Ahmad Jaber rammt seine Schaufel in die Erde des Saarufers in Wiltingen. Dort soll ein Wassergraben entstehen. Er könnte helfen schlimmere Schäden bei einem Unwetter zu verhindern.
Denn das Hochwasser an Pfingsten im vergangenen Jahr hat die kleine Gemeinde an der Saar schwer getroffen. 40 Keller sind nach Angaben der Gemeinde geflutet worden, riesige Mengen Müll wurden angeschwemmt.
Es ist gut zu arbeiten, ich möchte nicht zu Hause herumsitzen.
Ahmad Jaber ist hier, um das Saar-Ufer aufzuräumen. Er war in Syrien Betonbau-Unternehmer, bevor er nach Deutschland geflüchtet ist.
Sein Arbeitseinsatz in Wiltingen ist freiwillig. "Es ist gut zu arbeiten, ich möchte nicht zu Hause herumsitzen", erzählt Jaber in gebrochenem Deutsch. Die Schwierigkeiten mit der Sprache sind aus seiner Sicht auch der Grund, warum er in seiner Branche noch keinen Job gefunden hat.
Geflüchtete sammeln seit einem Jahr Müll an der Saar auf
So wie ihm geht es auch anderen Geflüchteten, die an diesem Tag in Wiltingen den angespülten Müll aufsammeln. Die Aufräumaktion in Wiltingen läuft seit einem Jahr und wird vom Hilfsverein Palais und der Bundesagentur für Arbeit organisiert.

Deutsche, die schon lange arbeitslos sind, und Geflüchtete haben sich freiwillig gemeldet, um ihre Chancen auf einen Job zu verbessern, sagt Suliman Alotane vom Palais. Er leitet das Projekt. Für ihr Engagement erhalten die Freiwilligen drei Euro in der Stunde.
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Sie soll die Verwaltung entlasten und den Geflüchteten mehr Sicherheit bieten: In der AfA Trier wird die Bezahlkarte eingeführt. Es gibt jedoch auch kritische Stimmen.
Wiltinger sind angetan von der Arbeit der Geflüchteten
Alotane ist zufrieden. Die Gruppe harmoniere gut miteinander. "Die Leute haben sich schnell kennengelernt. Das Gefühl, gerne miteinander zu arbeiten, war schnell da."
Auch viele Wiltinger haben mitbekommen, wie sich Geflüchtete und Deutsche gemeinsam um das Saarufer kümmern, erzählt Bürgermeister Reinhard Orth (FWG). "Die Stellung der Personen hat sich im Ort verändert", sagt Orth. "Die Leute haben auf einmal gesagt: Das sind unsere Flüchtlinge."
Arbeit gibt Struktur im Alltag
Gleichzeitig hätte die Gruppe Arbeiten übernommen, die die Gemeindemitarbeiter alleine überhaupt nicht geschafft hätten. "Für uns als Ort war das ein riesen Vorteil", sagt Orth. Die Wiltinger bedankten sich deshalb im Dezember auch mit einem kleinen Fest.
Für die freiwilligen Helfer hat die Arbeit ebenfalls Vorteile. Sie berichten, dass sie so mehr Struktur im Alltag haben. Ahmad Jaber merkt, dass er besser deutsch lernt, wenn er sich während der Arbeit unterhalten kann.
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In Deutschkursen habe er das meiste schnell wieder vergessen. In Zukunft will Ahmad Jaber wieder in seinem Beruf als Betonbauer arbeiten.