Das Schönauer Gymnasium ist eingezäunt. Das ist eine Sicherheitsauflage des Landratsamtes.  (Foto: SWR)

Autoverkehr direkt neben Schule

Schulhof-Streit in Schönau: Schüler wollen nicht eingezäunt sein

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Anita Westrup
Anita Westrup (Foto: SWR)

In Schönau führt eine Straße über den Schulhof eines Gymnasiums. Wegen Sicherheitsauflagen ist der Pausenhof nun eingezäunt. Das bringt Schüler und Eltern auf die Barrikaden.

Das kleine Schwarzwaldstädtchen Schönau (Landkreis Lörrach) hat nicht nur Ehrenbürger Jogi Löw zu bieten, sondern noch ein weiteres Unikat: eine Straße, die direkt über einen Schulhof führt. Und weil der Gemeinderat beschlossen hat, dass auch weiterhin Autos auf der Straße unterwegs sein dürfen, haben die Behörden nun eine Absperrung auf dem Pausenhof angeordnet. Seit rund drei Wochen rahmt nun ein rot-weißer Bauzaun den Schulhof des Schönauer Gymnasiums ein. Der Anblick ist nicht nur kurios, er ruft auch großen Protest bei den Schülerinnen und Schülern sowie den Eltern hervor.

Der Fernsehbeitrag aus der Landesschau Baden-Württemberg zum Nachschauen:

Schulleiter spricht von "Beinaheunfällen"

Mit dem Neubau des Schönauer Gymnasiums vor fast 20 Jahren war klar: Angesichts der gestiegenen Schülerzahlen ist der Pausenhof vor dem Schulgebäude zu klein geworden. Erweiterung musste her. Und so wurde der Schulhof auf den gegenüberliegenden Rathausplatz ausgedehnt. Das Problem: Zwischen diesen beiden Bereichen verläuft die Talstraße, auf der Autos in Schrittgeschwindigkeit vorbeirollen dürfen. "Passiert ist glücklicherweise noch nichts", erklärt Schulleiter Jörg Rudolf. Aber es sei zu Beinaheunfällen gekommen. Außerdem sei es für seine Kolleginnen und Kollegen schwer, die Aufsicht zu führen und gleichzeitig die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten, so Rudolf weiter.

Schulhof ist Dauerbrenner im Gemeinderat

Die Pausenhof-Gestaltung des Schönauer Gymnasiums wird im Gemeinderat bereits seit Jahren kontrovers diskutiert. Zuletzt war angedacht worden, die Talstraße an Schultagen zwischen 7 und 14 Uhr temporär zu sperren. Viele Eltern setzten sich für diese Kompromisslösung ein. Doch der Gemeinderat entschied sich im Januar dagegen. SPD und CDU stimmten mehrheitlich gegen eine Sperrung der Talstraße.

Daraufhin ordnete das Landratsamt eine Absperrung auf dem Pausenhof an - wegen Sicherheitsbedenken. Alexander Knobel von der CDU in Schönau erläutert: "Wir haben in der Gemeinderatssitzung auch nur gegen eine Sperrung gestimmt, wir haben nicht dafür gestimmt, dass hier ein Zaun entsteht. Dass das Landratsamt den Verwaltungen und dem Bürgermeister sofort auferlegt hat: Du bist verantwortlich für diese Gefahrenzone hier - das muss jetzt alles eingegrenzt werden, das ist natürlich eine unschöne Situation."

Das Schönauer Gymnasium ist eingezäunt. Das ist eine Sicherheitsauflage des Landratsamtes.  (Foto: SWR)
Der Schulhof des Schönauer Gymnasiums ist eingezäunt. Die Schülerinnen und Schüler finden das gar nicht gut.

