Mandy Kaema (Foto: SWR)

Eine Betroffene über häusliche Gewalt

"Er hat mir mehrmals gedroht, mich umzubringen"

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Eva-Maria Elias
Eva-Maria Elias (Foto: privat)
Samantha Happ
Samantha Happ (Foto: SWR DASDING)
Maya Rollberg

Mandy Kaema wurde von ihrem Ex-Mann über Jahre missbraucht und bedroht. Nach Jahren kann sie sich aus der Beziehung befreien und findet Hilfe in einem Freiburger Frauenhaus.

Drei Jahre lang hatte Mandy Kaemas Ex-Mann sie geschlagen und psychisch erniedrigt. Sie habe ihm nie etwas recht machen können, sei niemals gut genug gewesen, erzählt Mandy im Gespräch mit dem SWR.

Mandys Ex-Partner habe sie geschlagen, immer wieder sei die Gewalt eskaliert.

"Wenn ich mich zur Wehr gesetzt habe, dann wurde ich angespuckt, einmal sogar in die Badewanne geschubst."

Sollte sie sich von ihm trennen, würde er sie umbringen, habe er Mandy wieder und wieder angedroht. Er habe beschrieben, wie er ihr die Halsschlagader durchschneiden würde.

Trotz Morddrohung rechtlich keine Handhabe

Trotz der zahlreichen Morddrohungen habe sie rechtlich nicht gegen ihn vorgehen können. Um ihren Ex-Partner anzuzeigen, hätte sie Beweise gebraucht. Da es allerdings nur mündliche Anfeindungen gegeben hatte, hätte Aussage gegen Aussage gestanden.

"So blöd es klingt, in Deutschland muss immer erst etwas passieren, bis da wirklich eingegriffen wird."

Sie wünscht sich deshalb - auch für andere Betroffene - ein System, in dem sich bedrohte Frauen sicher fühlen können und Unterstützung finden. Damit sie genug Mut aufbringen können, sich Hilfe zu holen und die Polizei zu rufen.

Soziales Umfeld ist wichtig

Aus ihrem Umfeld hätten sich in der Zeit viele von ihr distanziert, weil sie nicht verstehen konnten, warum Mandy die Beziehung mit ihrem gewalttätigen Partner nicht beendet. Das habe es für sie jedoch noch schwerer gemacht, sich zu trennen. Martina Raab-Heck von der Freiburger Fachstelle Intervention gegen Häusliche Gewalt (FRIG) kennt das von zahlreichen anderen Fällen. Sie rät Angehörigen und Bekannten hin- statt wegzuschauen und für die Betroffenen da zu sein.

"Man kann auch immer sagen, ich mache mir Sorgen um dich. Ich würde gerne etwas tun, dass es dir wieder besser geht, weil ich bei dir eine Belastung spüre."

Angst vor dem Alleinsein

Die Angst vor dem Alleinsein oder gemeinsame Kinder würden Frauen oft dazu bringen, weiter in gewalttätigen Beziehungen auszuharren, erklärt Raab-Heck. Auch für Mandy war es lange Zeit unvorstellbar, ihren Mann zu verlassen. Sie habe vielleicht einfach die Nähe gebraucht und deswegen zugelassen, dass man sie so behandelt. Auch sie hatte Angst davor, alleine zu sein, reflektiert sie heute. Auch deswegen, weil ihr Ex-Partner ihr immer weismachen wollte, dass sie zu dick und zu hässlich sei, um einen anderen Partner zu finden.

Im Frauenhaus fasste Mandy neuen Mut

Aus Angst, sich selbst das Leben zu nehmen, hat Mandy schließlich Hilfe in einem Frauenhaus gesucht und so schließlich geschafft, sich aus der gewalttätigen Beziehung zu befreien. Dort habe sie gelernt, sich selbst zu akzeptieren, sich selbst wertzuschätzen. Mandy will sich nicht weiter verstecken und hat heute auch keine Angst mehr. Stattdessen möchte sie nun anderen Mut machen, sich selbst zu lieben und Verständnis für sich aufzubringen. Denn das sei für sie ganz besonders wichtig gewesen, um sich aus der Spirale der Gewalt lösen zu können.

Eine Rote Bank als Symbol gegen Gewalt an Frauen im Freiburger Stadtgarten. (Foto: SWR, Anita Westrup)
Die Rote Bank als Symbol gegen Gewalt an Frauen im Freiburger Stadtgarten.

Dieses Jahr schon vier Femizide in Südbaden

Was Mandy erlebt hat, ist kein Einzelfall. Allein in Südbaden gab es in diesem Jahr schon vier Femizide.

Deutschlandweit wird laut Polizeistatistik fast jeden dritten Tag eine Frau aufgrund ihres Geschlechts getötet. Erst vor Kurzem wurden in Au (Breisgau Hochschwarzwald) und Bonndorf (Landkreis Waldshut) zwei Frauen trotz Annäherungsverbot mutmaßlich durch ihre Ex-Partner ermordet. Zwei Fälle unter vielen in Deutschland.

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