Mit einem Tablet wird ein Supermarkt-Regal abscannt (Foto: SWR)

Millionen-Projekt wird eingeweiht

Dieser Supermarkt in Neuwied zeigt die Zukunft des Einkaufens

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AUTOR/IN
Christina Nover
Autorin Christina Nover (Foto: SWR)

Bezahlen mit Gesichtserkennung, smarte Einkaufswagen und Supermärkte, die abends zur Disco werden - in Neuwied werden diese Ideen in einem Lehrsupermarkt getestet.

Wie sieht die Zukunft des Einkaufens im Supermarkt aus? Dieser Frage gehen die Studenten der Bundesfachschule des Lebensmittelhandels in Neuwied auf den Grund. Im neuen Lehrsupermarkt der "Food-Akademie" können sie den Umgang mit verschiedensten Techniken erproben und neue Konzepte ausprobieren.

"Ich glaube, dass das, was automatisiert werden kann, automatisiert wird."

Kunden können sich in Supermärkten registrieren lassen

Schulleiter Thorsten Fuchs ist sich sicher: Das Einkaufen im Supermarkt wird in den nächsten Jahren immer digitaler - zum Beispiel das Bezahlen. Neben normalen Kassen und Selbstbedienungskassen wird es laut Fuchs auch Bezahlung via Gesichtserkennung geben. So könnten registrierte Stammkunden nach dem Einkauf einfach den Markt verlassen, abgebucht werde direkt vom Bankkonto.

Video herunterladen (3,2 MB | MP4)

Für diese neue Art des Einkaufens spielen Videotechnik und moderne Regale eine Rolle. "Die Regale sind mit Sensoren ausgestattet, die merken, wenn etwas aus dem Regal genommen wird", erklärt Fuchs. Über das fehlende Gewicht und die passenden Videoaufnahmen könne das Produkt dem Stammkunden zugeordnet werden. Die Sensoren würden aber auch dazu dienen, zu erkennen, wann ein Regal wieder aufgefüllt werden muss.

Roboter können Supermarktmitarbeiter entlasten

Fuchs sieht die Digitalisierung seiner Branche deshalb durchaus positiv. Viele Entwicklungen - wie beispielsweise elektronische Preisschilder - würden das Leben der Supermarkt-Mitarbeiter einfacher machen. Roboter könnten schwere Lasten tragen oder das Einräumen von Regalen übernehmen. "Ich glaube, dass das, was automatisiert werden kann, automatisiert wird", sagt Fuchs.

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Zwar gebe es auch Sorgen im Bezug auf den digitalen Wandel, der Leiter der Food-Akademie glaubt jedoch nicht, dass Roboter den Menschen als Fachkraft wirklich ersetzen können. Fuchs geht davon aus, dass der Schwerpunkt in Zukunft vor allem auf der Beratung der Kunden liegt: "Von einem Menschen, der mich gut berät, kaufe ich auch die Flasche Wein für 50 Euro. Wenn es automatisiert ist, werde ich immer nur auf den Preis schauen."

"Wenn ich abends meinen Supermarkt in eine Discothek oder in ein Restaurant umbaue, dann kann ich auch nachts noch Umsätze erzielen."

Mobile Regale: Supermärkte werden zur Kirche oder Diskothek

Supermärkte könnten dank mobiler Regale in Zukunft auch andere Zwecke erfüllen. Wo tagsüber Gemüse und Nudeln verkauft werden, könnten abends Cocktails serviert werden. Fuchs kann sich auf den freigeräumten Flächen Kochevents ebenso gut vorstellen wie einen Discobetrieb oder den sonntäglichen Gottesdienst.

Thorsten Fuchs, der Leiter der Lebensmittelfachschule in Neuwied, mit einem der mobilen Regal im neuen Lehrsupermarkt (Foto: SWR)
Thorsten Fuchs, der Leiter der Lebensmittelfachschule in Neuwied, mit einem der mobilen Regale im neuen Lehrsupermarkt.

Wie praktikabel das Ausräumen eines Supermarkts ist, das ist eines von vielen Dingen, die die Studenten der Food-Akademie herausfinden sollen. Die Männer und Frauen kommen aus ganz Deutschland nach Neuwied, um sich fortzubilden und ihren Abschluss als Handelsbetriebswirt zu machen. Die Schule hat laut Fuchs rund 1.400 Studenten.

13 Millionen für neues "Kompetenzzentrum Supermarkt"

Der 500 Quadratmeter große und komplett mit Waren ausgestattete Lehrsupermarkt ist nach Angaben von Fuchs in dieser Form einmalig in ganz Deutschland. Er ist nur für die Studenten der Lebensmittelfachschule gedacht und nicht öffentlich zugänglich. Der Lehrsupermarkt ist Teil des neuen "Kompetenzzentrums Supermarkt", das am Freitag zusammen mit einer Zukunftsmesse eröffnet wurde.

Der Neubau des Kompetenzzentrums samt sieben digital ausgestatteter Seminarräume, Studentenwohnheim für 60 Personen und Lehrküche hat nach Angaben des Schulleiters rund 13 Millionen Euro gekostet, acht Millionen Euro kamen als Förderung von Bund und Land.

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