Gefährlich und faszinierend: Der Beruf des Pyrotechnikers. Das Bild zeigt Feuerwerksbatterien.

Feuerwerk auch für Andrea Berg

Arbeiten mit explosiven Stoffen: Ein Pyrotechniker erzählt

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Frieder Kümmerer
Frieder Kümmerer
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Sandra Kolnik
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Pyrotechniker wie Valentin Schuster aus der Region Stuttgart arbeiten mit hochexplosiven Stoffen. Durch Corona und die Inflation hat sich ihr Job zuletzt stark verändert.

Irgendwo im Großraum Stuttgart hat Pyrotechniker Valentin Schuster sein Lager. Wo genau, das dürfen wir nicht sagen, aus Sicherheitsgründen. Die Eingangstür ist gut gesichert, mit Schlüssel und Zahlencode, dazu noch ein großes Schild: "Warnung vor Explosionsgefahr". Hinter der Tür lagern unzählige Kartons auf dem Boden und in Regalen, die meisten versehen mit einem Gefahrguthinweis.

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In die Pyrotechnik ist Valentin Schuster vor rund 15 Jahren eher zufällig gestolpert. Inzwischen ist echte Begeisterung und Faszination für das Explosive daraus geworden.

Highlights sind für ihn zum Beispiel, wenn er für die Konzerttourneen von Schlagerstars wie Andrea Berg das Feuerwerk auf der Bühne macht. "Es ist echt hart: nachts direkt Abriss, noch bevor das Publikum draußen ist, dann geht alles in zig Lkws, auf zum nächsten Standort", erzählt der Pyrotechniker. "Dann ist wieder Komplettaufbau, abends muss die Show stehen. Das ist hart, macht aber wirklich Spaß."

Corona und Inflation machen Pyrotechnikern zu schaffen

Schwieriger sei es in den anderen Bereichen seiner Branche. Es gebe weniger Aufträge, und die seien dann auch oft kleiner als früher, so Schuster. Oder zum Beispiel bei Hochzeiten komme doch noch eine Absage, weil andere Dinge im Budget wichtiger seien als das bereits geplante Feuerwerk für das Brautpaar. Schwierig ist auch die Preisentwicklung, die eine langfristige Planung unkalkulierbar macht. Die meiste Ware wird per Schiffscontainer aus China bestellt. Die Preise für die Container, vor allem für Gefahrgut, seien "abartig" gestiegen, sagt Valentin Schuster. Besonders schwierig sei, dass der Preis für den Container erst im Nachhinein festgelegt werde.

Pyrotechniker Valentin Schuster in seinem Lager. Das ist an einem Ort, der nicht bekannt gegeben werden darf. In der Hand hält er sogenannte Kugelbomben.
Pyrotechniker Valentin Schuster in seinem Lager. Das ist an einem Ort, der nicht bekannt gegeben werden darf.

"Wir haben den Preis einfach zu schlucken."

Früher habe man pro Container 3.000 bis 5.000 Euro bezahlt, so der Pyrotechniker. "Mittlerweile sind wir da bei bis zu 30.000 Euro. Transport. Ohne Ware."

Laser und Funken statt Feuerwerk

Valentin Schuster hat inzwischen wieder einen Fulltime-Job bei einem Automobilhersteller. Von der Pyrotechnik allein kann er nicht mehr leben. Die Branche sei im Wandel und müsse sich neu aufstellen, so Schuster. "Wir werden mehr mit kleinen Effekten arbeiten, inflationsbedingt, dass wir den Kunden trotzdem was bieten können." Das große Feuerwerk auf Stadtfesten oder Veranstaltungen wird weniger werden, denkt der Pyrotechniker.

"Dafür werden wir mit anderen Effekten wie mit Feuer, mit Funken, mit Lichterbildern, mit Lasertechnik dagegenhalten."

Die Leidenschaft von Valentin Schuster ist die Pyrotechnik. Selbst diese Uhr in Form eines Sprengkörpers erinnert daran.
Sieht explosiv aus, ist es aber nicht. Weil Pyrotechnik Valentin Schusters Leidenschaft ist, hat ihm seine Freundin diese Uhr gebastelt.

Damit würden die Pyrotechniker trotzdem Performance bieten, die was hermache - für den "Wow-Effekt". "Da wird sich noch viel tun", schätzt Valentin Schuster. An Aufgeben denkt er bei allen Schwierigkeiten jedenfalls nicht. Dafür mache es ihm zu viel Spaß.

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