Hallenbäder in Rheinland-Pfalz trotz Energiekrise offen (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Fabian Sommer)

Keine Schließungen

Hallenbäder in RLP kommen bislang gut durch die Energiekrise

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Matthias Weber

Die Hallenbäder in Rheinland-Pfalz haben unterschiedlich auf die hohen Energiekosten reagiert. Eine erste Zwischenbilanz ist eher positiv, die befürchteten Schließungen blieben aus.

Hallenbäder sind für die Kommunen sowieso meist Zuschussgeschäfte. Als dann im vergangenen Jahr auch noch die Kosten für Energie explodierten, stellte sich vielerorts die Frage, wie es weitergeht - und ob es überhaupt weitergeht, denn auch Schließungen von Hallenbädern standen im Raum.

Viele Kommunen und private Bäderbetreiber kündigten Sparmaßnahmen an. So öffnete etwa Ludwigshafen die städtischen Hallenbäder nur unter Vorbehalt, in Mainz verzichtet das Taubertsbergbad auf die Traglufthalle über dem Außenbecken und das Nettebad in Mayen öffnete später als vorgesehen.

Kein Bädersterben in Rheinland-Pfalz

Ein Vierteljahr später steht fest: Die Probleme der Branche - neben den hohen Energiekosten auch die Inflation und der Fachkräftemangel - haben bislang nicht zu einem Bädersterben in Rheinland-Pfalz geführt. "Vonseiten der Kommunen liegen bis dato keine Meldungen über Schließungen von Hallenbädern vor", teilte das Innenministerium auf SWR-Anfrage mit.

Allerdings kam es in den Bädern zu zahlreichen Anpassungen. So wurden Öffnungszeiten verkürzt, einzelne Becken oder Saunen geschlossen und Eintrittspreise erhöht. Die Emser Therme kündigt an, ab 9. Januar einen Energiekostenzuschlag von drei Euro zu erheben - fügt aber hinzu: "Sollten die staatlichen Entlastungsmaßnahmen auch für unsere Branche greifen oder sich die Situation entspannen, werden wir umgehend den Energiekostenzuschlag reduzieren bzw. vollständig aufheben."

Geringere Bade-Temperaturen in Hallenbädern

Viele Einrichtungen haben die Luft- und Wassertemperaturen leicht gesenkt - meist im Bereich 1 bis 2 Grad. Die Reaktionen darauf seien unterschiedlich, sagt Daniel Fleckenstein vom KiboBad in Kirchheimbolanden: "Die einen finden es toll, die anderen sagen, es könnte wärmer sein." Insgesamt funktioniere das aber gut. Anders ist die Lage im Bad an den Kaiserthermen in Trier. "Die Reduzierung der Wasser- und Hallentemperaturen zur Energieeinsparung kosten uns aktuell weitere Besucher insbesondere aus den Zielgruppen der älteren Menschen und der Familien", heißt es dort.

Schwimmen bei 26 Grad Kaltes Wasser im Schwimmbad - viel besser als wir denken

Zwei Grad weniger Wassertemperatur im Hallenbad - die Energiekrise zwingt zum Sparen. 26 Grad sind für viele Rheinland-Pfälzer allerdings keine Wohlfühltemperatur. Höchste Zeit, diese Meinung zu versenken. Ein Experte erklärt, warum.

Andere Bäder haben die Temperaturen beibehalten, wie etwa das Hallenbad Saarburg oder die Emser Therme. "Wesentlicher Bestandteil unseres Konzeptes ist unser warmes Thermalwasser und dessen nachgewiesene positive Wirkung", heißt es auf der Homepage der Therme. Deshalb werde es keine Temperatur-Absenkung geben.

Das Hallenbad in Budenheim hatte die Temperaturen von 27 auf 26 Grad gesenkt, nahm diese Maßnahme aber Anfang November wieder zurück - "nach Beschwerden von Besuchern, Schulen und Vereinen".

Bessere Technik für geringere Energiekosten

Eine weitere Reaktion auf die hohen Energiekosten waren Investitionen in die Technik. So wurde im PLUB in Pirmasens bereits im Juli ein Blockheizkraftwerk errichtet, um bei der Energieversorgung flexibler vorgehen zu können. Zudem habe man in die Schwimmbadtechnik investiert und durch moderne Regler weitere Einspareffekte erzielt.

Auch der Neubau des Koblenzer Hallenbades ist noch einmal umgeplant worden. Der Stadtrat beschloss kurz vor Weihnachten, dass die bislang vorgesehene Gasheizung um eine alternative Wärmeversorgung erweitert werden soll. Sie sieht eine Vergrößerung der Photovoltaikanlage, den Einbau einer Solarthermieanlage und die Wärmerückgewinnung aus dem Duschwasser vor.

Besucherzahlen sehr unterschiedlich

Bei den Besucherzahlen lässt sich zusammenfassend nur sagen: Ein flächendeckender Einbruch ist ausgeblieben. Ansonsten haben sich die Zahlen unterschiedlich entwickelt. So meldet das Rheinhessenbad in Nieder-Olm "einen Besucherrückgang von etwa einem Drittel in den vergangenen Monaten".

Auch das monte mare verzeichnet in Kaiserslautern und Andernach nach eigenen Angaben einen Besucherrückgang gegenüber 2019, dem letzten Jahr vor den Corona-Einschränkungen. Ähnlich ist die Lage im PLUB in Pirmasens, wo es eine deutliche Steigerung gegenüber 2020 und 2021 gibt, aber noch einen Rückgang um etwa 15 Prozent gegenüber 2019. "Wir sind noch nicht wieder auf dem Vor-Pandemieniveau, aber auf bestem Wege dorthin", sagt Kati Miersch von den Stadtwerken Pirmasens.

Auch der Geschäftsführer der rheinwelle in Gau-Algesheim, Dirk Osterhoff, zeigt sich sehr zufrieden mit der Zahl der Gäste. Zwar habe man nicht ganz die Zahlen von vor drei Jahren erreicht, aber 2019 sei ein ausgesprochen gutes Jahr gewesen. Gleichbleibende Besucherzahlen meldet das Hallenbad Budenheim. Auch die Emser Therme verzeichnet erfreuliche Besucherzahlen.

Einen hohen Bedarf gibt es in vielen Bädern bei Schwimmkursen. Das KiboBad etwa verzeichnet ein Interesse, das vielmal so hoch sei wie in den vergangenen Jahren.

Forderungen von Sport und Politik

Sportverbände, die DLRG und die Innenminister von Bund und Ländern hatten zuletzt appelliert, Sporthallen und Bäder offen zu lassen. Der Sport "ist Teil der sozialen Daseinsfürsorge und erfüllt wichtige soziale und gesundheitsfördernde Funktionen", erklärte der Vorsitzende der Sportministerkonferenz, der rheinland-pfälzische Innenminister Michael Ebling (SPD). Um dieser Rolle gerecht zu werden, brauche der organisierte Sport auch in der Energiekrise Zugang zu kommunalen und vereinseigenen Sportstätten.

Die Präsidentin des Sportbundes Rheinland, Monika Sauer, verwies auf die Bedeutung der Sportvereine in Krisenzeiten, wie zuletzt in der Corona-Pandemie. Erst jetzt werde erkennbar, welche negativen Auswirkungen Bewegungsmangel auf die soziale und psychische Entwicklung Heranwachsender habe. Ganz zu schweigen von den möglichen dramatischen Folgen, wenn immer mehr Kinder nicht schwimmen lernten.

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Matthias Weber