Katzen sind eigentlich Fleischfresser. Bei Industriefutter sind sie mitunter ziemlich wählerisch. (Foto: Colourbox, Colourbox -)

Forderung nach mehr Katzen-Kastrationen

Zu viele Kätzchen: Tierheime rund um Koblenz am Limit

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Ob Neuwied, Koblenz, Mayen oder Montabaur - überall sind die Tierheime voll. Momentan landen dort vor allem viele Katzenbabys. Tierschützer fordern deshalb mehr Kastrationen.

Die Tierheime und Tierschutzorganisationen in der Region bestätigen auf SWR-Anfrage, dass sie derzeit besonders viele Katzen aufgenommen haben, etwa die Katzenhilfe Neuwied: Nach eigenen Angaben hat sie aktuell 30 Katzenbabys in ihrer Obhut. Auch im Tierheim in Neuwied leben momentan 35 Katzen, davon elf Katzenkinder.

Ähnlich ist die Lage auch im Tierheim in Koblenz. Dort sind nach eigenen Angaben vier Katzenmütter mit Nachwuchs untergebracht, zusätzlich gibt es drei Gruppen von Katzenkindern ohne Mutter. Das liegt unter anderem auch an der Jahreszeit. Gerade jetzt im Frühling und Sommer bekommen Katzen Nachwuchs.

Nicht kastrierte Katzen sind ein großes Problem - auch in Koblenz

Dabei sind vor allem verwilderte Hauskatzen ein Problem - weil sie oft nicht kastriert sind und sich deshalb unkontrolliert vermehren. Das passiert nicht nur in Neuwied, sondern beispielsweise auch in Koblenz, unter anderem im Stadtteil Rübenach. Die stellvertretende Leiterin des Koblenzer Tierheimes, Christiane Zerfass, sagte dem SWR, dort würden immer wieder streunende Katzen und Katzenbabys gefunden. Der Stadtteil sei ein richtiger Hotspot.

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Hauptursache sei auch hier, dass viele Katzenbesitzer ihre Tiere einfach unkastriert vor die Tür ließen. Dadurch gebe es auch in Koblenz immer mehr verwilderte Hauskatzen. Das Koblenzer Tierheim hofft deshalb, dass bald in der Stadt eine Katzenschutzverordnung mit einer Kastrationspflicht kommt, so Zerfass. Sie sollte bereits im vergangenen Jahr in Kraft treten, doch dann kam Corona.

Bislang erst wenige Kommunen mit Katzenschutzverordnung

In Neuwied gilt bereits eine solche Katzenschutzverordnung. Diese ist für die Tierschützer vor allem eine rechtliche Grundlage, um eingreifen zu dürfen. Das heißt, die Helferinnen und Helfer können streunende Katzen einfangen und kastrieren, ohne mit rechtlichen Konsequenzen seitens der Besitzer rechnen zu müssen.

Laut der Katzenhilfe Neuwied sind oft Bauernhöfe, Altenheime, Supermärkte, Industriegebiete oder auch Friedhöfe Katzen-Hotspots. Beziffern lasse sich der Erfolg der Schutzverordnung nur schwer. Sie sei aber ein wichtiger Hebel, um Tierbesitzerinnen und -besitzer für die Problematik zu sensibilisieren, so die Tierschützer.

Tierarzt kämpft für Katzenschutzverordnungen

Eine Katzenschutzverordnung helfe definitiv, sagt dagegen Tierarzt Markus Gilles aus Burgbrohl. Die Verbandsgemeinde Brohltal ist neben Neuwied eine von elf Städten und Gemeinden in Rheinland-Pfalz, in der nach Angaben des deutschen Tierschutzbund zurzeit eine Katzenschutzverordnung gilt.

Sinnvoll sei die Verordnung aber nur dann, wenn sie drei Bestandteile umfasse, betont Gilles: Die Kastration, die Kennzeichnung und auch die Registrierung der Tiere. Die Registrierung ist beispielsweise über den Verein Tasso kostenfrei möglich.

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Burgbrohler Tierarzt: Kastrationen schützen auch vor Krankheiten

Kastrationen würden auf zwei Arten helfen, erklärt Tierarzt Gilles: Zum einen könnten sich Katzen draußen nicht unkontrolliert vermehren. Zum anderen würden Katzen nach einer Kastration meist häuslicher. Das heißt, sie verkleinern ihren Bewegungsradius, was wiederum für weniger Kontakt zwischen den Tieren sorgt - und sie so auch vor der Ansteckung mit Krankheiten schützt.

Hürden für eine Katzenschutzverordnung

Auch Tierarzt Gilles hofft deshalb, dass noch viele weitere Städte und Gemeinden im Land dem Beispiel von Brohltal folgen werden. Die Idealvorstellung sei eine flächendeckende Regelung für ganz Rheinland-Pfalz.

Da für eine Katzenschutzverordnung aber zunächst ein Notstand festgestellt werden müsse, sei vor allem die Zusammenarbeit aller Tierschutzvereine und Tierärzte mit den Behörden wichtig, so Gilles. Beispielsweise durch regelmäßiges Offenlegen von Zahlen. Das sei bisher aber eher selten der Fall.

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