Junge Männer und andere bei einer Gedenkfeier für den getöteten Polizisten in Heidelberg

Gedenkfeier mit rund 100 Menschen

Heidelberg: Afghanen trauern um getöteten Polizisten Rouven Laur

Stand
Autor/in
Philipp Behrens
Monika Regelin
Onlinefassung
Martina Senghas
Martina Senghas

Afghanen haben in Heidelberg zum Gedenken an den Polizisten Rouven Laur eingeladen. Sie wollten ein Zeichen setzen, nachdem ein mutmaßlicher Islamist den 29-Jährigen getötet hatte.

Rund 100 Menschen haben sich am Freitagabend in Heidelberg zu einer Gedenkfeier für den getöteten Polizisten Rouven Laur versammelt. Rund die Hälfte davon hat afghanische Wurzeln. Den Afghaninnen und Afghanen ist das Gedenken wichtig, weil es sie erschüttert, dass der mutmaßliche Täter - Sulaiman A. - ein Landsmann von ihnen ist, sagen sie. Er hatte den Polizisten am 31. Mai auf dem Mannheimer Marktplatz mit einem Messer so schwer verletzt, dass der 29-Jährige zwei Tage später im Krankenhaus starb.

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Afghanen schämen sich für Tat von Sulaiman A.

Zaki Darya, ein afghanischer Musiker, hatte zusammen mit anderen Afghanen aus Heidelberg die Idee für die Gedenkfeier. Unmittelbar nach der Attacke in Mannheim, so erzählt Darya, habe er gehofft: bloß kein Afghane. Umso größer der Schock, als die Identität des Täters bekannt wurde.

Im Haus der Lutherkirche spielte Darya am Piano ein Lied für Rouven Laur, andere teilten ihre Gedanken zum Tod des 29-Jährigen. Den anwesenden Afghanen ist vor allem eines wichtig: Sie wollen sichtbar machen, dass Sulaiman A, der mutmaßliche Mörder, nicht "die" Afghanen in Deutschland repräsentiert. Sie wollen nicht mit ihm in eine Schublade gesteckt werden, sagt Walwala Azam, Daryas Freundin. Es ist spürbar: Die anwesenden Afghanen schämen sich dafür, dass Sulaiman A. aus ihrem Land stammt, aus Afghanistan.

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Viele sind vor Islamisten nach Deutschland geflohen

Die Afghanen in Heidelberg setzten sich dafür ein, dass sich vor allem eine Wahrnehmung nicht weiter verfestigt: Islam gleich Islamismus. Mit dem Gedenken im Haus der Lutherkirche wollen sie zeigen, dass die Mehrheit der aus Afghanistan Geflüchteten keine Islamisten sind. Sie seien, so Darya und seine Freundin, selbst vor Islamisten geflohen, vor Menschen wie Sulaiman A. Mit seiner Tat habe dieser die Islamfeindlichkeit in Deutschland geschürt. Auch deswegen erschüttert sie der Mord an Rouven Laur.

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Afghanen in Heidelberg distanzieren sich von Islamisten

Der 29-jährige Polizist verkörpere für sie auch das Deutschland, für das sie sich bewusst entschieden hätten, so Azam. Ein Land mit liberalen Grundwerten, ein Rechtsstaat mit Religionsfreiheit. Eben genau das Gegenteil von Afghanistan. Azam, die das Wirtschaftsgymnasium in Schwetzingen (Rhein-Neckar-Kreis) besucht und später Jura studieren möchte, versteht nicht, warum Menschen wie Sulaiman A. in Deutschland leben wollen. Islamisten sollten Deutschland verlassen, fordert sie.

Die Freundin von Zaki Darya hat Angst, dass sich das politische Klima in Deutschland verändert. Und irgendwann nicht mehr zwischen "guten" und "bösen" Afghanen unterschieden und massenhaft abgeschoben wird. Andere Afghanen berichten, dass sie nach der Messerattacke misstrauisch angeschaut und als Bedrohung angesehen würden. Die Tat hat Angst gesät. Bei Deutschen und Afghanen.

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