten.

Und die Zeit drängt: Denn die Notplanen sind laut Orth eigentlich nur etwa drei Monate haltbar. "Sie werden in der Sonne mit der Zeit porös."

"Dachdecker, Gerüste, Dachpfannen - alles gerade Mangelware."

Nicht nur Privatleute haben Probleme, die Schäden des Unwetters Ende Mai zu beseitigen. Auch für Firmen und Verwaltungen gibt es noch viel zu tun. Die Stadt Neuwied geht nach Angaben eines Sprechers nach erster grober Schätzung von Schäden in Höhe von drei Millionen Euro an städtischen Gebäuden aus. Betroffen seien unter anderem das historische Rathaus oder auch mehrere Schulen. "Dachdecker, Gerüste, Dachpfannen - alles gerade Mangelware", fasst der Sprecher zusammen.

Hagelschaden auf dem Dach des Historischen Rathaus in Neuwied (Foto: SWR)
Große Hagelkörner haben überall auf dem Schieferdach des Historischen Rathauses in Neuwied Löcher hinterlassen.

Freibad in Andernach bleibt wegen Unwetterschäden geschlossen

Auch in Andernach gibt es Schäden an öffentlichen Gebäuden. Unter anderem bleibt das Freibad nach Angaben der Stadt auf unbestimmte Zeit geschlossen. Die Pumpen im Freibad seien vermutlich in Folge eines Blitzeinschlags kaputtgegangen und müssten ausgetauscht werden. Das Trapezdach des Freibades und auch der Sprungturm wurden nach Stadtangaben durch den Hagel beschädigt. Der Schaden belaufe sich auf etwa 150.000 Euro.

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