Die beiden Weinbergwelpen Sam und Archie genießen ihren Waldspaziergang. (Foto: SWR)

Sechs Monate nach Fund in der Vorderpfalz

So geht es den geretteten Kangal-Welpen aus dem Weinberg heute

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Clara Holzhauser

Vor einem halben Jahr wurde Kangal-Mischlingshündin Mira in einem Weinberg in der Pfalz gefunden, vermutlich ausgesetzt. Sie brachte dort 14 Welpen zur Welt, zehn überlebten.

Die beiden "Weinbergwelpen“ Archie und Sam kugeln ausgelassen durch das Laub des Pfälzerwalds und genießen ihr neues Leben in vollen Zügen. Dabei hatten die beiden Hunde einen schweren Start ins Leben: Sie gehören zum Wurf der Kangal-Hündin, die in einem Weinberg bei Niederkirchen gefunden wurde. Sie wurden gerettet und ins Tierheim Frankenthal gebracht. Inzwischen sind alle Welpen und die Hundemutter an Familien vermittelt, so wie Archie und Sam.

Hundewelpen: Ungeplanter Familienzuwachs in Bad Dürkheim

Ihre Besitzerinnen Sandra Leukhardt und Simone Baumann treffen sich regelmäßig zum Gassi gehen. Familie Leukhardt wohnt in Bad Dürkheim und hat den kleinen Archie Ende Oktober bei sich aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Familie bereits zwei Hunde. Eigentlich sei es nicht geplant gewesen, einen dritten Hund aufzunehmen, sagt die 43-Jährige. Doch dann habe sie von dem Schicksal der Weinbergwelpen gehört und sich entschlossen, einen Welpen zu adoptieren. 

Ich habe wirklich schwer mit den Tränen gekämpft, als ich ins Tierheim Frankenthal gekommen bin und Mira mit ihren Babys gesehen habe.

Tierheim sucht Familien für gerettete Hunde sorgfältig aus

Simone Jurijiw, die Leiterin des Frankenthaler Tierheims, kümmerte sich wochenlang rund um die Uhr um die Hündin und ihre Welpen, die alle sehr geschwächt waren. Aus ganz Deutschland erreichten das Tierheim Anfragen von Menschen, die einen der jungen Hunde aufnehmen wollten. Simone Jurijiw hat bei der Vermittlung der Hunde besondere Sorgfalt walten lassen. Die Kangal-Mischlingshunde seien nichts für Anfänger, sagt sie, allein schon wegen ihrer Größe und Kraft. Das hätten manche Interessenten nicht verstanden:

Sie haben die Rasseeigenschaften unterschätzt. Ich musste oft vehement absagen, da sie mit aller Gewalt einen Welpen haben wollten.

Sie habe die neuen Familien der Welpen mit Bedacht ausgewählt: "Ich habe sie auf Herz und Nieren geprüft. Ich möchte nicht in ein bis zwei Jahren den Anruf bekommen, wo es heißt: Ihr müsst diesen Hund wieder zurücknehmen, der beißt, ich habe mich überschätzt.“

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Tierheime in Rheinland-Pfalz sind an Kapazitätsgrenze

Jurijiw ist froh um jedes Tier, das sie aus ihrem Tierheim erfolgreich vermittelt. Seit vergangenem Juli sei man an der Kapazitätsgrenze. Das Tierheim ist voll belegt. Kein Einzelfall, auch andere Tieraufnahmestellen im Land sind am Limit, wie der Tierschutzverein Trier. Die zweite Vorsitzende im Vereinsvorstand, Anna Falkenhorst, berichtet von einer erschöpften Aufnahmekapazität bei Katzen. Sie fordert eine deutschlandweite Katzenschutzverordnung. Mit einer solchen Verordnung würden Halter dazu gezwungen, ihre Freigänger zu kennzeichnen, zu kastrieren und zu registrieren. 

Das Tierheim Mainz hat ebenfalls so gut wie keine Aufnahmekapazität mehr. Die Leiterin Christine Plank fasst es kurz und knapp zusammen:

Mit dem Personal ist es schwierig, Geld haben wir auch keins.

Die Situation könne nur besser werden, wenn sich die Leute nicht mehr unbedacht Tiere anschaffen würden.

Anzahl ausgesetzter Tiere steigt

Laut Angaben der Tierschutzorganisation Peta werden jährlich etwa 350.000 Tiere in deutschen Tierheimen abgegeben oder ausgesetzt. Besonders zur Weihnachtszeit sei die Abgaberate sehr hoch, da sich der Kauf eines Tieres oft als unüberlegter Spontankauf herausstelle, welcher nicht ausreichend geplant worden sei.

Die Tierrettung aus Kindsbach, die für den Landkreis Kaiserslautern zuständig ist, beschreibt: "Wir haben vermehrt Hasen und kleinere Tiere gefunden, die in Boxen ausgesetzt worden sind. Vom Alter kann man vermuten, dass sie zu Weihnachten verschenkt worden sind."

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Ein weiteres Problem treibt die Tierretter aus Kindsbach gerade um: Sie würden am Tag zwischen 80 und 120 Anrufe bekommen, am Wochenende seien es sogar noch mehr. Die Leute würden nicht nur wegen gefundener Tieren anrufen: "Sie fragen dann nach Ratschlägen, wie zum Beispiel: 'Mein Chihuahua hat zwei Schweinsohren gegessen, normalerweise isst er nur eins. Kann das schädigen?' Die Menschheit ist teilweise sehr unbeholfen", meint Kai Zöller, der Leiter der Tierrettung Kindsbach.

Er vermutet, dass die Tierhalter bei ihm anrufen, da die Tierrettung anders als Tierärzte immer erreichbar sei.

Aussetzungen als Folge der Corona-Pandemie

Mit immer mehr ausgesetzten Tieren hat auch die Tierrettung Saar-Pfalz aus Contwig zu kämpfen. "Normalerweise sind es in den Wintermonaten fünf bis sechs Einsätze pro Woche. Jetzt haben wir das doppelte", sagt der Vorsitzende Kai Harstick.

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Die derzeitige Situation erklärt er sich auch immer noch mit den langfristigen Folgen der Pandemie: "Da haben sich die Leute Tiere angeschafft und merken jetzt, dass die Tiere Arbeit machen, weil sie wieder voll im Berufsleben drin sind und auch mal wieder in Urlaub fahren wollen." Deswegen würden die Tiere dann ausgesetzt werden.

Die Ermittlungen zu der vermutlich ausgesetzten Mutter der Weinbergwelpen wurden Ende Januar ergebnislos eingestellt. Tierheimleiterin Simone Jurijiw ist sich jedoch sicher, dass Mira ausgesetzt worden ist: "Ein Hund läuft vor der Geburt nicht weg, egal wie schlimm sein zu Hause gewesen ist.“

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Clara Holzhauser