Baustelle Südallee in Koblenz (Foto: Stadt Koblenz / Verena Groß)

Fahrradstraße soll 2027 fertig sein

Ausbau Südallee: Alles Wichtige zum Koblenzer Prestigeprojekt

Stand
AUTOR/IN
Christina Nover
Autorin Christina Nover (Foto: SWR)
Andreas Krisam

In Koblenz sind die Arbeiten für den Ausbau der Südallee in vollem Gange. Das Prestigeprojekt sorgt vor allem unter Anwohnern für viele Diskussionen. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Was ist geplant beim Ausbau der Koblenzer Südallee?

Die Stadt Koblenz will die Südallee zu einer Fußgänger- und Radfahrstraße umbauen. Geplant ist eine breite Flaniermeile mit Bäumen und Grünstreifen sowie kleine Plätze und Sitzgelegenheiten. Die Planungen dafür laufen schon seit vielen Jahren. 2017 wurden eine Bürgerumfrage und zwei Bürgerworkshops durchgeführt. Auf den Ergebnissen aufbauend gab es einen Architektenwettbewerb. Der Siegerentwurf bildet die Grundlage für die aktuelle Planung der Südallee.

Wann beginnen die Bauarbeiten?

Die ersten Arbeiten haben bereits im vergangenen Jahr mit dem Fällen von Bäumen begonnen. Der Ausbau der Südallee erfolgt in vier Bauabschnitten. Der erste Bauabschnitt (Friedrich-Ebert-Ring bis Roonstraße) ist Ende Februar gestartet. Zwischen dem 13. April und dem 3. Mai wird die Rizzastraße am Knotenpunkt Südallee nach Angaben der Stadt voll gesperrt. In diesem Zeitraum werde der Verkehr umgeleitet. Ziel sei es, den Ausbau der Südallee bis Ende 2027 abzuschließen.

Ein Arbeiter steht vor gefällten Bäumen auf der Südallee in Koblenz und ein Lkw sammelt sie ein (Foto: SWR)
Für das Bauprojekt mussten viele Bäume in der Südallee gefällt werden.

Welche Kritikpunkte gibt es?

Ein großer Kritikpunkt sind die hohen Kosten des Projekts. So kritisierten etwa die Fraktion der Freien Wähler und die Wählergruppe Schängel im Stadtrat Ende letzten Jahres, dass das Projekt zu teuer und zu aufwendig geplant sei. Kostentreiber sind etwa hochwertige Baumaterialen wie Basalt-Lava-Steine oder moderne Ausstattungen wie versenkbare Mülleimer. Das ist den städtischen Vorgaben für den Ausbau der Südallee zu entnehmen.

Neben den hohen Kosten kritisieren Anwohner auch, dass rund 120 Parkplätzen wegfallen. Die Verwaltung will prüfen, ob weitere Anwohnerparkplätze in der Nähe der Südallee geschaffen werden können. Für die Zeit der Bauarbeiten erlaubt es die Stadt betroffenen Anwohnern, ihre Autos in den jeweiligen angrenzenden Parkzonen abzustellen. Diese Regelung ist laut Stadtverwaltung zunächst bis Ende des Jahres befristet.

Ein weiterer Aufreger ist, dass in der Südallee viele große Bäume gefällt werden. Die Stadt plant zum Ausgleich, mehr als 140 klimaresiliente Vogelkirschen als Allee zu pflanzen. Anwohner befürchten jedoch, dass die weißblühenden Bäume wesentlich kleiner sind als der aktuelle Bestand und weniger Sichtschutz bieten.

Koblenz

Robinien und Ahorne nicht mehr standsicher Trotz Protesten: Stadt Koblenz fällt erste Bäume in der Südallee

In Koblenz werden seit Montagmorgen 15 Bäume in der Südallee gefällt. Laut dem Eigenbetrieb Grünflächen sind die Robinien- und Ahornbäume nicht mehr standsicher.

Am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Warum müssen so viele Bäume in der Südallee gefällt werden?

Als im vergangenen Jahr bekannt wurde, dass in der Südallee mehr als 50 Bäume gefällt werden sollen, wehrten sich Bürgerinnen und Bürger gegen die Pläne. Unter anderem wurde eine Petition für den Erhalt der Bäume gestartet, die von mehr als 4.000 Menschen unterschrieben wurde. Trotzdem wurde Ende des Jahres mit den Baumfällungen begonnen. Baudezernet Bert Flöck (CDU) verteidigte die Maßnahmen unter anderem auch auf der jüngsten Anwohnerversammlung. Demnach seien die Bäume in schlechtem Zustand und nicht mehr standsicher. Er verwies dabei auf ein durchgeführtes Baumgutachten. Im Juli war bereits eine Robinie gegen ein Haus gestürzt.

Wie viel müssen die Anwohner bezahlen?