Bauzaun statt Ballspiele

Seit Mitte Februar steht ein rot-weißer Bauzaun als Provisorium auf dem Schulhof. Der Pausenbereich ist damit nahezu halbiert worden. Den rund 450 Schülerinnen und Schülern fehlt es an Platz - zum Spielen und Herumtoben. Von Schülersprecherin Amara Igwe hagelt es Kritik: "Man sitzt im Unterricht den ganzen Tag, muss sich konzentrieren, die Pause ist da, damit man sich mal bewegen kann, bisschen loslassen kann, aber das ist hier nicht möglich."

"Die Schule sieht nicht mehr so schön aus, sieht aus wie ein Gefängnis, wie eine Baustelle."

Elternbeirat fordert mehr Platz für Schüler

Der Elternbeirat des Schönauer Gymnasiums, der sich für die Kompromisslösung ausgesprochen hatte, reagierte mit Unverständnis auf den Gemeinderatsbeschluss. Die Absperrung sei zwar eine Lösung, aber keine gute, sagt Elternbeirätin Christiane Dacolmo. Der Zaun zerstöre den Platz mitten in Schönau. "Wenn man sagt, man möchte diese Schule und die Schüler in der Stadt haben, dann wäre es auch schön, wenn Schönauer Bürger, Touristen und Schüler diesen Platz gemeinsam nutzen können", erklärt Christiane Dacolmo.

Stellvertretend für den Elternbeirat fordert die Mutter einer Siebtklässlerin mehr Platz in den Pausen für die Schülerinnen und Schüler. Es gebe eine Schulbau-Richtlinie, die eine Größe von drei bis fünf Quadratmetern pro Schüler empfehle, so Christiane Dacolmo. "Wir haben hier etwa 1,5 Quadratmeter pro Schüler. Wenn alle auf dem Schulhof sind, dann gibt es eigentlich kaum Platz für Bewegung und Spiele."

Schülerinnen und Schüler engagieren sich politisch

Die Pausenhof-Debatte treibt auch die Schülerinnen und Schüler um. Sie interessierten sich für kommunale Politik und würden sich politisch engagieren, berichtet Schulleiter Jörg Rudolf. Die ganze Geschichte habe viele kreative Kräfte freigesetzt. Es würden Protestplakate gemalt, Lesebriefe geschrieben und Gemeinderatssitzungen besucht werden. "In dem ganzen Prozess ist auch etwas Gutes entstanden: die Demokratieerziehung, die machen wir auf vorbildliche Art und Weise", lobt Rudolf.

"Das ist Politik, die uns betrifft, das ist nicht weit entfernt, das ist nicht in Berlin, das ist direkt hier vor Ort."

Protestplakate hängen an der Fassade des Schönauer Gymnasiums. (Foto: SWR)
Protestplakate hängen an der Fassade des Schönauer Gymnasiums.

"The Gränzzaun": Protest-Account auf Instagram

Einige Schülerinnen und Schüler haben auf Instagram den satirischen Account "The Gränzzaun" ins Leben gerufen, angelehnt an "The Länd", die Werbekampagne des Landes Baden-Württemberg. Laut Beschreibung, die "Offizielle Gegenbewegung zum neuen Gränzzaun in the Tälstrasse". Durch den Bau der neuen Attraktion THE GRÄNZZAUN würden die Tourismuszahlen in die Höhe schießen, erste Prognosen gingen von 48 Prozent Zuwachs bei den Übernachtungen aus, heißt es. Auf dem Instagram-Kanal wird außerdem die Teilung in Schönau Ost und Schönau West prophezeit. Wer genau den Account betreibt, ist unklar. Die Schüler wollen anonym bleiben.

Demo am 13. März geplant

Die Schülerinnen und Schüler wollen die Absperrung nicht widerstandslos hinnehmen. Am 13. März ist eine große Demonstration geplant. Und auch der Elternbeirat bereitet zurzeit ein Bürgerbegehren vor - in der Hoffnung, dass der Gemeinderat seine Meinung nochmal ändert und die Talstraße, wenn auch nur temporär, für Autos gesperrt wird.

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