Rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mercedes-Benz Mobilty AG engagieren sich zwei Tage lang in der Stuttgarter Innenstadt. Mit bunten Farben und Sportgeräten wollen sie den Österreichischen Platz für Jugendliche attraktiv machen. Doch daran gibt es Kritik.
Warum malt Mercedes unter der Paulinenbrücke?
Am sogenannten "Day of Caring", dem Tag des Sich-Kümmerns, stellt Mercedes-Benz Mitarbeitende frei, damit sie sich engagieren können - und zwar vorwiegend in Städten, in denen der Autobauer Unternehmensstandorte hat. "Das ist Teil unserer Unternehmenswerte", so Peter Ziering, Vorstand der Mercedes-Benz Mobility AG. Dieses soziale Engagement gebe es seit 20 Jahren, so Ziering. Dieses Mal entsteht in Zusammenarbeit mit der Stadt Stuttgart und dem Planungsbüro "KuKuk I freiflug" eine "Multisportfläche".
"Insgesamt soll sich der Platz zu einem Ort für Sport und Jugendkultur entwickeln."

Was wird aus den Obdachlosen rund um den Österreichischen Platz?
Doch nicht bei allen kommt das Sozialprojekt gut an. Vasili, der früher selbst obdachlos war, sagte dem SWR: "Was wird aus den Obdachlosen? Die müssen verschwinden." Der Österreichische Platz ist seit Jahren ein Rückzugsort für Obdachlose. Bei der Kirche St. Maria gibt es mehrere Hilfsangebote für Wohnungslose. Viele von ihnen schlagen ihr Nachtquartier unter der Paulinenbrücke auf.
Ändert sich das künftig? Die Leiterin des Stuttgarter Sportamts Daniela Klein sagt, dass der Österreichische Platz weiterhin ein Ort für alle bleiben soll. "Wir wollen sicherlich niemanden vertreiben. Im Gegenteil, hier soll ein Ort der Toleranz und Vielfalt für alle entstehen."
Soziales Projekt oder "defensive Architektur"?
Die Aussage der Stuttgarter Stadtverwaltung ist aus Sicht von Harry Pfau unglaubwürdig. Er selbst war obdachlos und setzt sich seit Jahren für Obdachlose in Stuttgart ein.
"So naiv kann man gar nicht sein, zu glauben, dass die Stadt nicht gegen die Obdachlosen vorgehen wird."
Einige wenige Obdachlose würde die Stadt sicherlich dulden, so Pfau, aber gegen mehrere würde die Polizei sicherlich strikt vorgehen. Er spreche aus Erfahrung, so Pfau weiter. "Ich hatte jahrelang einen Schlafort in Stuttgart. Da haben die Polizeibeamten dann ein Auge zugedrückt. Kurz nachdem zwei weitere Obdachlose auch an dem Ort schlafen wollten, wurden wir verjagt."
Stadtführung in Stuttgart zeigt Beispiele "Defensive Architektur": Wie die Stadt Menschen ausgrenzt
Immer öfter wird über sogenannte defensive Architektur in Städten gesprochen. Auch in Stuttgart. Verweilen ist nicht vorgesehen. Kommt nun Bewegung in die Debatte und Gemütlichkeit in die Städte?
Genau das Gleiche befürchtet er auch am Österreichischen Platz unter der Paulinenbrücke. Ein oder zwei Obdachlose würde die Stadt vermutlich dulden. Doch sollten es mehr werden, werde sie sich "aber sicherlich nicht ihr Prestigeprojekt von Obdachlosen kaputtmachen lassen".
Die Arbeiten der Mercedes-Benz Mitarbeitenden sollen am Donnerstag abgeschlossen werden. Der neue Österreichischen Platz wird im Sommer eröffnet.