Die geplanten Gesamtkosten für den Ausbau der Südallee liegen nach Angaben der Stadt Koblenz aktuell bei rund 13,7 Millionen Euro. Davon trägt die Stadt etwa 35 Prozent der Kosten, also etwa 4,8 Millionen Euro. Der größere Teil muss durch die Anlieger gestemmt werden. Sie müssen für rund 8,9 Millionen Euro aufkommen. Wie viel genau auf den Einzelnen zukommt, ist bislang noch nicht klar. Denn die aktuellen Einschätzungen beruhen nach Angaben der Stadt auf vorläufigen Kalkulationen. Eine Vorinformation, in der die voraussichtliche Höhe des Beitrages genannt wird, soll demnach erst sechs bis acht Wochen vor dem Erlass des Beitragsbescheides schriftlich erfolgen.

Warum sammeln Anwohner in der Südallee gerade Spenden?

Für die Sanierung der Südallee will die Stadt von den Eigentümerinnen und Eigentümern aktuell einmalige Ausbaubeiträge in Höhe von knapp 9 Millionen Euro erheben. Das heißt: Nur die direkten Anlieger werden zur Kasse gebeten. Es gibt jedoch eine Möglichkeit, das Ganze abzuwenden: Dafür müssten die Anlieger bis zum Ende des ersten Quartals 480.000 Euro an Zuwendungen aufbringen. Soviel hat die Stadt bisher für die Ausbaumaßnahme ausgegeben. Um das Geld aufzutreiben, hat sich eine Bürgerinitiative gegründet.

Video herunterladen (126,2 MB | MP4)

Wie viel Spendenerklärungen sind bereits eingegangen?

Nach Angaben der "Initiative wiederkehrende Beiträge Südallee" sind inzwischen mehr als 185.000 Euro zusammengekommen. Allerdings habe man zum Beispiel mit einigen Eigentümern großer Grundstücke noch nicht gesprochen - etwa dem Krankenhaus Evangelischer Stift und dem Cusanus Gymnasium. Hier seien möglicherweise noch größere Zuwendungen zu erwarten. Wenn es gelingt, die benötigten 480.000 Euro rechtzeitig aufzubringen, muss der Stadtrat entscheiden, ob es zu einer Umstellung auf wiederkehrende Ausbaubeiträge für den Bereich der Südallee kommt.

Wo bekommen Bürger aktuelle Infos zum Ausbau der Südallee?

Die Stadt Koblenz hat zuletzt Ende Januar eine Anwohnerversammlung durchgeführt und informiert auch auf der Webseite des Eigenbetriebs Grünflächen- und Bestattungswesen über das Förderprojekt Südallee. Außerdem will die Stadt in einem Baubüro in der Südallee wöchentliche Bürgersprechstunden anbieten.

Mehr zum Thema Südallee

Koblenz

Demo in der Südstadt Ausbau der Südallee: Koblenzer Bürger wollen gesunde Bäume retten

Für den Ausbau der Koblenzer Südallee sollen in diesem Jahr noch 37 Bäume gefällt werden. Am Freitagnachmittag gab es eine Demo für den Erhalt der Bäume.

Am Tag SWR4 Rheinland-Pfalz

Koblenz

Robinien und Ahorne nicht mehr standsicher Trotz Protesten: Stadt Koblenz fällt erste Bäume in der Südallee

In Koblenz werden seit Montagmorgen 15 Bäume in der Südallee gefällt. Laut dem Eigenbetrieb Grünflächen sind die Robinien- und Ahornbäume nicht mehr standsicher.

Am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Koblenz

50 beschädigte Bäume sollen demnächst gefällt werden Kranker Baum gegen Haus auf der Südallee in Koblenz gestürzt

In der Koblenzer Südallee ist eine Robinie gegen ein leerstehendes Eckhaus gestürzt. Verletzt wurde nach Angaben der Feuerwehr niemand.

Am Tag SWR4 Rheinland-Pfalz

Mehr zu Bauprojekten in Koblenz

Koblenz

Neubau wird wohl erst im Frühjahr 2024 fertig Hallenbad Koblenz: So sieht es ein halbes Jahr vor der Eröffnung aus

Von außen sieht das neue Hallenbad in Koblenz schon relativ fertig aus. Aber im Innern gibt es noch einiges zu tun, bis das Bad voraussichtlich im Frühjahr 2024 eröffnen wird.

Am Nachmittag SWR4 Rheinland-Pfalz

Koblenz

Garten Herlet - grüne Oase in der Altstadt betroffen Koblenzer Stadtrat: Umstrittenes Hotel darf gebaut werden

Der Koblenzer Stadtrat hat beschlossen, dass ein Großgastronom seine umstrittenen Hotelpläne in der Altstadt umsetzen kann. Sie betreffen auch den Garten Herlet.

SWR4 am Donnerstag SWR4

Koblenz

Neue Rheinbrücke für Koblenz: Fünf Jahre Baustelle Neubau der Pfaffendorfer Brücke in Koblenz hat offiziell begonnen

Nach jahrelanger Planung hat am Freitag in Koblenz der Neubau der Pfaffendorfer Brücke offiziell begonnen. Die wichtige Rheinquerung soll in fünf Jahren fertig sein.

Am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz