Prof. Hanno Steckel verrät, wann es nicht mehr ohne künstliches Hüftgelenk geht

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Unfallchirurg Prof. Hanno Steckel leitet ein Zentrum für Orthopädie und Schmerztherapie. Er verrät, wann eine Hüftprothese wirklich notwendig ist.

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Experten kritisieren: OP an Hüfte oft überflüssig

Bereits vor Jahren haben Experten kritisiert, jede fünfte in Deutschland implantierte Hüftprothese sei überflüssig. Trotzdem werden nach wie vor in keinem anderen Land, gemessen an der Bevölkerungszahl, so viele künstliche Gelenke implantiert wie bei uns: Rund 400.000 Stück im Jahr, die Hälfte Hüftprothesen.

Hüft-OP: Schmerzen und Komplikationen möglich

Gleichzeitig geht immer mehr schief. Der Grund für die Komplikationen sind unter anderem Qualitätsmängel bei den Prothesen, Wundinfektionen nach der Operation, Nachblutungen und anhaltende Schmerzen. Zurückzuführen seien die Probleme oft auf menschliches Versagen.

»Aber bei aller Skepsis gegenüber den ansteigenden Operationszahlen muss auch angemerkt werden, dass die Ergebnisse der künstlichen Hüftgelenke einfach so gut sind, dass es manchmal schwer darstellbar ist, einem 55-jährigen Patienten zu sportlichem Verzicht und weniger Aktivität zu raten, wenn dieser familiär und beruflich in der anspruchvollsten Phase seines Lebens steht.«

Künstliche Hüfte: Kein Problem beim Sex

Außerdem kann eine künstliche Hüfte laut Steckel das Leben verbessern. Wenn die Beweglichkeit 12 Wochen nach der Operation wieder voll da ist, sei auch Sex wieder möglich.

»Die sexuelle Aktivität, Frequenz und Zufriedenheit steigt mit einem künstlichen Hüftgelenk, weil die Bewegungsfreiheit besser da ist, die körperliche Aktivität.«

Besonders schonend für den Patienten ist eine minimalinvasive Hüft-Operation. Dabei wird das künstliche Hüftgelenk von vorne, von der Seite oder von hinten über einen kleinen Schnitt eingebracht. Weil dabei möglichst wenig Gewebe im Körper des Patienten verletzt wird, ist dieser laut Steckel schneller wieder auf den Beinen.

Ist Sport mit neuem Hüftgelenk möglich?

Auch Sport ist nach einer erfolgreichen Hüft-OP wieder möglich. Allerdings gibt es dabei Sportarten, die schonender für das Gelenk sind als andere.

»Beim Joggen hat man das sechs- bis siebenfache vom Körpergewicht auf den Hüftgelenken. Das heißt, man läuft der Arthrose mit Joggen regelrecht entgegen.«

Radfahren sei die bessere Alternative. Brustschwimmen ist dagegen möglich, so lange der Beinschlag nicht zu kraftvoll ausgeführt wird. Kraulen ist weniger problematisch.

Alternative zum künstlichen Hüftgelenk?

Prof. Hanno Steckel ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und ärztlicher Leiter eines Zentrums für Orthopädie und Schmerztherapie in Berlin. Er verrät, wann eine Hüftoperation wirklich notwendig ist und welche Alternativen es gibt. Wie lässt sich die Hüfte gezielt trainieren?

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