Der ärztliche Direktor Karlheinz Seidl (Bildmitte) im Gespräch mit seinen Kollegen. Am Westpfalz-Klinikum wurden erste Maßnahmen des Zukunftspaketes umgesetzt.  (Foto: SWR)

Erste Maßnahmen umgesetzt

Wie das Westpfalz-Klinikum an seinem Zukunftskonzept arbeitet

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Sebastian Stollhof
Sebastian Stollhof (Foto: SWR)

Um das finanziell angeschlagene Westpfalz-Klinikum für die Zukunft aufzustellen, wurde im vergangenen Jahr ein Konzept erstellt. Erste Projekte davon wurden umgesetzt. Dabei geht es nicht nur ums Sparen.

Seit mehr als einem halben Jahr ist Karlheinz Seidl nun ärztlicher Direktor des Westpfalz-Klinikums. Er kam genau in der Zeit in die Pfalz, in der die Ängste und Sorgen am größten waren. In ein finanziell angeschlagenes Krankenhaus, das unter anderem als Folge der Corona-Pandemie und des Fachkräftemangels zwingend Gelder seiner Gesellschafter und von Banken brauchte. Gesellschafter sind die Stadt Kaiserslautern sowie der Donnersbergkreis und der Kreis Kusel.

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Ein Finanzplan sieht vor, dass das Klinikum bis Ende 2027 Gelder in Höhe von "maximal" rund 80 Millionen Euro braucht, um überleben zu können. Die Gesellschafter haben ihre Unterstützung zugesagt - knapp 63 Millionen werden sie beisteuern. Zudem wurde ein so genanntes Zukunftskonzept erarbeitet. Das beinhaltet knapp 30 verschiedene Maßnahmen.

Neue Patientenzimmer und Geburtsstation in Kaiserslautern

Einige dieser Projekte wurden zwischenzeitlich umgesetzt, wie Karlheinz Seidl sagt. Als Beispiel nennt der ärztliche Direktor den Aufbau eines Zentrums für Geriatrie - einer speziellen Medizin für betagte Menschen - in Kaiserslautern oder auch die Etablierung eines Lungenkrebszentrums. Dieses Zentrum ist auf die Behandlung von Patienten mit Erkrankungen der Atemwege und Lungenkrebs spezialisiert. Zudem sei eine Palliativstation mit aktuell fünf Betten in Betrieb genommen worden. Dort werden Menschen mit nicht heilbaren Erkrankungen behandelt - mit dem Ziel, die Lebensqualität zu verbessern.

Wir müssen das Geld, das uns zur Verfügung steht, richtig einsetzen. Und ich versichere, unsere Patienten werden nicht unter der finanziellen Situation des Klinikums leiden.

Außerdem laufen laut Seidl derzeit in Kaiserslautern einige Baumaßnahmen. Teil des Zukunftskonzeptes seien nicht nur Sparmaßnahmen, sondern auch, das Haus zeitgemäß auszustatten und so für die Zukunft aufzustellen. Denn das sei von großer Bedeutung, um in Zukunft wieder vernünftig wirtschaften zu können. So wurde das Haus 8 in Kaiserslautern komplett saniert. "Wir werden die erste Station nun in Kürze neu beziehen", sagt Seidl. In diesem Gebäude werden sich zukünftig unter anderem auch die Patientenzimmer der Gynäkologie und Geburtshilfe sowie die Familienzimmer befinden.

Intensivstation soll wieder komplett geöffnet werden

"Wir müssen das Geld, das uns zur Verfügung steht, richtig einsetzen. Und ich versichere, unsere Patienten werden nicht unter der finanziellen Situation des Klinikums leiden", sagt der ärztliche Direktor. So laufe unter anderem auch die Ausbildung der ausländischen Pflegekräfte weiter. Weil unter anderem Pflegekräfte fehlten, konnten zu Corona-Zeiten zeitweise mehr als 250 Betten im Westpfalz-Klinikum nicht belegt werden. 

Die Situation habe sich mittlerweile gebessert. Auch auf den Intensivstationen. Sechs Betten können in Kaiserslautern derzeit weiterhin noch nicht belegt werden. Aber auch da soll sich im Laufe des Jahres - wie geplant - etwas tun. "Wir wollen im Juli drei Intensivbetten wieder in Betrieb nehmen und bis Ende des Jahres werden wir wieder eine komplette Belegung der Intensivstation erreichen", kündigt der ärztliche Direktor an.

Einige Stellen werden am Westpfalz-Klinikum abgebaut

Sehr schmerzhaft ist für Seidl, dass im Zuge der Neuausrichtung des Klinikums auch am Personal gespart werden muss. Die genaue Zahl stehe noch nicht endgültig fest. Es werde vermutlich, wie bereits berichtet, "eine höhere zweistellige Anzahl" an Stellen abgebaut werden. "Das ist eine Aufgabe, die mir naturgemäß keinen Spaß macht", so Seidl. Im Pflegebereich werde kein Personal reduziert. Auch werde es keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Rund 4.000 Menschen arbeiten am Westpfalz-Klinikum.

Die Standorte in Kusel und Kirchheimbolanden sollen auch in der Zukunft von großer Bedeutung für das Klinikum sein, betont der ärztliche Direktor. In Kirchheimbolanden werde das durch die Erweiterung unterstrichen. 2027 sollen dort dann die Innere Medizin und die Geriatrie von Rockenhausen nach Kibo ziehen.

Bessere Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten

Außerdem soll die Zusammenarbeit von Westpfalz-Klinikum und den niedergelassenen Ärzten in der Region intensiviert werden. Was wünschen sich die niedergelassenen Ärzte? Wo kann sich das Westpfalz-Klinikum noch verbessern? Fragen, die gemeinsam besprochen werden sollen. "Alles im Sinne unserer Patienten", sagt Seidl. Er war vor seinem Wechsel in die Westpfalz Direktor der Klinik für Kardiologie und internistische Intensivmedizin in Ingolstadt.

Ausbildung der Ärzte als ein Schwerpunkt am Westpfalz-Klinikum

Erfolgreich habe er während der Ausbildung auch schon Fachärzte für ein Jahr in einer Praxis eingesetzt. Die Zusammenarbeit habe sich dadurch deutlich verbessert. Gerade in Zeiten von Ärztemangel sei eine gute, praxisnahe Ausbildung wichtig. "Da haben wir im Westpfalz-Klinikum bereits einiges angestoßen", beschreibt es der ärztliche Direktor.

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Überhaupt ist der 63-Jährige, der auch viele Jahre in der Vorderpfalz gearbeitet hatte, nach seinen ersten acht Monaten im Westpfalz-Klinikum zuversichtlich: "Ich bin sehr beeindruckt von der hohen Qualität aller Mitarbeiter, auch von der technischen Ausstattung. Und ich bin davon überzeugt, wir als Westpfalz-Klinikum müssen uns hinter keiner Universitätsklinik verstecken", sagt Seidl.

Der Weg aus der Krise sei zwar noch ein weiter - im Vergleich zu seinem Start im August habe sich die Stimmung aber deutlich gebessert. Das Team ziehe an einem Strang. Der ärztliche Direktor ist zuversichtlich: "Wir sind auf einem sehr guten Weg."

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